Sorgloser Umgang

Österreichische Hagelversicherung

Täglich werden in Österreich 22,4 Hektar wertvolle Wiesen und Äcker für Straßen, Siedlungen, Shopping-Center oder Industriehallen verbaut, das entspricht der durchschnittlichen landwirtschaftlichen Fläche eines Bauernhofes oder 31 Fußballfeldern. Diese Flächen stehen den nachfolgenden Generationen für die Produktion von heimischen, regionalen Lebensmitteln und daher als unsere Lebensgrundlage nicht mehr zur Verfügung. In den letzten 60 Jahren sind bereits 350.000 Hektar Feld und Wiesen verbaut worden. Damit hält Österreich bei der Verbauung der fruchtbaren Böden einen Negativrekord in Europa. Während in Österreich jährlich 0,5 Prozent der Agrarflächen verbaut werden, sind es im Nachbarland Deutschland – wo es eine strukturiertere Raumordnung gibt – nur 0,25 Prozent, in Tschechien gar nur 0,17 Prozent. Auf der anderen Seite gibt es in Österreich laut Umweltbundesamt rund 13.000 Hektar Industriebrachflächen. Das entspricht der Fläche der Stadt Graz. Eine Rückführung von diesen Brachflächen würde – ebenso wie die Revitalisierung von Ortskernen anstelle von Neubauten am Stadtrand – dem Trend der Versiegelung von Neuflächen entgegenwirken.

„Dies hat dramatische Auswirkungen auf unsere Lebensmittelautarkie, denn wir beanspruchen bereits jetzt die doppelte Agrarfläche Österreichs im Ausland, speziell in Südamerika. Diese steigende Versiegelung von Agrarflächen hat aber auch ökologische und klimatische Auswirkungen. Einerseits ist der Boden als Wasser- und CO2-Speicher entscheidend für eine funktionierende Umwelt, andererseits hat der Bodenverbrauch unmittelbaren Einfluss auf den Klimawandel. Wenn derart große Flächen des CO2-Speichers ‚Boden‘ versiegelt werden, beschleunigt dies den Klimawandel. Zudem verliert versiegelter Boden die Fähigkeit Wasser zu speichern und zurückzuhalten, was bei extremen Niederschlägen und Unwettern zunehmend zu Überschwemmungs- und Hochwasserschäden führt“, weist Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, auf die besorgniserregende Entwicklung hin. Dass der sorglose Umgang mit Agrarflächen auch die Österreicher massiv stört, bestätigt eine vom market Institut, im Auftrag der Österreichischen Hagelversicherung, aktuell durchgeführte Umfrage. „4 von 5 Österreichern kritisieren die Verschandelung des Landschaftsbildes und verlangen in der Folge den Bodenverbrauch in der bisherigen Form zu stoppen. Notfalls auch mit gesetzlichen Maßnahmen, welche im Vergleich zum Vorjahr immer mehr Österreicher fordern“, fasst Prof. Dr. Werner Beutelmeyer, Leiter des Marktforschungsinstitutes market, die Ergebnisse zusammen.