Global denken, global handeln

risControl Print Ausgabe Mai /Zurich Versicherung

Andrea Stürmer, Vorsitzende des Vorstandes Zürich Versicherungs-AG
Andrea Stürmer, Vorsitzende des Vorstandes Zürich Versicherungs-AG

Anfang des Jahres veröffentlichte das Weltwirtschaftsforum den Global Risk Report. Im Zuge des Reports wurden die fünf größten Risiken der nächsten zehn Jahre aufgelistet. Damals war von einem Virus, der die globale Wirtschaft betreffen wird, noch keine Rede. Eine der Fragen bei der jährlichen Risikoumfrage lautete jedoch: „Wie bewerten Sie die Wahrscheinlichkeit, dass ein globales Risiko im Laufe der nächsten zehn Jahre auftritt und wie bedeutend werden die Auswirkungen auf das globale System sein?“ Ob hier bereits die möglichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie vorweggenommen wurden? Swiss Re prognostiziert bereits für Ende April, dass Geschäftsschließungen, Produktionsstopps und ähnliches zu einem Rückgang der Wirtschaftstätigkeit in den fortgeschrittenen Märkten um 20 bis 25 Prozent geführt haben werden. Jede Woche der Abschaltung der globalen Wirtschaft kostet etwa 0,5 Prozent des jährlichen BIP.

Nach der Covid-19-Pandemie werden aber wieder andere Themen in den Vordergrund treten: Naturkatastrophen, der Klimawandel und die daraus resultierenden Umweltschäden. Die fünf größten Risiken der nächsten zehn Jahre sind: extreme Wetterereignisse, Versäumnisse der Klimapolitik und die damit einhergehenden Naturkatastrophen, der große Verlust der biologischen Vielfalt und der Zusammenbruch des Ökosystems. Aber auch möglichen Cyberangriffen wird im Risikoranking ein hoher Stellenwert eingeräumt. Viele Risiken können nur in einem globalen Schulterschluss gelöst werden.
Als Partner des Weltwirtschaftsforums fungierten wie auch schon in den Vorjahren die Zurich Group und Marsh & McLennan. John Drzik, Chairman von Marsh & McLennan Insights: „Der diesjährige Bericht zeigt wichtige Bedrohungen auf, die sich wie rote Fäden durch das weltweite Risikonetz ziehen. Konflikte zwischen und innerhalb von Ländern verschärfen sich, und einige kritische Probleme gewinnen an Dringlichkeit und Relevanz.“

Wir haben mit Andrea Stürmer, Vorstandsvorsitzende der Zürich Versicherungs-Aktiengesellschaft in Österreich, über den Klimawandel, globale Versicherungslösungen gesprochen

Wie kann sich ein Versicherungsunternehmen in Bezug auf Klimawandel und gesellschafts-politische Veränderungen positionieren?

Stürmer: Der Klimawandel geht uns alle an. Greta Thunberg hat nur das wiederholt, was uns die Klimawissenschaftler schon seit Jahren zu sagen versuchen, nämlich dass wir auf einen Notstand des Planeten zusteuern. Deswegen sind wir alle gefragt und wir müssen alle handeln und zwar mit einer Dringlichkeit. Nicht nur wir als Individuen sind gefragt. Auch Staaten sind gefragt, die Staatengemeinschaft und alle Unternehmen. Und entsprechend sind wir als Versicherer gefragt. In einer Zeit, wo die globalen Risiken immer größer werden, haben wir als Versicherer etwas dazu beizutragen, weil wir mit Risiken schon immer umgehen. Das ist unser Kerngeschäft, das ist unser tägliches Brot. Deswegen sind wir als Versicherer hier besonders gefragt. Wir sollten das in unserem Kerngeschäft berücksichtigten und unser Wissen nutzen, um das der allgemeinen Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Wir entscheiden, welche Risiken wir versichern und welche nicht. Wir entscheiden, in welche Anlageklassen wir investieren und in welche nicht. Das sind alles Werteentscheidungen, wo wir uns positionieren können in Bezug auf den Klimawandel.

Welche Studien werden den Entscheidungen zugrunde gelegt?

Eine der relevanten Referenzen ist der Global Risks Report. Dieser Bericht hat im heurigen Jahr zum ersten Mal gezeigt, dass Klima- und Umweltrisiken als die Top-Risiken global gesehen werden. Das hat eine unglaubliche Dynamik aufgenommen. Vor 10 Jahren gab es kein einziges Umweltrisiko unter den Top 10. Der Global Risks Report wurde zum Ende des Vorjahres erstellt, wahrscheinlich würde das Bild heute angesichts der weltweiten Covid-19-Pandemie etwas anders aussehen. Dennoch haben die Umwelt- und Klimarisiken größte Bedeutung und werden auch wieder in den Vordergrund rücken.

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