Alter Wein in neuen Schläuchen?

von Michael Kordovsky

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Was hinter so manchen Anglizismen steckt! Green Bonds und Robo-Advisor – Diese Begriffe gehen durch die Medien. Doch was steckt hier genau dahinter oder gibt es „nichts Neues unter der Sonne“?
Mit englischsprachigen Begriffen versucht die Finanzbranche ihre sogenannten „Neuheiten“ zu präsentieren, doch häufig stecken dahinter banale Ansätze, die schon seit Jahrzehnten so praktiziert werden, aber nicht so genannt wurden. Beginnen wir mit Green Bonds, auf die institutionelle Anleger immer stärker zurückgreifen müssen und in manchen Medien als große Neuheit gefeiert werden.
Green Bonds sind vereinfacht betrachtet nichts anderes als Anleihen zur Finanzierung von Umweltinvestitionen
Ein Green Bond ist eine Anleihe, deren Emissionserlös ausschließlich zur anteiligen oder vollständigen (Re-) Finanzierung geeigneter grüner Projekte dient. Die Internationale Capital Market Association (ICMA) hat im Juni 2018 die „Green Bond Principles 2018“ (GBP) mit dem Ziel veröffentlicht, die Integrität im Green Bond Markt durch Richtlinien zu Transparenz, Offenlegung und Berichtserstattung zu fördern. Wichtig ist vor allem, dass die Emissionserlöse nur der Finanzierung nachhaltig vorteilhafter Umweltprojekte dienen und dies auch nach außen dokumentiert wird. Der Emissionserlös sollte separat verwaltet werden und zumindest einmal jährlich sollte der Emittent über die zugrundeliegenden Projekte berichten. Grüne Projekte können sein: Erneuerbare Energien, Steigerung der Energieeffizienz durch thermische Sanierung von Gebäuden; Verschmutzungsprävention (z.B. Einbau von Filteranlagen), Investments in artgerechte Tierhaltung, Wiederaufforstung von Wäldern oder biologischen Pflanzenschutz. Das wären grüne Unternehmensanleihen. Darüber hinaus können noch supranationale Organisationen gemeinnützige Projekte wie Aufbau von Wasserinfrastruktur in unterentwickelten Gebieten und soziale Wohnbauten über grüne Anleihen finanzieren, deren Kupons dann aufgrund eines Ratings von meist AAA oder AA+ nahe Null wären. Doch zwei Drittel der Emittenten sind Unternehmen. Aber auch deren Emissionen sind minimal verzinst. Laut einer Studie von Kevin Windisch, ehemaliger Nachhaltigkeitsexperte der Security KAG, lag die mittlere Ertragserwartung aller Social- und Greenbonds bei ca. 1%. Er konnte auf Basis der Daten im Jahr 2018 damals noch keine Unterschiede in der Verteilung und Ausprägung der Spreads zwischen Anleihen allgemein und Social- und Greenbonds feststellen. Für Investoren scheint die Widmung der Gelder nicht von Relevanz zu sein in Bezug auf die erwartete Risikoprämie.
Historischer Hintergrund:
Denn Investitionen infolge staatlicher (Umwelt)Auflagen tätigen zu müssen ist schon seit vielen Jahrzehnten üblich, genauso wie die Emission von Anleihen, um diese zu finanzieren. Es werden schlichtweg nur Bonds zur Finanzierung von erforderlichen oder freiwilligen Umweltprojekten emittiert. Was ist daran neu? Neu ist nur die strenge Begriffsabgrenzung und reine Fokussierung auf ESG-Investitionen durch die Emission von Social und Greenbonds – im Prinzip ein schlauer PR-Ansatz, der bei zunehmender Anlegernachfrage eines Tages bei diesen Investitionen zu niedrigeren Finanzierungsaufwendungen für Unternehmen führt.
Das nächste Schlagwort hat einen Hauch von Science-Fiction, doch die Ursprünge liegen bereits in den 50er- und 80er-Jahren:
RoboAdvisor arbeiten mit computerunterstützten Anlageentscheidungen
Der Begriff „Robo-Advisor“ wurde von der Presse eingeführt als Sammelbegriff für Firmen, die eine teilweise automatisierte Form der Geldanlage anbieten. Ist der Robo-Advisor ein Vermögensberater, filtert er auf Basis individueller Vermögens- und Risikoparameter der Kunden – häufig zur Erstellung eines effizienten Portfolios – die passenden Fonds heraus. Die Anlagestrategie konkret umsetzen muss der Kunde selbst durch eigene Aufträge. Handelt es sich aber um einen regulierten Vermögensverwalter, kann dieser im Rahmen von durch Befragung der Kunden ermittelter Anlagerichtlinien (Risikoniveau u. Anlageklassen) Anlageentscheidungen treffen und das Portfolio der Kunden umschichten, ohne für jede Transaktion deren Genehmigung einholen zu müssen. Billig, schnell und effizient soll einer breiten Kundenbasis Zugang zu professioneller Vermögensverwaltung gegeben werden. Lesen Sie mehr in der nächsten Print Ausgabe von risControl.