Herausforderungen

Fachverband der Finanzdienstleister

Mag. Hannes Dolzer
Mag. Hannes Dolzer

Fachverbandsobmann Mag. Hannes Dolzer im Gespräch mit risControl ONline:

Mag. Dolzer, die Funktionsperiode geht zu Ende, ihr Resümee über die letzten Jahre?

Es waren fünf intensive Jahre. Wir haben unsere Mitglieder bzw. Kolleginnen und Kollegen bei der nationalen und innerbetrieblichen Umsetzung von 4 EU-Richtlinien, welche unsere Branche(n) betroffen haben unterstützt. Wohnimmobilienkreditvermittlungsrichtlinie, Wertpapiervermittlungsrichtlinie, Datenschutzgrundverordnung und Versicherungsvertriebsrichtlinie. Da war nicht nur für die Branchenmitglieder viel zu tun, sondern auch für uns im Fachverband, da es unsere Aufgabe ist und war, die Interessen unserer Mitglieder gegenüber der Gesetzgebung zu vertreten. Es hat viele Gesprächen und Stellungnahmen benötigt, um die Interessen unserer Mitglieder der Gesetzgebung näherzubringen.

Welches Thema war für die Mitglieder besonders wichtig?

Wichtig für uns alle war, dass die Wahlfreiheit des Entgeltes (Provision oder Honorar) aufrecht geblieben ist und es zu keinem generellen Provisionsverbote kam. Das es gelungen ist noch umfangreichere organisatorische Vorschriften von den Mitgliedern abzuwenden. Als Beispiel: Es wurde über eine Weiterbildungsverpflichtung im Ausmaß von über 50 Stunden diskutiert, dies konnten wir von den Mitgliedern abwenden. Erfolgreich und wichtig erachte ich auch, dass es sowohl dem Fachverband als auch den Fachgruppen gelungen ist, Weiterbildungsveranstaltungen von mehr als 20 Stunden nahezu kostenlos oder kostenlos unseren Betrieben angeboten zu haben.
Aber auch, dass wir unsere Betriebe mit zahlreichen zusätzlichen Informationsveranstaltungen sowie mittels Musterformularen und Vordrucken bei der Umsetzung der 4 Richtlinien unterstützen konnten. Damit haben sich unsere Kolleginnen und Kollegen viel Zeit und Geld (für rechtliche Beratungen) ersparen können.

Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre?

Ich möchte das Weiterbildungsangebot ausweiten. Spätestens 2021 sollen auch Webinare, die Angebotspalette an Weiterbildungsveranstaltungen erweitern. Damit unterstützen wir unseren Mitgliedsunternehmen noch mehr bei Ihrem Zeit Management.
Weiters möchten wir unsere Betriebe (nahezu 75 Prozent Ein-Personen-Unternehmen) bei der Digitalisierung unterstützen, damit diese sich den Veränderungen in der (Wirtschafts)Welt besser anpassen können und wettbewerbsfähig bleiben. Geplant ist den Mitgliedern einen „digitalen Beratungsprozess“ zu Verfügung zu stellen. Wir kooperieren bei der Erstellung mit einem bekannten Unternehmen, die Testphase ist bereits abgeschlossen und wir werden in den nächsten Wochen unsere Mitglieder bereits darüber informieren können.
Für mich ist es als Fachverbandsobmann wichtig, dazu beizutragen, dass die Gesetzesflut für unsere Branchen eingedämmt werden. Erst kürzlich habe ich dazu in Brüssel Gespräche geführt, es wird zwar immer wieder neue Gesetze oder Anpassungen geben, aber in dem in den letzten Jahren erlebten Ausmaß sollte das nicht mehr passieren.

Welche Themen werden die Finanzdienstleister in den nächsten Jahren beschäftigen?

Endlich gewinnt die Finanzbildung an Bedeutung: Sowohl die österreichische Regierung als auch die europäischen Institutionen haben das Thema Finanzbildung nun aufgegriffen. Wir werden uns nicht nur gegenüber der Politik einbringen, sondern auch weiterhin – wie schon seit Jahren in der Steiermark – aktiv in Schulen mit Lehreinheiten zu Finanzthemen engagieren. Es ist wichtig, dass sich junge Menschen bei Finanzthemen auskennen, hier leisten wir gerne einen (großen) Beitrag.
Das Thema Provisionen ist für manche Konsumentenschützer eine „never ending story“. Sie verstehen offenbar nicht, dass sich viele Menschen einmalige Honorare für Beratungs- und Vermittlungsleistungen nicht leisten können oder wollen. Mithilfe des Provisionssystems (das Entgelt für die Vermittler wird vom Produktgeber bevorschusst) sorgt dafür, dass es einen großen Markt an selbständigen Beratern- und Vermittlern gibt. Dies sorgt für mehr Wettbewerb (auch unter den Produktgebern) und ist somit nicht nur vielen einzelnen Menschen hilfreich, sondern auch volkswirtschaftlich sinnvoll. Daher ist es für mich sehr wichtig sich diesem Thema proaktiv zu widmen und die Gespräche mit den zuständigen Stellen zu suchen. Damit helfen wir auch unseren Kolleginnen und Kollegen bei der Absicherung ihrer wirtschaftlichen Existenz.

Die Herausforderungen für die Interessensvertretung hören also nicht auf, aber dafür sind wir im Fachverband und ich als Fachverbandsobmann auch da, unter dem Motto: „Wir erledigen das..“.