Nachhaltiges Investment

Savity

Karin Kisling Gründerin und CEO

Der österreichische Vermögensverwalter Savity bietet mit Savity Green eine nachhaltige Vermögensverwaltung für Privatanleger. Karin Kisling, Gründerin und CEO von Savity sieht bei einem Performance Vergleich zwischen den Anlageoptionen Green und Classic je nach Risikokategorie eine Outperformance zwischen 1,21 Prozent und 6,14 Prozent. „Risikomanagement und laufende Optimierung greifen bei einer digitalen Vermögensverwaltung für alle Anlageoptionen exakt gleich, dennoch sind die Resultate unterschiedlich. Während Savity Classic vorrangig in kostengünstige und breit gestreute ETFs investiert, die gemäß Makroeffizienzhypothese langfristig die beste Performance erzielen sollten, setzen wir bei Savity Green aktiv gemanagte ESG-Fonds ein, da die marktüblichen ETFs die strengeren österreichischen Standards nicht erfüllen,“ erklärt Karin Kisling. Bei nachhaltigen Investments geht es um mehr als ein Werte Statement. „Wir sehen hier handfeste Performance-Vorteile, denn der Investor erhält mit einem nachhaltigen Wertpapierportfolio einen automatischen Qualitätsfilter. Das ist gerade in nervösen Märkten ein Riesenvorteil.“ So vermeide man systematisch „tickende Zeitbomben“ und steuere die Anlagen an „stranded Assets“ vorbei hin zu zukunftsträchtigen Sektoren mit Wachstumspotential. „Unternehmen mit problematischen Praktiken in der Unternehmensführung sind immer mit Vorsicht zu betrachten – siehe Dieselskandal, Deutsche Bank oder Bayer/Monsanto. Auch sterbende Industrien wie Kohle, an denen deutsche Unternehmen nach wie vor festhalten, haben keine Kursphantasie mehr. Die Folge war, dass der DAX letztes Jahr absolutes Schlusslicht am Aktienmarkt der Industriestaaten war – und das vor dem Hintergrund einer der solidesten Volkswirtschaften des Planeten. Wachstumsbranchen wie alternative Energien, Abfallwirtschaft oder Digitalisierung hingegen fuhren zweistellige Erträge ein – wie etwa der Weltmarktführer Vestas aus Dänemark mit einem Plus von 48 Prozent über die letzten zwölf Monate. Auch die Veggie-Alternative Beyond Meat begeisterte nach dem ersten Börsegang,“ so Kisling weiter.

risControl: Welche Branchen sind am stärksten gewichtet?

Kisling: Da wir als Vermögensverwalter Portfolien mit unterschiedlichen Risikoprofilen anbieten und diese auf Basis der Marktindices, die die globale Marktkapitalisierung abbilden, täglich optimiert werden, ist eine Sektorgewichtung nicht einheitlich möglich. Was wir allerdings aufgrund unserer Auschlußkriterien mit hoher Zuverlässigkeit sagen können, ist, welche Sektoren bei uns stark unter- bzw. stark übergewichtet sind (gemessen an der Marktkapitalisierung): Wir schließen generell Waffen, Glücksspiel, Tabak & Alkohol, Pornographie aus und Unternehmen, die auf Atomenergie und Kohleenergie setzen (sei dies als Lieferanten, Betreiber oder Energieunternehmen). Wir sind untergewichtet in Basic Materials, insbesonders Mining und Erdölindustrie und haben einen Drift zu Growth Stocks (da wir als nachhaltige Investoren auf Zukunftstechnologien setzen) zulasten Value Stocks. Gegenwärtig sind wir in Immobilienaktien und Infrastruktur übergewichtet. Allerdings werden auch diese Sektoren nach ESG-Kriterien gescreent. Das bedeutet, dass die Fonds, in die wir investieren beispielsweise Flughäfen oder Pipelines schwer untergewichten und statt dessen auf neue Trends wie Sozialimmobilien und Social Living setzen.

risControl: Wie funktioniert der automatische Qualitätsfilter?

Kisling: In der Portfoliotheorie sprechen wir gerne von Faktorrisken, die systematische Performancebeiträge liefern. Berühmt sind die Faktorrisken von Fama-French (value, size). In späteren Jahren wurden diese Faktoren erweitert um low beta/low vol oder z.B. momentum. Research Affiliates entwickelte den Value Ansatz weiter mit einem „quality overlay“, in dem bestimmte betriebswirtschaftliche Faktoren (wie Leverage, stabile Dividenden etc.) berücksichtigt werden. Als ESG Investoren haben wir vor allem Dank der Analyse der Gouvernance, also der verantwortungsvollen Unternehmensführung, einen Qualitätsfilter eingebaut: Denn verantwortungsvolle Vorstände reizen ihre betriebswirtschaftlichen Optionen nicht bis zur Grenze aus (z. B. Leverage). Solche Unternehmen verfügen in der Regel über robustere Bilanzkennzahlen – das ist gerade bei Growth-Unternehmen wertvoll. Außerdem wird ein Unternehmen mit guter Governance seine Stakeholder respektieren und Korruption minimieren. Gut aus Sicht von Investoren: Sie bleiben von unliebsamen Skandalen verschont (z. B. Dieselskandal oder auch Facebook-Analytics Skandal etc.), und damit von Kursabstürzen. Das Gleiche gilt übrigens für Staatsanleihen: Staaten mit schlechter Governance müssen höhere Credit Spreads zahlen und sind wesentlich volatiler als solche mit hoher Governance, d.h. starker Rechtsstaatlichkeit und niedriger Korruption, sowie solider Finanzgebarung. Als ESG Investoren sind deshalb auch unsere Anleiheportfolien idR weniger volatil als der breite Markt.