Archegos Hedgefund-Schieflage

von Michael Kordovsky

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Nachdem sich diverse Großbanken mit Achegos Capital Management die Finger verbrannt haben, schlägt der Kollaps dieses Hedgefunds medial Wellen. Doch solche Schieflagen durchziehen wie Meilensteine die Börsengeschichte und treten verstärkt in unruhigen Marktphasen auf. Das Kernproblem liegt dabei darin, dass Hedgefund-Manager häufig ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen, vor allem dann, wenn sie mit einer bestimmten Strategie in ruhigen Marktphasen schon positive Erfahrungen gesammelt haben.

Der Koreaner Bill Hwang war kein unbeschriebenes Blatt mehr, als er 2013 die Gesellschaft Archegos Capital Management – teils auch aus Finanzmittel seiner früheren Gesellschaft gründete. Strengere Regulierungsauflagen konnte er mit der Neugründung der Gesellschaft als Family Office vermeiden. Medienberichten zufolge hielt Hwang Anlagen im Wert von 10 Milliarden USD.

Der Fokus der Anlagestrategie waren Aktien-Swaps in Form von Total Rate of Return Swaps. Das sind Derivate, bei denen die Erträge und Wertschwankungen der zu Grunde liegenden Assets (z.B. Aktien) gegen fest vereinbarte Zinszahlungen getauscht werden. Dabei habe die Credit Suisse lediglich eine Sicherheitsleistung von 10 Prozent für die Aktien-Swaps verlangt, die sie mit Archegos handelte. Das war ein Hebel von 10 und hatte die doppelte Hebelwirkung, die, Medienberichten zufolge, beispielsweise Goldman Sachs zulässt. Aktien dienten hier als Sicherheit. Das zuletzt verwaltete Vermögen wird auf 10 bis 20 Milliarden USD geschätzt, wobei Bankkredite die gesamten Aktienpositionen auf bis zu 50 Milliarden USD aufblähten.

Das allein wäre bei einem breitgestreuten Depot mit konservativen Dividendentitel weniger problematisch gewesen, doch Hwang ging leichtsinnige „Wetten“ ein. Vor dem Zusammenbruch setzte Hwang massive auf Aktien des US-Medienkonzerns ViacomCBS sowie Discovery Inc.. Der Aktienkurs von ViacomCBS stieg binnen weniger Monate von von 30 auf über100 USD. Doch das Unternehmen nützte im März 2021 die Gelegenheit der hohen Kurse für eine Kapitalerhöhung. Die Kurse gerieten unter Druck und die Banken forderten von Archegos Capital zusätzliche Sicherheiten für die Kreditlinien. Doch der „Hedge Fund“ konnte diesen sogenannten Margin-Calls (Nachschussverpflichtungen) nicht mehr nachkommen. Es kam zu Notverkäufen, die dazu führten, dass sich der ViacomCBS-Kurs mehr als halbierte. Gleichzeitig geriet auch der Kurs von Discovery unter Druck. Eine Reihe der renommiertesten Banken verloren insgesamt 10 Milliarden USD – so eine Schätzung von JP Morgan Chase. Den größten Verlust erlitt die Credit Suisse mit 4,76 Milliarden. USD und je 2,3 und 0,9 Milliarden USD entfallen auf Nomura und Morgan Stanley. Wie wenig Banken für diese Risiken kompensiert werden, zeigt die Tatsache, dass CS gerade mal 16 Mio. Franken (ca. 17,5 Mio. USD) an Archegos verdiente – eine viel zu niedrigere Risikoprämie, wirft man einen Blick auf Hwangs Vergangenheit:

Er verwaltete in der 2001 gegründeten Hedge Fund Gesellschaft „Tiger Asia Management“ bereits nach wenigen Jahren mehrere Milliarden Dollar. Doch 2012 beschuldigte die US-Aufsichtsbehörde SEC die Gesellschaft des verbotenen Insiderhandels. Hwang erzielte eine Einigung und zahlte eine Vergleichszahlung von 44 Mio. USD. 2014 erhielt er ein vierjähriges Handelsverbot an der Börse in Hongkong. Alleine das wäre schon ein Alarmsignal gewesen.
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