Der Weihnachts­wunschzettel an die EZB

Michael Kordovsky

Weihnachten

Die EZB hat am Donnerstag (3.12.) den Strafzins auf Einlagen der Banken bei der EZB von  -0,20 auf -0,30% (zu wenig) verschärft und das laufende Anleihenkaufprogramm von September 2016 bis März 2017 verlängert. Tilgungszahlungen der Anleihen werden reinvestiert und die Anleihenkäufe sogar auf regionale Emittenten ausgedehnt. Doch der DAX brach ein, der Euro stieg zum Dollar binnen 8 Stunden um 4 % und am langen Ende stiegen die Zinsen stark an. Der größte Fehler der Währungshüter war, dass sie zuvor allzu große Erwartungen schürten und danach mit viel zu moderaten Maßnahmen enttäuschten. Auch relativiert sich ein Unternehmenskreditwachstum von lediglich 0,6 % im Oktober wenn gleichzeitig die Geldmengen M1 und M3 um je 11,8 bzw. 5,3 % wachsen. Das Problem: Die Maßnahmen der EZB erscheinen den Marktteilnehmern zu zaghaft. Negative Leitzinsen in Kombination mit einer Zwangsregulierung für Banken zur Kreditvergabe an die Realwirtschaft sind überfällig. Die EZB sollte zwecks Reflationierung der Wirtschaft Richtung Stabilitätsziel (Inflationsrate nahe aber unter 2 %) Unternehmenskredit-Mindestquoten festlegen. Außerdem sollten von den Banken an Unternehmen ihrer Region und des gleichen Landes vergebene Kredite niedrigere Risikogewichte (im Rahmen von Basel III) erhalten. Denn Kreditinstitute kennen die Chancen und Risiken bei Krediten ihrer Region besser als jene, die mit Auslands-Engagements verbunden sind. Somit sollte es möglich sein bei gleicher Bonität Regionalkredite mit niedrigeren Eigenmitteln zu unterlegen. Damit die niedrigen bzw. später negativen Leitzinsen effektive Wirkung entfalten, könnte noch eingeführt werden, dass mindestens 10 % der neuen Kredite auf Basis des EZB-Leitzinses als Indikator verzinst sein müssen. Mit diesen Weihnachtswünschen sollten Banken und Industrieverbände an die EZB herantreten, denn sowohl Banken als auch Unternehmen könnten dann stärker expandieren.

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