Der ehrliche Jahresausblick 2016

Michael Kordovsky

2016

Immer wieder um diese Zeit im Jahr werden Experten zu einer genauen Einschätzung der Marktentwicklung im kommenden Jahr aufgefordert. Heuer kommt dies einer Aufforderung zu grob fahrlässigem Handeln gleich, denn die aktuelle Marktsituation ist derzeit äußerst komplex. So haben die EZB und Bank of Japan bei ihren jüngsten geldpolitischen Expansionsentscheidungen zwar die Märkte enttäuscht, sich dadurch aber noch Pulver für das kommende Jahr trocken gehalten. Die Fed hingegen beeindruckte kurzfristig mit der am besten vorbereiteten Zinsanhebung in ihrer Geschichte. Nun wird von den Entscheidungsträgern des Offenmarktausschusses bis Ende 2016 eine Fed-Fund-Rate von 1,375% erwartet – was in etwa 4 Zinsanhebungen von je 0,25 Prozentpunkte impliziert (aktueller Leitzins: in 0,25 bis 0,50% Bandbreite). Zwar wird für die USA und dem Euroraum 2016 ein moderates Wirtschaftswachstum von jeweils 2,4 bzw. 1,7% erwartet. Doch  aus  einer moderaten Erwartung heraus können bei geänderten Rahmenbedingungen schnell einmal Crash-Ängste erwachen und die Aktienmärkte nach unten drücken. In diesem Zusammenhang könnten aktuelle Verhaltensmuster der Märkte bereits einen Vorgeschmack auf 2016 geben: China-Schwäche und Fortsetzung der Rohstofftalfahrt verunsichern erneut  – und das kurz nachdem im Euroraum, den USA und in Japan die geldpolitische Katze aus dem Sack ist. Aktien fallen und der US-Dollar tendierte – trotz Leitzinserhöhung – nicht mehr fester sondern droht erneut abzuschwächen.  Doch auch Crashpropheten könnten Probleme bekommen. Im Ernstfall kommen erneute Stützungsprogramme der Notenbanken, um die Börsen zu beruhigen. Die konkrete Marktentwicklung lässt sich derzeit kaum seriös prognostizieren, da auch noch geopolitische Faktoren im Spiel sind. Vom aktuellen Blickfeld aus gesehen erscheinen eine volatile Seitwärtsbewegung an den Aktienmärkten, ein schwächerer US-Dollar (1,375% Leitzinsen 2016 eher unwahrscheinlich) und ein kurzes zwischenzeitliches Aufflackern des Goldpreises durchaus plausibel, was jedoch zwischenzeitlich freundliche Börsenphasen nicht ausschließt.

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