Blubb und weg

Schiffsbeteiligungen, Umwelt- und Medienfonds

Zehntausende deutsche Anleger haben in den vergangenen 20 Jahren bis 2012 rund 30 Milliarden Euro in Schiffsbeteiligungen investiert und die meisten davon erlitten Schiffsbruch. Im Extremfall droht dann neben einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals – sofern es der Gesellschaftsvertrag vorsieht – eine Rückforderung vorzeitig getätigter Entnahmen. Das sind Ausschüttungen aus der Substanz, die nicht durch Gewinne gedeckt sind. Häufig sehen Gesellschaftsverträge von Anfang an regelmäßige Ausschüttungen vor. Doch bis Gewinne erzielt werden, können viele Jahre vergehen. Das Marktumfeld arbeitete gegen die Schiffsbeteiligungen:

Trotz ungünstigen Marktumfeldes auch Erfolgstories aus der Schifffahrt

Infolge von Überkapazitäten an Seefrachträumen, die über die 2000er-Jahre aufgebaut wurden, sanken die Frachtraten in einem zunehmenden Preiskampf auf einen winzigen Bruchteil langjähriger Durchschnittswerte. Indikator dafür ist der Baltic Dry Index (BDI), der von der Baltic Exchange in London veröffentlicht wird und als wichtiger Preisindex für das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern auf Standardrouten gilt. Hauptfrachtgüter sind Kohle, Eisenerz, Zement, Kupfer, Kies, Dünger, Kunststoffgranulat und Getreide. Lag der Durchschnitt des BDI in den Jahren 2001 bis 2012 noch bei 3.132 Punkten, so folgte bis Ende 2012 ein Einbruch auf 699 Punkte ehe wieder eine Erholung auf 1.773 Punkte (3.8.18) folgte. Die Folge ist eine breitangelegte Vermögensvernichtung, wobei man nicht alle Schiffsbeteiligungen in einen Topf werfen sollte. Als Positivbeispiele nannte die Zeitschrift Finanztest (Ausgabe 05/2013) beispielsweise „größere Containerschiffe mit solider Kalkulation und gutem Management, deren Einnahmen durch langfristige Charterverträge gesichert sind. Als konkrete Erfolgsbeispiele nannte Finanztest den Containerfrachter „Conti Lissabon“ und „Conti Porto“ der Conti Reederei aus München. Es sind Fonds aus dem Jahr 1999, die ihre Kredite längst abbezahlt haben und für 2012 eine doppelt so hohe Ausschüttung erwirtschaftet haben als im Prospekt angenommen. Weitere Positivbeispiele mit hohen Ausschüttungen waren die Schiffe „Pusan“ und „Pohang“ von der Norddeutschen Vermögen.

Ernüchterndes Langzeitergebnis bei geschlossenen Fonds

Blickt man hingegen auf langjährige Performance-Statistiken für geschlossene Fonds, dann ist das Ergebnis weniger erfreulich. Und die nachfolgenden Daten beruhen auf fundierten Untersuchungen. Die Zeitschrift Finanztest (Ausgabe 10/15) von der Stiftung Warentest untersuchte im Zeitraum 1972 bis 2015 (Stand Juni 2015) 1139 geschlossene Fonds, die aufgelegt wurden. Dabei wurde zwischen den 666 bereits aufgelösten und 473 noch laufenden Fonds unterschieden. Bei den noch laufenden Fonds wurde als „aktueller Endwert“ der Zweitmarktkurs berücksichtigt. Bei Medienfonds war dieser jedoch nicht vorhanden.

Ergebnis:
Bei den zum Untersuchungszeitpunkt bereits aufgelösten Fonds schnitten die Immobilienfonds noch am besten ab. Immerhin lag der Anteil der in sie investierten Anlegergelder, der mit Gewinn abschnitt, bei 56,7%. Die Renditeprognose des Anbieters erfüllten aber nur 14,4%. Aus der Vogelperspektive betrachtet unter diesen Aspekten die zweitbeste Alternative oder besser gesagt das zweitgeringste „Übel“ waren die Schifffonds. Hier lag der Anteil des mit Gewinn abgeschnittenen Eigenkapitalvolumens bei 23,6%. Der überwiegende Teil von 76,4% schnitt mit Verlust ab und 91,7% hatten nicht einmal die Renditeprognose erfüllt. Vorübergehend als etwas Besonderes wurden einst Umwelt- und Medienfonds betrachtet. Doch das einzig Besondere was übrig blieb, waren auffallend hohe Verluste bei jeweils 95 bzw. 96,1% des investierten Eigenkapitals. Kein einziger der untersuchten Umweltfonds erfüllte die Prognose. Bei Windparks und Solarkraftwerken machten Subventionskürzungen für Ökostrom einen Strich durch die Rechnung, während die Einnahmen vermeintlich erfolgreicher Filme wesentlich niedriger als erhofft ausfielen. Das ist auch der Grund warum lediglich 2 der 27 aufgelösten Medienfonds erfolgreich waren.

Großteils noch ernüchternder war die Bilanz der zum Zeitpunkt der Untersuchung noch laufenden Fonds, wobei die Zweitmarkt-Abschläge nicht zu unterschätzen sind:

So waren gemessen am Eigenkapitalvolumen der Immobilienfonds 62,6% im Minus und nur 4,2% erfüllten die Renditeprognosen. Von den Schiffsfonds erfüllten nur 1,8% die Renditeprognosen, während 86,2% der investierten Anlegergelder damals im Minus lagen. Bei den Umweltfonds konnte keiner die Prognose erfüllen. Sie waren aber „nur“ bei 56,4% ihres EK-Volumens im Minus. (Michael Kordovsky)