Die Branche ist im Aufbruch – Zurecht oder viel Lärm um Nichts?

Wüstenrot Versicherungs-AG

Mag. Erwin Mollnhuber, Vorstandsdirektor der Wüstenrot Versicherungs-AG
Mag. Erwin Mollnhuber, Vorstandsdirektor der Wüstenrot Versicherungs-AG

Kommentar von Mag. Erwin Mollnhuber, Vorstandsdirektor der Wüstenrot Versicherungs-AG

Schreiben von Mag. Erwin Mollnhuber an Gunther Riedlsperger vom 23.12.2015.
Schreiben von Mag. Erwin Mollnhuber an Gunther Riedlsperger vom 23.12.2015.

Bei nüchterner Betrachtung kann ich den Protest der WKO nicht nachvollziehen. Vor allem auch deswegen, weil die neue Courtagevereinbarung viele Verbesserungen für die Vermittler bringt, die bis dato unerwähnt bleiben.
Wir haben Ende November an alle unsere Vertriebspartner eine neue Courtagevereinbarung versandt. Sie ist inhaltlich ident mit allen bisher versandten Vereinbarungen und diese waren mit den jeweiligen Interessensvertretungen abgestimmt oder zumindest seit Jahren bekannt.
Nachdem wir Bausparkasse UND Versicherung sind, müssen wir auf ALLE rechtlichen und gesetzlichen Aspekte Rücksicht nehmen. Dies führte zugegeben insbesondere auf der Versicherungsseite zu Missverständnissen, die in einem Schreiben von mir an Herrn Riedlsperger am 23.12.2015 er- und geklärt wurden. Ich darf anmerken, dass die Formulierungen, die bei der aktuellen Vereinbarung verwendet wurden, seit 2011 aus obigen Gründen von uns verwendet werden. Im Februar 2012 wurden diese vom ÖVM geprüft und gutgeheißen, im April des gleichen Jahres bei der ÖVM-Messe vorgestellt und in den Medien präsentiert – alles mit Informationen an die jeweiligen Fachverbände und die WKO.
Auf Wunsch, insbesondere des Rechtsausschusses des Fachverbandes der Österreichischen Versicherungsmakler, wurde diese Formulierung für den Versicherungsbereich herausgenommen, im Jänner 2016 Austauschseiten an alle Vermittler versandt und bei allen neu abgeschlossenen Vereinbarungen herausgenommen.

Wen bzw. Was betreffen die Änderungen?

Grundsätzlich alle Vermittler, die Produkte der Wüstenrot-Gruppe verkaufen.
Wir haben bei 5 Produktgruppen die Provision auf ein meines Erachtens marktübliches Niveau gesenkt, in 6 Produktgruppen erhöht. Im Bereich Bausparkasse haben wir die Provision im Ansparen deutlich gesenkt, im Bereich Finanzieren deutlich erhöht – in einzelnen Produktgruppen über 35%! In den Bereichen, in denen wir wachsen wollen UND das wirtschaftliche Ergebnis gut ist, sind wir gerne bereit mehr zu zahlen, bei Produkten, die keinen Deckungsbeitrag abwerfen, bitte ich um Verständnis, dass wir hier anders kalkulieren müssen.

Wann und wie haben Sie Ihre Partner informiert?

Wie gesagt, Ende November wurde jeder Partner schriftlich informiert.
Unsere Courtagevereinbarung, die mit den Fachverbänden seit 2012 abgestimmt ist, enthält folgende Regelung:
§ 8 – Allgemeine Bestimmungen
Punkt 6: Änderungen der Beilagen erlangen nach Ablauf von einem Monat ab der Verständigung des Vermittlers Rechtsgültigkeit für alle gegenwärtigen und künftigen Geschäftsbeziehungen, insoweit nicht bis dahin ein schriftlicher Widerspruch des Vermittlers bei der WV-AG einlangt. Die Benachrichtigung des Vermittlers kann in Schriftform oder über eine elektronische Verständigung erfolgen.
Die mehrmals erwähnte einseitige Vorgangsweise kann ich nicht nachvollziehen.

Was passiert, wenn jemand widerspricht?

Von den 3.308 versandten Vereinbarungen haben wir 150 Widersprüche erhalten. Mit diesen Partnern besteht nun leider keine rechtliche und gesetzliche Basis für die Zusammenarbeit, d.h. wir können und dürfen Anträge von diesen Partnern nicht annehmen und müssen sie zurückschicken!
Warum hat sich Wüstenrot zu diesem Schritt entschlossen?

Unser Credo lautet „Ertragreich wachsen“. Wir verstehen darunter, dass wir Produkte anbieten wollen, die den Bedürfnissen der Kunden bestmöglich entsprechen, die Verkäufer entsprechend entlohnen und einen Ertrag für das Unternehmen sicherstellen.
Das ist der Grundsatz jedes Kaufmannes und gilt auch für die Versicherungswirtschaft.

Mit wem haben die zahlreichen Gespräche stattgefunden und wie waren die Ergebnisse?

Eine gute Frage! Es ist ja in beiden Schreiben an die gesamte Maklerschaft immer von Gesprächen die Rede, die zu „äußerst unzureichenden Ergebnissen“ geführt haben sollen. Hierzu kann ich nur sagen: es hat am 17.12. ein Telefonat mit dem Obmann des Fachverbandes für Versicherungsmakler, Herrn Riedlsperger, gegeben. Dabei wurden die oben erwähnten Missverständnisse angesprochen und von mir zugesagt, sie zu klären. Dies erfolgte am 23.12.2015 mit meinem Schreiben an Herrn Riedlsperger. Beim Hauptthema, der Veränderung der Provision, wurde Herrn Riedslperger unmissverständlich mitgeteilt, dass die Verlängerung der Annahmefrist nicht möglich ist und die Provisionserhöhungen bzw. -reduktionen somit aufrecht bleiben.
Es ist bedauerlich, dass im Schriftverkehr der Bundeskammer immer nur von Verschlechterungen die Rede ist, obwohl es genauso viele Verbesserungen gibt!
Wenn ich nun von Empfehlungen höre, einen Widerruf gegen diese Courtagevereinbarung zu setzen, bedeutet diese Empfehlung, dass ich Maklern, die mit uns zusammenarbeiten, eine höhere Provision vorenthalte. Grundsätzlich hat ja jeder Makler ein Wahlrecht, mit wem er zusammenarbeitet und mit wem nicht! Wenn ein Makler nun meint, in bestimmten Sparten nicht mit uns zusammenzuarbeiten, ist das sein gutes Recht.
Aber ein genereller Widerspruch bedeutet das Ende der gesamten Zusammenarbeit. Ob das gewollt ist, weiß ich nicht. Mir tut jeder einzelne Widerspruch von den 150 weh und ich bin mir nicht sicher, ob die Konsequenz wirklich bekannt ist. Ein Widerspruch bedeutet nicht, dass automatisch die alte Courtagevereinbarung gilt, sondern die gesetzliche und rechtliche Basis für die gesamte Zusammenarbeit fehlt und daher die Anträge der betroffenen Makler nicht angenommen werden können!
Jedenfalls hatte ich in den letzten Wochen zahlreiche Gespräche mit Maklern, die mir gratuliert und sich für die Erhöhung der Courtage in den beschriebenen Sparten bedankt haben.

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