Multipler Vertrauensverlust

Michael Kordovsky

Manipulierte Zinssätze und Abgasnormen, reihenweise Bilanzskandale über eineinhalb Jahrzehnte, Bankenpleiten, genmanipulierte Nahrungsmittel, Fleischskandale und jede Menge Korruption in der Politik – Das Vertrauen in einstige „seriöse“ Institutionen und Firmen geht immer mehr verloren. Selbst die Schweizerische Nationalbank hat mit der – gegen ihre vorangegangenen Beteuerungen – am 15. Jänner aufgehobenen Wechselkursuntergrenze EUR/CHF eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Europaweit sind nun hunderttausende Frankenschuldnern mit herben Währungsverlusten konfrontiert. Da stellt sich die Frage: Wem kann man noch vertrauen? Doch wer ist seriös und integer genug darauf eine zufriedenstellende Antwort zu geben? Die Verunsicherung ist groß und dies wird mittel- bis langfristig gravierende Folgen auf den Kapitalmarkt haben, zumal sich die Babyboomer bzw. geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1969 langsam dem Pensionsalter nähern. Diese Generation nährte durch laufende Einzahlungen in Investment- und Pensionsfonds eine langjährige Periode steigender Aktienkurse, deren Blütezeit die Jahre 1982 bis 2000 waren. Danach begann das Zeitalter der Krisen und Turbulenzen, das nun in eine neue Phase übergeht, nämlich jene des multiplen Vertrauensverlust. Dieser führt nach und nach zu einem vorgezogenen Rückzug der Babyboomer aus dem Aktienmarkt und damit eingehend zu einem Nachfrageausfall, der vorübergehend durch eine massive Flutung des Finanzsystems mit Notenbank-Geld kompensiert wird (Euroraum, Japan) bzw. wurde (USA, Anleihenkäufe der Fed bereits eingestellt). Doch wehe wenn sich diese Geldströme – wie derzeit in den USA – ungünstig verändern, dann folgen hohe Kursschwankungen, Kurseinbrüche und in der Folge jede Menge neuer Verunsicherung.

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