„Finanzbildung ist nicht nur Bring-, sondern auch Holschuld!“

Heinz Faßmann, Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Univ.Prof. Dr. Heinz Faßmann, im Interview über „Finanz(allgemein)bildung“ und seine diesbezüglichen Aktivitäten im Ressort und privat.

Im neuen Regierungsprogramm kommt „Stärkung der Finanzbildung“ gleich zweimal vor: in den Kapiteln „Teilhabe am Kapitalmarkt und private Altersvorsorge stärken“ und „Bildung“. Was wollen und können Sie konkret machen?

Heinz Faßmann: Das Finanzsystem wird komplexer. Jeder von uns trifft täglich finanzielle Entscheidungen. Manche dieser Entscheidungen haben Folgen für viele Jahre. Kluge Finanzentscheidungen können durchaus den persönlichen Wohlstand fördern, Fehlentscheidungen können dagegen kostspielig ausfallen. Finanzbildung ist daher wichtig. Um sicherzustellen, dass dieses Thema zukünftig verstärkt Niederschlag im Unterricht findet, überarbeiten wir gerade unsere Lehrpläne. Was die Finanzbildung im Lehrlingsbereich betrifft: Sowohl in den Polytechnischen Schulen als auch in den Berufsschulen wird ein sehr großes Augenmerk auf die Wirtschaftserziehung gelegt, insbesondere auf die Bereiche Sparerziehung und Konsumentenerziehung. Dezidiert enthält der Lehrplan für die Berufsschulen neben der Vermittlung von berufsnotwendigem kaufmännischen Wissen als Vorbereitung für eine eigene selbstständige Unternehmerschaft auch Lehrstoffinhalte, die den Umgang mit der eigenen finanziellen Situation, finanziellen Belastungen und Risiken, aber auch Lebensstilfragen –Stichwort „Will haben“-Mentalität– zum Inhalt haben.

Was gehört für Sie zur „Finanzallgemeinbildung“? Welche 3-5 Grundkenntnisse zu Geldanlage und Vorsorge sollte wirklich jeder -jung und alt- haben?

Faßmann: Die Schule soll den Kindern und Jugendlichen unbedingt Einsichten in Chancen, Möglichkeiten, Notwendigkeiten, aber auch Risiken des eigenen ökonomischen Handelns vermitteln. Dazu gehören für mich Lebensstilfragen, verbraucherpolitische Themen und makroökonomische Zusammenhänge, aber auch die Vermittlung von Statistiken über Einkommen und einer individuellen Einkommensentwicklung. Schülerinnen und Schüler sollen eine profunde Antwort geben können, wie viel sie sparen sollen, wie sie veranlagen können und wann das Schuldenmachen berechtigt ist.

Aber auch in unserer Erwachsenenbevölkerung, bis zu den Pensionisten, mangelt es an Finanzbildung, was zu Hereinfallen auf windige Renditeversprechen und unrentablem Geldanlegen führt. Was haben Sie diesbezüglich in der Erwachsenenbildung vor?

Faßmann: Grundsätzlich sind die Institutionen der Erwachsenenbildung in ihrer Programmgestaltung frei und orientieren sich am Bedarf. Meine Gestaltungsmöglichkeiten sind dabei begrenzt. Ich habe aber auch nicht den Eindruck, dass es für die Erwachsenen ein zu geringes Angebot an Finanzbildung im weiteren Sinne gibt. Ich werde regelmäßig zu Beratungsgesprächen meiner Bank eingeladen, ich lese aufmerksam die Wirtschaftsseiten meiner Zeitung und ich verfolge mit Interesse finanzpolitische Entwicklungen. Finanzbildung ist nicht nur Bring-, sondern auch Holschuld.

Das komplette Interview können Sie in der Ausgabe 02/2020 nachlesen.