Bewegte Zeiten

Wirtschaftskammer Wien | Sparte Information und Consulting

Christian Schäfer
Univ. Lekt. KommR Christian Schäfer, Stellvertretender Obmann der Sparte Information und Consulting der Wirtschaftskammer Wien (© Petra Spiola)

Wir haben mit Univ. Lekt. KommR Christian Schäfer, Stellvertretender Obmann der Sparte Information und Consulting der Wirtschaftskammer Wien, über die im Moment bewegeten Zeiten in der Versicherungsbranche gesprochen, wird es eine gemeinsame Protestaktion der Vermittler geben?

In der österreichischen Versicherungslandschaft scheint es bahnbrechende Veränderungen zu geben. Nachdem Ende vergangenen Jahres die Wüstenrot Versicherung und Bausparkasse an alle Vermittler neue Courtagevereinbarungen übermittelte, die teils durchaus erhebliche Verschlechterungen enthielten, formierte sich in den letzten Wochen eine zusehends schärfer werdende Ablehnungsfront.
Zuerst beschloss der FV der Versicherungsmakler noch im Dezember einstimmig, seinen Mitgliedern zum Widerspruch zu diesen Vereinbarungen zu raten.
Mittlerweile haben sich auch Finanzdienstleister und Agenten kritisch zu dieser Vorgangsweise von Wüstenrot geäußert.
Es scheint, als würden die Vermittler nach dem gemeinschaftlichen Bemühungen für eine „lebbare“ IDD nun wiederum gemeinsame Interessen entdecken, nachdem in den letzten 15 Jahren eher konfrontativ agiert wurde.

Herr Schäfer – Sie gelten als erfahrener Makler und ausgleichender Standesvertreter; was hat es mit der aktuellen „Verbrüderung“ der Vermittler auf sich?

Christian Schäfer: Nun, Erfahrung geht ja zumeist mit Alter einher, und bedeutet nicht automatisch, bessere Entscheidungen zu treffen. Wichtig erscheint mir, welche Erkenntnisse man aus Erfahrungen gewinnt, und mein Erkenntnis ist, nicht ständig das Trennende vor das Verbindende zu stellen.

Gut, das war jetzt die allgemeine Gemütslage, aber wie sieht es nun in der Causa Wüstenrot konkret aus, was ist da passiert, bzw. was passiert noch, proben die Vermittler gar eine Boykottaktion?

Schäfer: Vorweg eine persönliche Aussage. Ich habe wie alle anderen diese neue Courtagevereinbarung auch erhalten und nicht akzeptiert.
In der Fachverbandssitzung der VM im Dezember wurde das Thema eingehend behandelt und wir haben festgestellt, dass wir eine Warnung aussprechen müssen, weil offenbar viele die Brisanz dieses Papieres übersehen haben und die (kurze) Frist zur Ablehnung verstreichen ließen.
In kollegialen Gesprächen mit Agenten und Finanzdienstleistern haben wir festgestellt, dass auch bei diesen hohe Verunsicherung über die Vorgangsweise des Versicherers herrscht und daher ist es durchaus richtig, dass es auch aus diesen Kreisen Widerspruch gibt.
Das hat aber aus meiner Sicht nichts mit einem Boykott zu tun, zu dem dürfte der Fachverband gar nicht aufrufen.
Vielmehr haben wir den Bestimmungen des WKG entsprochen und für unsere Mitglieder in einer heiklen Angelegenheit interveniert.

Wie wurde interveniert und was ist das Ergebnis?

Schäfer: Nun, das ist kein Geheimnis … es wurde mit verschiedenen Verantwortungsträgern der Gesellschaft Kontakt aufgenommen und versucht, die vorgegebenen Widerspruchsfristen aufzuheben und Verhandlungen aufzunehmen.
Aus beidem ist leider nichts geworden, sodass jedenfalls die Wiener Versicherungsmakler ein weiteres Informationsschreiben versandt haben.

Und wie wird das jetzt weitergehen?

Schäfer: Das kann ich Ihnen nicht sagen; die Frage ist, ob es zu konstruktiven Verhandlungen und Ergebnissen kommt.
Ich habe ja kein Problem damit, wenn ein Versicherer meint, die Vertragsgrundlagen für die Zusammenarbeit verändern zu müssen.
Wenn das aber so gravierend ist – und zwar inhaltlich – rechtlich wie auch wirtschaftlich, dann halte ich eine lapidare Aussendung zu Jahresende mit kurzer Frist für das Gegenteil einer vertrauensvollen Zusammenarbeit.
Natürlich ist es die persönliche Entscheidung jedes einzelnen Maklers, Agenten oder Vermögensberaters, ob er sich einer derartigen Vorgangsweise unterwirft.
Für mich ist diese Angelegenheit eine Enttäuschung – und ich hoffe sehr, dass doch noch vernünftige Lösungen gefunden werden.

Und wenn nicht?

Schäfer: Das kann ich nur für mich beantworten – ich habe es schon gesagt. Mit dem übermittelten „Vertragswerk“ kann ich mich nicht identifizieren, und somit kann ich auch nicht kontrahieren.

Wir danken für das Gespräch.

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