Mangelnde Finanzbildung wird vererbt

Wirtschaftsuniversität Wien

Univ.Prof. Dr. Bettina Fuhrmann, Leiterin des Instituts für Wirtschaftspädagogik Wirtschaftsuniversität Wien im Gespräch mit Mag. Christian Sec – risControl September Ausgabe.

Wie steht es um die Finanzkompetenz unserer Jugendlichen und Schüler?

Viele Jugendliche haben etwa rund um die Themen Bankkonto, Zinsen und Geldwert deutliche Wissenslücken. Die Lücken der Jugendlichen zeigen sich nicht nur bei reinen Wissensfragen, sondern auch dann, wenn etwa ein Kontoauszug interpretiert werden soll. Wir haben in einer unserer Untersuchungen (Befragung einer Stichprobe von 1.343 Jugendlichen im Alter von 13 bis 15 Jahren aus ganz Österreich) herausgefunden, dass Geldthemen in der Schule kaum behandelt werden und das Elternhaus den mit Abstand wesentlichsten Einfluss auf den Umgang mit Geld, insbesondere das Konsum- und Sparverhalten der Jugendlichen hat.


Welchen Einfluss tragen die Erziehungsberechtigten an der Finanzbildung der Kinder?

Können sich die Jugendlichen mit ihren Eltern/Erziehungsberechtigten über Geldthemen austauschen und erleben ihre Eltern als Vorbilder im sorgfältigen und überlegten Umgang mit Geld, so neigen sie selbst auch zu rationalem Konsumverhalten (also zum überlegten, nicht impulsiven Kauf) und sparen nicht nur für konkrete Sparziele, um sich etwas ganz Bestimmtes leisten zu können, sondern sparen auch ganz allgemein, um in der Zukunft einen Finanzpolster zu haben.

Gibt es noch andere Einflussfaktoren für die Jugendlichen, die sich auf den Umgang mit Geld auswirken?

Fehlen das positive Vorbild und der Austausch mit den Eltern, spielen die Freundinnen und Freunde sowie der Einfluss von Werbebotschaften eine deutlich größere Rolle für den Umgang mit Geld. Es gewinnen andere Konsummuster an Bedeutung: sicher etwas zu kaufen, um zu zeigen, dass man es sich leisten kann, oder zu konsumieren, weil man sich von Problemen oder einer negativen Stimmung ablenken will. Beide Konsummuster sind eher impulsiv und wenig geplant oder lange überlegt. Diese Jugendliche sparen auch weniger, um im allgemeinen Geld „auf der hohen Kante“ zu haben, sondern sparen eher nur für konkrete Sparziele, um sich etwas Bestimmtes, wie zum Beispiel ein Computerspiel kaufen zu können.
Lesen Sie das komplette Interview in der September Ausgabe von risControl Print. Oder bereits vorab hier: https://issuu.com/riscontrol/docs/riscontrol_2020_09_web