Rücktrittsrecht

Das Urteil des Obersten Gerichtshof im Musterprozess über das Rücktrittsrecht bei Lebensversicherung lässt in den letzten Wochen und Monaten die Wogen hochgehen. Schon im Jahr 2013 hat ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes die Thematik behandelt und bestätigt, dass eine fehlerhafte Aufklärung über die Länge des Rücktrittsrechtes zu einem unbefristeten Rücktrittsrecht führt. Der österreichische Fall handelt von einem Abschluss eines Vertrages bei einem Liechtensteiner Versicherungsunternehmen. Nun hat der Versicherungsverband Stellung genommen und spricht entgegen den aktuellen Mediendarstellungen nur von Einzelfällen. Weiters empfiehlt der Verband Kunden, die Situation gut zu prüfen und nicht voreilig zu handeln. „Die österreichische Versicherungswirtschaft ist jedenfalls bemüht, gemeinsam mit den betroffenen Kunden abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse, die beste Lösung zu finden. Die Meinungen gehen aber, was die Einzelfälle betrifft auseinander, so stehen bereits Prozessfinanzierer Gewehr bei Fuß und bieten Hilfe an und wittern das großes Geschäft. Einige Meinungen sprechen sogar von einer dramatischen Situation der Versicherungsbranche. Prof. Elisabeth Stadler, CEO  VIG Group hat bei der letzten Pressekonferenz festgehalten, dass sie ebenfalls von Einzelfällen ausgeht, und sie fehlerhafte Aufklärung im Falle von Rücktrittsrechten bei Ihr in Haus ausschließe, selbstverständlich aber jede Anfrage genauestens überprüft. Der VKI sammelt bis zum 30.4.2015 nun Polizzen und Lebensversicherungsanträge von Kunden ab dem Stichtag 1.1.1995, um weitere fehlerhafte Rücktrittsrechtsbelehrungen zu finden. Bis zum heutigen Tage sind bereits mehr als 300 Anfragen beim VKI eingelangt. Nach der nun gestarteten Aktion, die bis zum 30.4. läuft, wird man die vorliegenden Polizzen überprüfen und nach Abwägung der Wirtschaftlichkeiten weitere Schritte  planen. Wir berichten weiter.