Die veränderte Natur – Naturkatastrophen

VVO

Naturkatastrophen: Veränderte Natur vs. Gewohnheitstier Mensch
VVO Generalsekretär Dr. Norman Louis Audenhove, VVO-Präsident Generaldirektor KR Mag. Dr. Othmar Ederer, Dr. Michael Staudinger (Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik), Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV.

Die Natur verändert sich, Extremwetterereignisse werden auch in Österreich immer häufiger. Vorbeugende Maßnahmen werden deshalb immer wichtiger, erklärten Experten des österreichischen Versicherungsverbandes VVO, des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) in einer gemeinsamen Pressekonferenz. Doch der Mensch ist und bleibt ein Gewohnheitstier.

Waldbrände, Trinkwasserknappheit und ein Tornado: Die Rede ist nicht von einem Sommer in Kalifornien, sondern von den österreichischen Extremwetterereignissen im Jahr 2016. Österreich wird wesentlich häufiger von Naturkatastrophen heimgesucht, als vielen bewusst ist. Durchschnittlich gibt es in Österreich fünf Tornados.. Die Zahl der Naturkatastrophen wird zudem in den kommenden Jahren immer weiter zunehmen. Gefährdet sind dabei nicht nur einzelne Regionen, sondern alle Bundesländer – von Vorarlberg bis ins Burgenland. „Extremwetterereignisse machen Präventivmaßnahmen immer wichtiger“, betont VVO-Präsident Generaldirektor KR Mag. Dr. Othmar Ederer. Weltweit kann man klar einen steigenden Trend bei den Schäden durch Naturkatastrophen erkennen: So werden aktuell die weltweiten Schäden aus Naturkatastrophen für das Jahr 2016 mit 168,5 Mrd. Euro beziffert, das waren 70 Prozent mehr als im Jahr 2015. „Auch in Österreich muss man derzeit ca. alle drei Jahre mit einer Naturkatastrophe in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro versicherten Schäden rechnen.“ „Nachher ist man immer klüger…“ Die österreichische Bevölkerung fühlt sich von Naturkatastrophen zunehmend bedroht. Das zeigt die neueste Erhebung des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit), welches seit dem Jahr 2013 die persönliche Gefahreneinschätzung der Österreicher in Bezug auf Naturkatastrophen erhebt. Demnach fühlen sich aktuell rund 73 Prozent der österreichischen Bevölkerung durch Naturkatastrophen gefährdet (2015: Rund zwei Drittel). Doch obwohl sich die Österreicher immer stärker bedroht fühlen, scheint das „Gewohnheitstier“ im Menschen dennoch im Vordergrund zu stehen. „Trotz zunehmendem Bedrohungsgefühl und zunehmender tatsächlicher Bedrohung stagniert der Grad der Vorbereitung auf mögliche Naturkatastrophen bzw. ist teilweise sogar leicht rückläufig“, erklärt Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV. Einen großen Teil der Verantwortung zur Vorbeugung von Schäden durch Naturkatastrophen sehen viele bei den Behörden. Rund 42 Prozent der Österreicher sind der Ansicht, dass diese für Vorsorgemaßnahmen einzig zuständig sind. Die aktuelle KFV-Erhebung zeigt allerdings zugleich auch, dass Personen, die bereits von Naturkatastrophen betroffen waren, sich eher selbst auf zukünftige Extremwetterereignisse vorbereiten. Wer in den letzten zehn Jahren einmal selbst von einer Naturkatastrophe betroffen war, verfolgt das Thema aufmerksamer, zeigt sich informierter bzw. sucht aktiver nach Informationen und hat Präventivmaßnahmen getroffen. „Nachher ist man natürlich immer klüger. Besser ist es aber, es gar nicht erst zu einem Schaden kommen zu lassen“, so Thann.

ISDR: neues UN-Projekt startet in Österreich

„Die Auswirkungen des Klimawandels betreffen unterschiedlichste Bereiche und Branchen, daher sind neue Formen der Zusammenarbeit notwendig“, so Dr. Michael Staudinger (Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik). „Zum Beispiel können Maßnahmen im Städtebau, wie Grün- und Wasserflächen, die Hitze in den Städten deutlich mildern. Eine gute Planung, basierend auf fundierten wissenschaftlichen Daten, ermöglicht effiziente Anpassungs- und Schutzmaßnahmen. Wir sind derzeit dabei, ein ambitioniertes Programm der Vereinten Nationen zur Reduktion des Katastrophenrisikos (UN-ISDR) auch in Österreich zu etablieren. Bei UN-ISDR arbeiten Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft, Prävention, Krisen- und Katastrophenmanagement zusammen und es besteht ein weltweiter Erfahrungsaustausch erfolgreicher Maßnahmen zum Schutz vor Extremereignissen.