Weltfrauentag

Prof. Elisabeth Stadler
Prof. Elisabeth Stadler (© Sebastian Reich)

Der Tag, der an die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und an die Emanzipation von Arbeiterinnen erinnern soll – Weltweit. In Österreich gibt es das Wahlrecht für Frauen seit 1918,  Gleichberechtigung mittels geschlechterneutralen Sprachgebrauch wird bereits gelebt aber von  einer Gleichstellung im Bezahlungssystem sind wir noch weit entfernt. Auch die Jobaussichten für Frauen mit Familie oder Alleinerziehende sind rar, durch die zu erwartende Mindestlohnforderung von 1.500 Euro sind seit kurzem die 20 Stundenjobs sehr hoch in Mode – mit einer Bezahlung die fürs Lebens zuwenig und fürs Sterben zuviel bedeutet. Aber heute wollen wir auch positives Berichten, die österreichische Finanzbranche hat  viele Frauen in bedeutenden Positionen, wir haben mit einigen bereits Interviews geführt, viele werden noch dazukommen. Hier einige Auszüge aus Anlass des Weltfrauentages:

Prof. Elisabeth Stadler, CEO Vienna Insurance Group: „Ich würde mir wünschen wenn es mehr Frauen in führenden Positionen geben würde und ich nicht die einzige Frau in einer CEO-Position wäre. Grundsätzlich ist es schwerer für Frauen in der Finanzbranche. Es ist wichtig mit Zahlen umzugehen und leben zu können, ich habe Versicherungsmathematik studiert und hatte schon sehr früh Freude und Interesse an Zahlen, daher war es für mich etwas leichter. Wenn mehr Frauen technische Ausbildungen anstreben würden, hätten sie viel mehr Chancen. Es beginnt mit der Ausbildung, in der Finanzbranche ist eine technische Ausbildung nicht unbedingt Voraussetzung, aber es ist eine bessere Grundlage. Frauen müssen mehr leisten und arbeiten um sich positionieren zu können und aufzufallen. Wenn man auf der Karriereleiter unterwegs ist, ist es nicht mehr schwerer. Um in die richtige Position zu kommen oder um eine Führungsposition auszuüben, sind Engagement, Kompetenz und Mitarbeiterführung wichtig Eigenschaften, die geschlechtsunabhängig sind. Das zu geringe Selbstbewusstsein bei vielen Frauen ist sicherlich auch ein Grund, auch wenn sie alle Kriterien für eine Führungsposition erfüllen, trauen sich Frauen zu wenig zu.“ (risControl Juli 2016)

Silvia Emrich, CFO Zurich Versicherung: „Bereits nach meinem Studium war mir klar, dass ich eine männerdominierte Branche gewählt hatte und ich mich als Frau behaupten muss und werde. Daher war ich sehr positiv überrascht, als ich im Gegensatz zu Österreich in den Auslandsgesellschaften in Russland und in der Türkei einem sehr hohen Frauenanteil im Management begegnete. Obwohl wir in Österreich auch viele sehr gut ausgebildete Frauen hatten, war das bei uns damals noch nicht so einfach. Seither hat sich zwar viel verändert, aber es wird noch lange brauchen, bis ausschließlich die Qualifikation bei der Besetzung von Jobs zählt – von einer Gleichstellung sind wir meines Erachtens nach noch weit entfernt.“ (risControl Mai 2015)

Mag. Sabine Usaty Seewald, Leiterin Kunden- und Vertriebsmanagements UNIQA Österreich: „Von einem bin ich überzeugt, um als Frau Karriere zu machen, muss man eine Portion Ausdauer, Geduld aber auch Hartnäckigkeit haben. Mit Selbstvertrauen sich seiner Aufgabe, seinem Ziel und seinen Führungsanspruch stellen. Ich finde, dass sich noch immer viel zu viele Frauen in einer Betreuungsfunktion wiederfinden, als Assistentinnen, Sekretärinnen oder Ähnlichem, hier sind sie extrem perfekt. Das hat sicherlich einige unterschiedlichste Gründe, Erziehung, Ausbildung aber auch die oft fehlenden Rahmenbedingungen um Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen. Fehlende oder unzureichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten, aber auch die Einstellung der Gesellschaft zu berufstätigen Frauen ist in Österreich leider noch nicht so entwickelt wie zum Beispiel in den nordischen Ländern.“ (risControl Juli 2016)

Claudia Schlosser, Leiterin Bereich ungebundene Vertriebe Allianz Versicherung: „Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch für den Erfolg geschaffen ist, jeder hat seine persönlichen Stärken, und die heißt es, herauszufinden und zu leben, dann ist es unerheblich, ob Frau oder Mann. Viele stehen sich selbst im Weg, und eines ist sicher, Männer trauen sich mehr und Frauen unterschätzen sich oft, und viele haben zu wenig Selbstwertgefühl. Es gibt viele Möglichkeiten, sich selbst weiterzuentwickeln, man sollte sich einfach mehr trauen und ausprobieren.“ (risControl September 2016)

