Weltweite Insolvenzprognose

Atradius

Adobe Stock Olivier Le Moal

Die seit 2010 andauernde Phase global rückläufiger Insolvenzzahlen neigt sich im laufenden Jahr ihrem Ende zu. Sowohl in Europa als auch in der Asien-Pazifik-Region könnten die Firmenpleiten erstmals seit neun Jahren wieder ansteigen – in Europa um 2 %, in Asien und der Pazifikregion um 1 %. Auch in Nordamerika zeichnet sich eine Trendwende ab: Während für Kanada noch ein leichter Rückgang der Insolvenzfälle um 1 % erwartet wird, dürfte deren Zahl in den USA stabil bleiben.

„Vor allem in Europa hat sich der Ausblick hinsichtlich der Unternehmensinsolvenzen merklich verschlechtert. Das liegt vor allem an den schwachen Wachstumszahlen im zweiten Halbjahr 2018, die deutlich geringer ausfielen als erwartet“, erklärt KR Franz Maier, Generaldirektor Österreich, Ungarn und Südosteuropa von Atradius. So betrug das Wirtschaftswachstum in der Eurozone im vergangenen Jahr lediglich 1,8 %, nachdem die Produktion von Gütern und Dienstleistungen im Jahr davor noch um 2,5 % gestiegen war. Bereits 2018 halbierte sich der Rückgang im Bereich Firmeninsolvenzen daher von 4 % auf 2 %. Für das Jahr 2019 erwarten die Ökonomen von Atradius erstmals seit 2010 einen Anstieg um 2 %.

Europäische Märkte: stärkster Anstieg der Insolvenzen in Großbritannien und Italien

In Italien droht die Zahl der zahlungsunfähigen Unternehmen um 6 % zuzunehmen. Noch mehr Insolvenzgefahr droht den Analysten zufolge jedoch in Großbritannien, das selbst bei einem geordneten Brexit zum 29. März dieses Jahres mit 7 % mehr Unternehmensinsolvenzen rechnen muss. „Im Zuge des Brexits sehen wir bereits seit vier aufeinanderfolgenden Quartalen eine deutliche Abschwächung der Unternehmensinvestitionen. Das hat erhebliche negative Auswirkungen auf kleinere Firmen entlang der gesamten Lieferkette, vor allem im Einzelhandel sowie im Bausektor“, so Franz Maier. Auch in Deutschland zeichnet sich ein Ende der rückläufigen Insolvenzzahlen im Firmensegment ab: Nachdem deren Zahl 2018 noch um 3 % gefallen war, weist die Insolvenzprognose für das laufende Jahr einen Zuwachs von 2 % aus. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen hierbei die Abschwächung des Welthandels, drohende Importzölle seitens der USA auf Autos sowie ein sich abschwächendes Wirtschaftswachstum, das 2019 nur noch auf 1,3 % geschätzt wird. Deutliche Rückgänge bei den Unternehmensinsolvenzen in Europa verzeichnen neben Luxemburg (minus 10 %) nur noch Griechenland (minus 8 %) und Spanien (minus 5 %). Allerdings kämpfen die beiden letztgenannten Länder nach wie vor mit einem insgesamt hohen Insolvenzniveau. So gehen beispielsweise in Spanien auch zehn Jahre nach der Finanzkrise mehr als viermal so viele Unternehmen bankrott wie im Jahr 2007.

USA: Zahl der Firmenpleiten dürfte zunächst stabil bleiben

In den USA erwarten die Ökonomen von Atradius eine stabile Entwicklung bei den Firmenpleiten. „Nach einem recht holprigen Start in das neue Jahr zeichnet sich hier ein solides Wachstum ab. Das hängt zum einen mit der wieder etwas gelockerten Geldpolitik der FED zusammen, zum anderen stützen ein guter Arbeitsmarkt sowie ein stabiles Konsumklima die Wirtschaft. Auch die Fortschritte bei den Handelsgesprächen mit China sowie der beendete Shutdown wirken sich positiv auf das Vertrauen der Märkte aus“, erläutert Franz Maier. Lediglich in Kanada könnte es im laufenden Jahr noch einmal zu einem leichten Rückgang der Unternehmensinsolvenzen um 1 % kommen.

Auch die Region Asien-Pazifik kann sich laut der  Insolvenzprognose auf steigende Insolvenzzahlen einstellen: Um 1 % könnte die Anzahl der Firmenaufgaben 2019 zunehmen, bedingt vor allem durch die sich abkühlende Volkswirtschaft Chinas sowie Unsicherheiten im Welthandel. Für Japan erwarten die Analysten – trotz eines sich verbessernden Geschäftsklimas – einen Zuwachs der Firmenpleiten um 2 %. Australien und Neuseeland schließlich können sich vom allgemeinen Trend etwas abkoppeln: Hier dürften die Insolvenzzahlen im Unternehmensbereich um 2 % bzw. 3 % zurückgehen. Beide Länder profitieren dabei von einer schwächeren Währung, die Exporte und Tourismus gleichermaßen ankurbelt.