Der Nobelpreis

Doris Schachinger

Für die Entwicklung effizienter Leuchtdioden haben dieses Jahr drei gebürtige Japaner den Nobelpreis für Physik erhalten. Mehr Licht mit weniger Energie. Für die Regierungsvorlage des großen neuen Pflegepakets, das mit Anfang Oktober in die vierwöchige Begutachtungsphase geht, wird es keinen Nobelpreis geben. Es klingt zwar gut, dass im Schnitt jeder Betroffene ab dem Jahre 2016 einhundertelf Euro mehr bekommt, in der Realität bedeutet das aber nur eine Erhöhung von circa zwei Prozent.  In der Pflegestufe I wird der monatliche Bezug von 154,20 auf 157,30 steigen. Geplant sind die Anhebungen der Stundensätze beim Pflegebedarf, in der ersten Stufe steigt dieser von 60 auf 65 Stunden, in der Pflegestufe II sogar von 85 auf 95 Stunden. Durch den erschwerten Zugang soll die Zahl der erwarteten Neuanträgen von 71.000 auf nur mehr 65.000 sinken.

Auch eine Möglichkeit der demografischen Situation, dass im Jahre 2030 mehr als 750.000 zu pflegende Personen in Österreich erwartet werden, ein Schnippchen zu schlagen. Das nennt man dann wohl „Statistiken bereinigen“, so wie beim AMS: Wer in einer Schulung ist, gilt nicht als Arbeitslos.  Übrigens das sind keine leeren Zahlen, hinter jeder steckt ein so genanntes Einzelschicksal. Was bedeutet das nun im Alltag, sollte das Pflegepaket beschlossen werden? Das hieße, jeder Mensch, der im Monat 60 Stunden Pflegehilfe benötigt, gilt als Pflegebedürftig und muss sich die Hilfestellungen im eigenen Umfeld organisiere. 60 Stunden Hilfe bedeutet für Angehörige im Schnitt zwei Stunden Unterstützung am Tag, neben der eigenen Berufstätigkeit. Bei einer Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden und unter Einbeziehung der  Anfahrtszeit zu und vom Arbeitsplatz, Mittagspause etc. ist man zwischen zehn und elf Stunden unterwegs. Allerdings auch nur unter der Annahme, der Pflegebedürftige wohnt nicht zu weit entfernt, denn sonst kommt zu den zwei Stunde Pflegeaufwand auch noch eine Stunde Wegzeit dazu – im schlimmsten Fall liegen wir nun bei 14 Stunden. Bei geschätzten sechs Stunden Schlaf und einer Pflegedauer von fünf Jahren sollte man sich um die Gesundheit des pflegenden Angehörigen auch bald Gedanken machen.

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