Waltraud Martius, Franchiseberaterin, Netzwerkerin und Mitbegründerin des Österreichischen Franchise Verbandes: „Victor Hugo hat gesagt ‚Erfolg braucht Konzept und Beharrlichkeit‘ – das richtige Konzept für das eigene Unternehmen zu erarbeiten braucht fachliche Kompetenz, die notwendige Beharrlichkeit, Resilienz und Selbstbewusstsein sind Persönlichkeitsfaktoren, die eine erfolgreiche Unternehmerin auszeichnen. Was Frauen von Männern in der Wirtschaft lernen können, ist das Vernetzen (‚Seilschaften bilden‘) miteinander. Nicht Einzelkämpferin zu sein, sondern Kontakte suchen, pflegen und bieten. Und sich nicht selbst klein zu machen – d.h. nicht überheblich oder autoritär aufzutreten, sondern den Raum einzunehmen und mit der eigenen Persönlichkeit zu erfüllen, der einen selbst stärkt und bei anderen als kompetent wahrgenommen wird.“ (risControl November 2016)

Mag. Birgit Eder, Mitglied der Geschäftsführung ARAG SE Direktion Österreich: „Männer präsentieren sich besser und sind selbstbewusster als Frauen, dadurch werden Frauen oft unterschätzt. Frauen müssen erst lernen sich präsenter zu machen und sich mehr zutrauen. Man muss sich etwas trauen, hinausgehen und tun. Die Kommunikationsweise von Frauen und Männern ist unterschiedlich. Frauen fällt es oft schwer, sich Gehör zu verschaffen und so ihre Ideen einzubringen. Ich kann mich recht gut durchsetzen, sehe aber bei vielen meiner Mitarbeiterinnen hier noch ein wirkliches Defizit und hier sind wir Frauen in Führungspositionen gefordert Mitarbeiterinnen besonders zu unterstützen und zu fördern und falls notwendig auch ein bisschen anzuschubsen – im positiven Sinne motivierend zu wirken.“ (risControl November 2016)

DI Andrea Wellner, Geschäftsführerin Courtage Control: „Ich bin im kommunistischen Ungarn aufgewachsen und da hat es kein Problem mit Gleichberechtigung gegeben, denn im System waren alle gleich. Alle mussten arbeiten, haben das gleiche Geld bekommen, da war für diese Problematik kein Platz. Ich habe mit meinem Onkel in Ungarn eine kleine Softwarefirma gegründet, die im Bereich Automatisation tätig war. Im Rahmen dieser Arbeit haben wir damals schon Aufträge aus Österreich erhalten und wir wurden eingeladen, an Projekten vor Ort in Österreich mitzuarbeiten. Ich kam dann, im Rahmen dieses Projektes für längere Zeit nach Österreich, wo ich heute auch meinen Lebensmittelpunkt habe. Und erst hier bei meiner Tätigkeit habe ich die Problematik mit der Gleichberechtigung kennengelernt. Es hat auch sicherlich Entscheidungen von Geschäftspartnern gegeben, die davon beeinflusst waren, dass ich eine Frau bin, und zwar nicht immer im positiven Sinne. Es ist für mich manchmal unverständlich, dass nicht die Qualifikation entscheidend ist, sondern das Geschlecht, aber man muss lernen, damit umzugehen und sich auf seinem Weg nicht beirren zu lassen. Starke Frauen haben kein Problem damit, sich durchzusetzen. Sie sind klug genug, sich von Gleichberechtigungsdiskussionen nicht beeinflussen zu lassen.“ (risControl Dezember 2016)

KR Martina Dobringer, ehemalige CEO Coface Österreich: „Ich finde es sehr wichtig und erfreulich, dass langsam aber stetig Frauen in der Wirtschaft die Karriereleiter hinaufsteigen. Zum Thema Quotenregelung, in einem Land mit 8 Mio. Einwohner und einem 50%-Frauenanteil benötigt es in der Regierung, in der politischen Öffentlichkeit, einer Quotenregelung. Aber nicht in der Privatwirtschaft. Ich unterstütze auf keinem Fall die Regelung, bis zum Jahr 2014 einen verpflichtenden Frauenanteil in Vorstandsebenen zu haben. Diese Regelung ist gegen Frauen, welche es mit viel Fleiß und Mühe geschafft haben, an die Spitze zu kommen. Bei meiner Bestellung in den Vorstand der VIG Holding, musste ich mich ebenfalls mit dem Thema Quotenregelung auseinandersetzten und ich finde das sehr schade (diskriminierend). In allen Unternehmen, bei denen ich tätig war, hat es nie das Thema der Benachteiligung von Frauen gegeben. In Osteuropa versuchen wir sogar vermehrt Frauen zu positionieren, da diese meiner Meinung nach verlässlicher und belastbarer sind. Männer sind oft unzuverlässiger und weniger einschätzbarer, Frauen sind loyaler und treuer. Das habe ich durch viele Beispiele in meinem Leben bewiesen bekommen.“ (risControl Dezember 2011)

Diese Seite verwendet Cookies. Mehr

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close