Die habgierigen Geier

von Mag. Christian Sec

Krisen treffen die Schwächsten noch stärker. Dies trifft nicht nur unter der Bevölkerung zu, sondern auch in der Staatengemeinde. Mit der Hilfe von Gläubigerbeteiligungen versucht die Staatengemeinde die Not zu lindern, jedoch halten sich nicht alle an diese Regeln. 

Auftürmende Schulden und knappe Dollarbestände haben Sambia zum letzten Opfer einer Welle von Staatspleiten in diesem Jahr gemacht. So wurde Sambia am 13 November bereits das sechste Land 2020, dass seine Anleihezahlungen aussetzte – nach Argentinien, Belize, Ecuador, Libanon und Suriname. Andere Länder könnten folgen, denn die Bürde der Pandemie und dessen ökonomischen Auswirkungen sind vor allem in den ärmsten Ländern kaum zu stemmen. Die Weltbank schätzt, dass rund 50 Prozent der ärmsten Länder akut insolvenzgefährdet sind. Die Ratingagenturen bescheinigen 38 Ländern derzeit ein materielles Ausfallsrisiko, doppelt so viel wie während der großen Staatsschuldenkrise 2009. Rund 100 Mrd. US-Dollar schulden die 73 ärmsten Länder privaten Investoren, etwa 175 Mrd. US-Dollar schulden die Länder den Gläubigernationen – davon mehr als 100 Mrd. China –  und rund 230 Mrd. US-Dollar entfällt auf multilaterale Gläubiger wie z.B. der Weltbank. Ein gerechter Schuldenerlass, in dem alle Gläubiger ihren Teil leisten ist dabei selten. So würde ein großzügiger Verzicht eines Kreditgebers auf seine Forderungen nur dazu führen, dass die anderen dessen Großzügigkeit ausnutzen und hoffen als Trittbrettfahrer ihre gesamten Forderungen zu erhalten. Ein Beispiel dafür ist der aktuelle Fall in Sambia. Zwar gewähren chinesische Gläubiger dem afrikanischen Staat Zahlungsaussetzungen aber die privaten Gläubiger machen ihre Forderungen weiterhin geltend, was die Verhandlungen in eine Sackgasse gerieten ließ.

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