Ausblick 2021: Erstens kommt es anders, zweitens als man´s denkt

von Michael Kordovsky

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Anleger sind verrückt nach der Ökoauto-Revolution und sehen gleichzeitig auch eine Beschleunigung der Digitalisierung infolge der Covid-19-Krise. In der jüngsten Katastrophenhausse wurden manche Anleger regelrecht gierig, nachdem diverse Technologie- und Ökoaktien exorbitant anstiegen. Doch 2021 droht vieles anders zu verlaufen.

Per 24. Dezember legten im laufenden Jahr S&P 500 und NASDAQ 100 Index um jeweils 14,5 bzw. 45,6 Prozent zu. Der DAX hingegen brachte es nur auf 2,6 Prozent, während der Hangseng sogar 6,4 Prozent an Wert verlor. Der Goldpreis ist um fast 24 Prozent gestiegen und Silber sogar um 44 Prozent. Der 38 Rohstoffkontrakte enthaltende Rogers International Commodity Index hingegen ist selbst auf US-Dollar-Basis noch YTD knapp 10 Prozent im Minus, obwohl Industrierohstoffe wie Aluminium, Kupfer, Nickel und Zinn bereits Stärke zeigen. Chinas Importnachfrage lief erneut an und auch der E-Autoboom führt über die Batterienachfrage zu einem Boom bei Nickel und Lithium. Aktien von Lithium-Minen hatten sich jedoch 2020 bereits häufig im Wert vervielfacht.

Im Jahr 2020 haben die Aktienkurse bereits ein Szenario eines mehrjährigen E-Auto-Booms eingepreist und die gesamte Wertschöpfungskette vom reinen E-Auto-Hersteller bis hin zum Batterienlieferanten und den Bergbauunternehmen, die über Batterie-Metalle verfügen, stark nach oben getrieben. Ebenfalls einen regelrechten Boom gab es bei Entwicklern von Corona-Impfstoffen. Beide Bereiche haben eines gemeinsam, nämlich die Antizipation eines Booms. Es genügen bereits kleinere Rückschläge und Verzögerungen und massive Kurseinbrüche wären nun die Folge.

Gleichzeitig haben niedrige Zinsen und eine aufgeblähte Geldmenge zu einer regelrechten Asset-Inflation geführt. So hat die EZB die Bilanzsumme von Ende 2019 bis 18. Dezember 2020 von 4671 auf 7009 Milliarden Euro ausgedehnt, während sie die Fed von 4174 auf 7363 Milliarden Dollar (15.12.). ausdehnte. Die Geldmenge M3 expandierte die Fed von Jänner bis Oktober von 15,4 auf 18,8 Billionen Dollar. Bis 24. Dezember waren bei 10jährigen US-Staatsanleihen auf Jahressicht die Renditen um 97 Basispunkte auf 0,92 Prozent rückläufig, während jene laufzeitkongruenten deutschen Bundesanleihen um 0,3 Prozentpunkte auf -0,55 Prozent zurückgingen.

Asset Inflation

In so einem Umfeld beschleunigte sich in Europa der Anstieg der Immobilienpreise und die Aktienbewertung wird zunehmend teurer. Ein Maßstab dafür ist im S&P 500 Index das vom Yale-Professor, Robert Shiller, entwickelte Shiller-KGV, das den rollenden Durchschnitt der inflationsbereinigten Gewinne der S&P 500 Unternehmen in den vergangenen 10 Jahren in Relation zum aktuellen Stand des S&P 500 setzt. Dieses stieg von 30,97 Ende Dezember 2019 bis 1. Dezember 2020 auf 33,46. Quartalsdurchschnittswerte von über 30 gab es seit 1880 lediglich in der Technologieblase Juli 1997 bis September 2001 sowie im September 1929. Mittlerweile liegt aber schon seit Sommer 2017 der Wert bei über 30 und somit weit im extremen Blasenbereich. Der Rekordwert (ohne Quartalsschnitt) lag bei 44,2 im Dezember 1999 und der langjährige Durchschnitt bei 16,8.  Bis 24. Dezember stieg der Wert (ohne Quartalsdurchschnitt) bereits auf 33,71.

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