Möglicher Verkauf von Bank Austria Retail-Geschäft kritisch betrachtet

Michael Kordovsky

Laut Bericht des „Standard“ laufen Sondierungsgespräche zwischen UniCredit und BAWAG-Eigentümer, US-Fonds Cerberus bezüglich des Verkaufes des Privatkundengeschäftes der Bank Austria an die BAWAG P.S.K. Der Zeitungsbericht zitiert „Eigentümerkreise“, denen zufolge die UniCredit 800 Mio. Euro als Preis ansetzt, der jedoch den Amerikanern zu teuer sei.  Für die BAWAG wäre dies vor allem im Hinblick auf den von Cerberus beabsichtigten Wiederverkauf eine Aufwertung, doch die Begeisterung der Bank Austria Kunden darüber könnte sich in Grenzen halten. Diese sind relativ stark dem „bürgerlichen“ Lager bzw. der Mittelschicht und gehobenen Mittelschicht zuzuordnen und genießen dort – teils schon über langjährige Zeiträume – den Service der ihren Erwartungen Rechnung trägt. Die BAWAG P.S.K. hingegen hat eine etwas andere Unternehmenskultur, die nicht unbedingt den Geschmack jedes Bank Austria Kunden trifft. Im Worst Case würde die BAWAG die Rechnung ohne den Wirt, spricht dem Kunden, machen. Sollte ein derartiger Übernahmedeal amtlich werden, dann droht unter Umständen ein größerer Exodus von (ehemaligen) Bank-Austria-Kunden zu anderen Instituten. Bereits der gesunde Hausverstand sagt, dass jemand aufgrund der Bank-Austria-Kultur Kunde dieses Instituts ist. Würde die BAWAG seiner Linie entsprechen, wäre er schon längst BAWAG-Kunde. Der Versuch, Bankkunden eine ungewohnte Kultur einfach über Nacht überzustülpen, könnte zum Scheitern verurteilt sein, denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier und fehlen die alten Gepflogenheiten und langjährigen Ansprechpartner, dann hat dies zweifelsohne Folgen – In diesem Falle wäre es ein Kunden-Exodus zu Lasten des Aufkäufers.

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