„Wir wurden als Letzter beliefert“

Volkshilfe /Mag. Christian Sec

Erich Fenninger ©Christopher Glanzl

Erich Fenninger, der Geschäftsführer der Volkshilfe Österreich spricht im exklusiven risControl-Interview offen über die Versäumnisse der Politik während der Corona-Krise und welche Schritte notwendig wären, um nach der Krise Armut und Pflegenotstand zu bekämpfen.

risControl: Wie beurteilen Sie die Arbeit der Regierung in der Corona-Krise bezüglich der benachteiligten Gruppen?

Fenninger: Differenziert. Wir sind definitiv von einer Gesundheitskrise erfasst worden und dies hat die Bundesregierung sehr schnell erkannt. Man hat die Interessen der Gesundheit der Bürger in den Vordergrund gestellt und sich anfänglich daran orientiert. Trotz der Einschränkung der Freiheitsrechte würde ich diese Tendenz als grundsätzlich positiv bewerten.

Und was lief weniger gut?

Die Kommunikation und die Einbeziehung unserer Expertise war sehr gering und die notwendigen Themen in der Krise wurden nicht durchgesetzt. Die Versorgung mit Schutzbekleidung war mangelhaft. Zunächst wäre es wichtig gewesen, diejenigen, die den ganzen Tag ganz nah am Menschen tätig sind, mit ausreichender Schutzausrüstung zu versorgen. Wir haben nicht nur als Volkshilfe gelitten, sondern auch die anderen Träger waren anfänglich chronisch unterversorgt. Sowohl im mobilen- als auch im stationären Bereich haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Arbeit verrichtet ohne jegliche Sicherheitsausrüstung. Wir wurden als Letzter beliefert. Sogar der Handel wurde vor uns mit Masken versorgt. Der zweite Punkt ist, dass wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Systemerhalter sind, schon ganz zu Beginn der Krise eine Corona-Zulage versprochen und mit den Sozialpartnern verhandelt haben, doch trotz Lippenbekenntnissen der Regierung wurden diese nicht ausbezahlt. Daher sind wir in Vorlage getreten und haben diese trotzdem ausbezahlt. Ich hätte mir gewünscht, dass die Bundesregierung klar Stellung bezieht, sodass man sich wirklich darauf verlassen kann, dass die Summen beglichen werden. Auch bei den Einkäufen, die wir selbst tätigen mussten, hat es relativ lang gedauert bis es klar war, dass die Kosten erstattet werden.

Was haben wir von der Krise gelernt?

Ich glaube, dass offenbar geworden ist, dass wir uns nie wieder dem neoliberalen Prinzip ausliefern sollen, dass man immer nur dort produziert, wo es am billigsten ist. Was auch dazu geführt hat, dass wir existenziell wichtige Produkte zu spät oder gar nicht bekommen haben bzw. es einen weltweiten Wettkampf der Regierungen gegeben hat, die notwendigen Produkte zu bekommen. Wir müssen in Europa oder Österreich selbst diese notwendigen Güter produzieren.

Wie hat sich die Krise auf die Armut ausgewirkt?

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