Corona

von Mario Passini

Nein, ich gehöre nicht zu den Alu-Helm-Trägern. Ich verneine auch nicht das Bestehen einer Pandemie und nein, ich bin davon überzeugt, dass es dieses bestialische Virus gibt. Wer Gelegenheit hat mit Ärzten, oder beeindruckend, mit Krankenschwestern zu plaudern erkennt zweierlei: Erstens, das ist ein verdammt harter Beruf, der Menschen das Äußerste abverlangt und zweitens, das sind Tatsachenberichte aus der täglichen Arbeit in einem Krankenhaus. Wer danach noch leugnet, möge es tun.

Ja, ich fürchte mich, ich bin feige. Deshalb halte ich Abstand wo es geht. Und deshalb schau ich mich auch nicht in den Spiegel, denn dieser Mensch da vis a vis ist mir näher als einen Meter. Glücklich nicht infiziert zu sein trällere ich: „Corona, Corona, Corona, du bist ja die schönste der …“ – die heißt Carina, ruft mir die Klügste aller schönen Frauen zu und das Lied sang Rocco Granata. Sie weiß halt einfach alles. Ok, ich könnte jetzt angeben und sagen, die Schönste aller Frauen hat vom roten Salon aus gerufen. Aber so wat ham´ wa nich. Der Ordnungsruf kam aus der Küche.

Man sollte Corona-Leugner nicht mit einer Handbewegung abtun. Das sind überzeugte Menschen, sie glauben an alternative Fakten und selbst die skurrilsten Argumente. Man sollte überdenken was diese Menschen treibt. Neben Zweifel, Misstrauen und Unglaube ist es der Verlust des Vertrauens in die Politik. Der stehen Virologen, Epidemiologen, Wissenschaftler und ein Heer weiterer Assistenten und Ratgeber zur Verfügung. Und doch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, die tappen im Dunkeln. Widersprüchliche Aussagen von Seiten der Regierung nahestehender Experten, erkennbare Ungenauigkeiten und Argumente der parlamentarischen Opposition sind gelinde gesagt brauchbare Düngemittel.

Jetzt haben wir den nächsten Lockdown. Er wird nicht der letzte sein. Experten warnten seit Monaten vor einer zweiten Welle. Man wusste, dass in den kühlen Monaten das Virus hartnäckiger sein würde. Hat die Politik genügend Vorsorge getroffen? Vertrauensverlust ist der Boden auf dem bizarrste Begründungen erwachen, bis hin zur absurden Behauptung, es gibt ja gar keine Pandemie. Die Infektionsfälle gehen ja zurück.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Politik so weitermacht wie bisher ist groß und die Vermutung, dass der Corona-Winter dauern wird ist hoch. Das Vertrauen in die verordneten Maßnahmen ist gering. Das Hammerargument, man will Weihnachten retten klingt gut. Das ist Hoffnung und lässt uns den Lockdown aushalten. Weihnachten, endlich ist wieder Familie und Geselligkeit angesagt. Und dann? Wieder eine Welle? Ich höre schon die Brandung. Und wieder ein Lockdown? Diesmal so lange bis endlich ein Impfstoff verfügbar ist?

Dann haben die „Verweigerer“ endlich einen Trumpf in der Hand. Denn wie Forscher festgestellt haben, gibt es in Lebensmitteln und Chemikalien geringe Mengen an Per- und Polyfluoralkyl. Zu finden in von A wie Antihaftpfanne bis P wie Pizzaschachtel. Diese wenig bekannten Chemikalien könnten möglicherweise einen signifikanten Defekt verursachen indem sie die Wirksamkeit eines Covid-19-Impfstoffs verringern. Lösungen für dieses Problem haben die Forscher noch nicht. Philippe Grandjean, außerordentlicher Professor für Umweltgesundheit an der Harvard School of Public Health meint: „Wir müssten die Daumen drücken und auf das Beste hoffen.“

Einsamkeit trifft nicht nur ältere Menschen. Da sitze ich nun in verordneter Isolation. Drei Wochen unbedingt. Ich kann nicht rufen, ich bin ein Star holt mich hier raus. Und wenn ich „Gassi“ gehe, sehe ich die toten Augen der Stadt. Gespenstisch. Alles geschlossen, Auslagen finster, Rollbalken herunten. Und doch kann ich etwas feiern: Der 17. November ist der erste Jahrestag, an dem das Virus in China aufgetaucht ist. Coronaleugner meinen der Lockdown sei schlimmer als die Krankheit selbst. Er wird große Opfer fordern, die Wirtschaft wird zerstört. Wer das alles eines Tages bezahlen soll? Na, wer? Eine Bitte an die Regierenden habe ich doch: Bitte, schenkt uns reinen Wein ein.