Ist Altersarmut weiblich?

von Mag. Sigrid Hofmann

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Anlässlich des Weltfrauentages diskutierten, Dr. Alexander Biach, Vorsitzender des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, Dr. Juliane Bogner Strauß, Bundesministerin für Frauen, Familie und Jugend und DI Wendler, Mitglied des Vorstandes der Wiener Städtischen Versicherung zum Thema. Die Veranstaltung wurde von DI. Martin Kwauka, Leiter des Finanzjournalistenforums organisiert und moderiert.

Altersarmut ist weiblich

Es ist nichts Neues, was am Vorabend des Internationalen Frauentages im 20. Stock des Ringturms diskutiert wurde. Einmal jährlich, rund um den 8. März, rückt das Thema „Gender Pay Gap“ und „Gender Pension Gap“ in den Mittelpunkt des Interesses, um dann schnell wieder in Vergessenheit zu geraten und auch die Politik, vertreten durch Frauenministerien Bogner-Strauß hat wenig Konkretes anzubieten.

Die Fakten

Besonders bedroht von Altersarmut sind Frauen: Zum einen verdienen sie bei gleicher Arbeit oft weniger als ihre männlichen Arbeitskollegen (je nach Betrachtungsweise zwischen 3,3 und 20 Prozent). Zum anderen haben sie aufgrund von Kindererziehungszeiten, privater Pflegeaufgaben und Teilzeit-Jobs kein durchgehendes Erwerbsleben. Frauen müssen daher im Alter mit weitaus weniger finanziellen Mitteln auskommen als Männer. Von den 1,7 Millionen Österreichern, über 65 Jahre, gelten laut Statistik Austria und EU-SILC 2017 201.000 als armutsgefährdet. In dieser Gruppe sind Frauen mit 136.000 gegenüber Männern überproportional vertreten. Obwohl sich die Zahl seit 2016 um 16.000 reduziert hat, ist und bleibt Armutsgefährdung weiblich. Österreich liegt international, was Altersarmut betrifft an neunter Stelle.

So erhielten Männer im Vorjahr im Median eine Pension von 2.232 Euro brutto pro Monat, Frauen ungefähr die Hälfte, nämlich
1.113 Euro brutto. Diese Differenz besteht nicht nur bei den ASVG-Pensionisten und Pensionistinnen, sondern auch bei den Selbstständigen. Nur bei den Beamten gibt es so gut wie keinen Unterschied zwischen Männer- und Frauenpensionen.

Die Gründe für Altersarmut

Die Gründe für die Altersarmut der Frauen sind hinlänglich bekannt. Viele Frauen arbeiten in Branchen im Niedriglohnsektor. Sie arbeiten verstärkt in Teilzeitjobs und leisten den größten Anteil an unbezahlter Arbeit. Wobei Bogner-Strauß, nicht die fehlenden Kinderbetreuungseinrichtungen und Ganztagsschulen für die hohe Frauenteilzeitarbeit in Österreich verantwortlich macht, sondern die Frauen selbst, welche „traditionell Teilzeitjobs einem Vollerwerb“ vorziehen.

Maßnahmen gegen weibliche Altersarmut

Lange Karenzzeiten wirken sich nicht nur karrieretechnisch, sondern auch finanziell aus. Dagegen würde eine bessere Verteilung der Karenzzeiten auf Männer und Frauen helfen. Mehr Vollzeitarbeit von Frauen anstelle von Teilzeit erfordert in Österreich ein gesellschaftspolitisches Umdenken. Hier ist vor allem die Politik gefragt um entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen.
Allerdings geht der Trend in die andere Richtung. So wollte die Frauenministerin anfangs des Jahres das Geld für den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung streichen. Die Einschnitte bei der Mindestsicherung, treffen vor allem migrantische Frauen. Eine versprochene bessere Anrechnung von Kindererziehungszeiten, wurde bis heute nicht umgesetzt. Wie der ORF berichtet soll das Arbeitsmarktservice in Zukunft mit den Unternehmen qualifizierte Teilzeitarbeitsplätze schaffen, um den Frauen so „echte Wahlfreiheit“ zu ermöglichen, ob sie bei den Kindern bleiben wollen oder Teilzeit oder Vollzeit arbeiten wollen.

Pensionssplitting, Abfertigung Neu

Österreichische Eltern können für die Jahre der Kindererziehung ein freiwilliges Pensionssplitting vereinbaren. Dabei kann der erwerbstätige Elternteil Teile seiner Kontogutschrift an den Erziehenden übertragen. Jener Elternteil, der sich der Kindererziehung widmet, erhält dafür eine Gutschrift am Pensionskonto.
Damit soll der, durch die Kindererziehung entstehende finanzielle Verlust, zumindest teilweise reduziert werden. Derzeit wird über ein verpflichtendes Pensionssplitting mit Opt-Out Variante nachgedacht.
Die Abfertigung Neu sollte erst mit dem Pensionsantrittsalter ausbezahlt werden und nicht wie bisher bei Beendigung des Dienstverhältnisses.

Bewusstseinsbildung und Transparenz

Bewusstseinsbildung und Transparenz werden als adäquates Mittel angesehen, um weibliche Altersarmut zu verhindern. Dazu gehört ein Pensionskonto welches Auskunft über die eigene Beitragsleistung, Einflussgrößen wie Halb- oder Ganztagsbeschäftigung, die Berücksichtigung von Kindererziehungszeiten und Auswirkungen von Einkommensschwankungen und Lücken im Erwerbsleben beinhaltet. Die derzeitige Gestaltung des Kontos, sowie ausbleibende Verständigungen zum Thema entspricht allerdings nicht den oben geforderten Ansprüchen.