Organisierte Kleinanleger sorgen für Chaos beim Aktienhandel

von Michael Kordovsky

Gegen Ende Jänner explodierten reihenweise die Kurse stark leerverkaufter Aktien, induziert durch einen Schwarm von Kleinanlegern. Doch diese Aktionen haben Konsequenzen.

Leerverkäufe, bei denen man sich Aktien bei Brokern oder von Pensionsfonds leiht, sie verkauft, in der Hoffnung, sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder günstiger zurückzukaufen sind nichts Neues. In abgewandelter Form gab es das schon vor mehreren Jahrhunderten.
Bereits das älteste Börsenbuch „Die Verwirrung der Verwirrungen“ von Joseph de La Vega, erschienen im Jahr 1688 schreibt darüber im Rahmen der Dialoge zwischen Kaufmann, Philosoph und Aktionär. In diesem Buch geht es um die Börsenverhältnisse in Amsterdam des späten 17. Jahrhunderts und den Kampf zwischen Baissespekulanten und Börsenbullen, die auf steigende Kurse setzen.

Unbegrenzte Risiken für Leerverkäufer

Shortselling bzw. Leerverkäufe durch Hedgefunds und auch private Trader sind eine gängige Praxis an der Börse. Shortseller suchen nach überteuerten oder fundamental angeschlagenen Aktien, um auf fallende Kurse zu setzen. Ihre Marktteilnahme erhöht die Liquidität des Aktienhandels, aber auch jene von Daytradern, die alle zum täglichen Börsengeschehen gehören. Gegen Leerverkäufe ist nichts einzuwenden, zumal die Aktien-Shortseller überproportional hohe Risiken eingehen.
Während man beim Kauf einer Aktie maximal den Kapitaleinsatz verlieren kann und nach oben theoretisch unbegrenzt verdienen, ist es beim Leerverkauf umgekehrt. Einem begrenzten Gewinnpotenzial (Differenz Kurs und Null bei Aktientotalverlust) steht ein unbegrenztes Verlustpotenzial nach oben gegenüber, weshalb eine konsequente Verlustbegrenzung im Falle von Kursanstiegen erforderlich ist. Wollen sich aber auf ein charttechnisches Kaufsignal oder ein Trigger-Ereignis (z.B. gute Quartalszahlen) gleichzeitig zahlreiche Shortgänger gleichzeitig eindecken, resultiert daraus ein explosionsartiger Kursanstieg.
Je mehr sich ein Anstieg beschleunigt, desto schneller wollen sich die Shortseller wieder eindecken und sie kaufen unlimitiert die Aktie, was Market-Maker dann entsprechend ausnützen, indem sie ihnen die Aktien sehr teuer verkaufen. So eine Marktsituation nennt man auch Short-Squeeze.

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