Wir brauchen einen Masterplan für die Pflege

Caritas der Erzdiözese Wien

Mag. Alexander Bodmann, Generalsekretär Caritas Wien
Mag. Alexander Bodmann, Generalsekretär Caritas Wien

von Mag. Christian Sec

Die älter werdende Gesellschaft braucht innovative Lösungen im Pflegebereich. Alexander Bodmann fordert im Gespräch mit risControl einen Masterplan, der mehr ist als Einzelmaßnahmen, wie die gerade vom Parlament beschlossene Valorisierung des Pflegegeldes.

Gerade hat das Parlament die laufende Valorisierung des Pflegegeldes beschlossen, sind sie damit zufrieden?

Bodmann: Es ist prinzipiell eine langjährige Forderung der Caritas, dass wir zu einer laufenden Valorisierung des Pflegegelds kommen. Allerdings glaube ich, dass wir nicht denselben Fehler machen sollten, der bereits bei der Abschaffung des Pflegeregresses geschehen ist. Denn weder die Regressabschaffung noch die Valorisierung des Pflegegeldes können eine Gesamtreform der Pflege ersetzen. Wir brauchen einen großen Wurf.

Was sollte die Politik in ihrer Meinung tun, um die Situation in der Pflege zu verbessern?

Bodmann: Wenn wir über die Pflege reden, dann reden wir über die Gegenwart und vor allem auch die Zukunft unserer Gesellschaft. Bereits heute gibt es 459.000 Pflegegeldbezieher und knapp 950.000 pflegende Angehörige. Das Thema betrifft also einen hohen Anteil der in Österreich lebenden Menschen und wir wissen auch, dass wir im Jahr 2050 etwa doppelt so viele Menschen haben werden, die über 80 Jahre alt sein werden. Wenn wir uns also heute keine Gedanken machen, wie wir die Pflege in Österreich organisieren wollen, haben wir bereits morgen große Probleme.

Was wären die Eckpunkte einer Reformoffensive in Sachen Pflege?

Bodmann: Es geht um drei Punkte: Erstens um eine flächendeckende und leistbare Unterstützung der Betroffenen selbst. Zweitens geht es um eine bestmögliche Begleitung der pflegenden Angehörigen – sie sind der größte und wichtigste Pflegedienst Österreichs. Und drittens geht es um die Stärkung des Pflegeberufs insgesamt. Denn derzeit droht weniger ein Pflegenotstand, als vielmehr ein Pfleger-Notstand. Die gute Nachricht lautet: Wir brauchen bis zum Jahr 2050 knapp 50.000 zusätzliche Pflegekräfte in Österreich. Die Pflege ist also ein Arbeitsplatzbeschaffer. Die schlechte Nachricht lautet: Es ist nicht so einfach, diese Leute auch zu finden. Hierzu muss ein heute schon erfüllender Beruf sicherlich noch attraktiver gestaltet werden.

Was sind daher konkret die Forderungen an die Politik?

Bodmann: Wenn wir bei den Mitarbeitern bleiben, dann heißt das, die Ausbildungen so zu gestalten, dass sie einfach erreichbar sind, d.h. dass es keine Schulgelder oder Studiengebühren gibt. Also eine Gratisausbildung zur Pflegekraft, egal ob das eine diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegeperson oder etwa eine Ausbildung zur Pflegeassistenz ist. Dabei wäre es gut in diesem Bereich neue Dinge auszuprobieren, z.B. die Pflegelehre als Pilotprojekt zu starten.

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