Frankenschock – Bald Sammelklagen gegen die Schweizerische Nationalbank?

Franken

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf es heute die 220.000 Frankenkreditnehmer in Österreich. Alleine das ausstehende Frankenkreditvolumen privater Haushalte erhöhte sich über Nacht um 18,8 % von zuletzt (laut FMA-Erhebung per 30.06.2014) 25,2 auf 29,9 Milliarden Euro nachdem die Schweizerischen Nationalbank (SNB) die Untergrenze des Euro zum Franken aufhob. Der daraus resultierende Schaden entspricht ca. 1,1% der österreichischen Wirtschaftsleistung und wird noch viel größer wenn man die Folgen in Form von vermehrten Ausgabeneinschränkungen und der  drohenden Aufgabe zahlreicher Eigenheime mit einbezieht. Die Märkte waren ganz klar auf dem falschen Fuß erwischt worden und sind ihrerseits Opfer einer täuschenden Kommunikationspolitik der Schweizerischen Nationalbank: Noch am 5. Jänner bezeichnete SNB-Präsident, Thomas Jordan, in einem Interview des Schweizer Fernsehens den Mindestkurs als unverzichtbar: „Der Mindestkurs ist absolut zentral um eben adäquate, richtige monetäre Bedingungen für die Schweiz aufrechtzuerhalten“ und auch die Pressemitteilung der SNB vom 18.12.2014 wog die Märkte in trügerische Sicherheit: „Die Nationalbank ist bereit, wenn nötig unbeschränkt Devisen zu kaufen und weitere Maßnahmen zu ergreifen.“  Es gab also nicht die geringsten Anzeichen einer Aufhebung und die Einführung von Negativzinsen war vielmehr als Zeichen einer ernsthaften Verteidigung der Untergrenze zu werten. Zahlreiche Betroffene fragen sich, wieso es ausgerechnet jetzt so unerwartet zu diesem Schritt kam. Begründet hat die SNB den gegenwärtigen Zeitpunkt mit  der Dollaraufwertung zum Franken. Die zweitgrößten Devisenpositionen nach dem Euro hält nämlich die SNB in US-Dollar und somit erschien der SNB dieser Zeitpunkt noch als „geringeres Übel“. Dass sie sich überhaupt zu diesem Schritt durchrang lag einerseits am Anstieg der Devisenreserven auf mittlerweile drei Viertel der Schweizer Wirtschaftsleistung und andererseits am zuletzt gestiegenen Aufwertungsdruck bzw. den steigenden Risikopotenzialen im Euroraum (z.B. Wahlen in Griechenland und möglicher Euro-Austritt wenn Syriza-Wahlbund gewinnt). Die Folgen:

Durch diesen Schritt hat die Schweizerische Nationalbank auf jeden Fall an Vertrauen eingebüßt. Die zahlreichen Frankenkreditnehmer in Österreich, Ungarn, Polen, Lettland und Russland erleiden teils existenzbedrohende Währungsverluste. Es gab nicht den geringsten Warnhinweis auf eine baldige Aufgabe der Untergrenze. Angesichts dieser Tatsachen erscheint das Szenario einer internationalen Schadenersatz-Sammelklage gegen die Schweizerische Nationalbank als plausibel, da sowohl die einzelnen Banken als auch Finanzberater im Grunde genommen keine Schuld trifft. Sie alle sind letztendlich auch Opfer dieser Situation – die Banken aufgrund des verstärkten regulativen Drucks und sowohl freie Berater als auch Banken infolge einer drohenden Klagewelle ihrer eigenen Kunden.

In den kommenden Wochen und Monaten sind folgende Szenarien denkbar:

1.)   Beruhigung und neue Bandbreite des Wechselkurses zwischen 1,00 und 1,15: Dafür spricht vor allem der große Verlust an Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Exportfirmen und im Tourismus. Betrachtet man diese fundamentalen Faktoren, dann würde eine überteuerte Währung von sich aus zur Aufwertungsbremse. Mittelfristig ist somit durchaus die Ausprägung einer neuen stabilen Wechselkursbandbreite denkbar.

2.)   Kurze volatile Panikphase gefolgt von weiteren (geld)politischen Maßnahmen. Möglich wäre eine Ausweitung der negativen Leitzinsen auf bis zu -5% und Einführung einer Wechselkursbandbreite EUR/CHF (z.B. 1,05 bis 1,30) als Alternative zur vorangegangenen Untergrenze. Das wäre eventuell die nächste politische Überraschung aus der Schweiz.

3.)   Chaos wegen Wahlsieg der Syriza in Griechenland: Weiterer Verfall des Wechselkurses EUR/CHF unter die Parität 1:1 gefolgt von Zwangskonvertierungen durch die heimischen Banken, die dann Gefahr in Verzug sehen und radikale Maßnahmen ergreifen könnten.

Grundsätzlich sollten Frankenschuldner auf alle denkbaren Ereignisse gefasst sein. Fakt ist, dass die Entscheidung zur Aufhebung der Untergrenze politisch getroffen wurde und alle weiteren Folgemaßnahmen ebenfalls so wenig berechenbar sind. Auch bezüglich der weiteren Bewegungen an den Finanzmärkten könnte es zu unberechenbaren Schwankungen und teils irrationalen Entwicklungen kommen, weshalb derzeit Vorsicht das Gebot der Stunde ist.

Wir haben den Fachverband der Finanzdienstleister um ein Statement gebeten: KommR Wolfgang K. Göltl zum Thema Schweizer Frankenkredite: „Das wichtigste jetzt ist es kühlen Kopf zu bewahren und sich trotz der Aufregung die nächsten Schritte genau zu überlegen. Jeder Fall ist anders und muss dementsprechend auch unterschiedlich angegangen werden. Wir raten den Kreditnehmern mit Ihren Gewerblichen Vermögensberatern Kontakt aufzunehmen und den Fall zu besprechen.“

Diese Seite verwendet Cookies. Mehr

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close