Die kalifornische Variante

von Mario Passini

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Wochen-, nein, monatelang bewege ich mich nun schon, coronabedingt, auf gesetzlich vorgeschriebene Art und Weise auf gesetzlich vorgeschriebenen, erlaubten Pfaden. Gastronomie, Sport oder Kultur sind verboten. Oder, vorsorglich, mit einen abwertend gemeinten und nur auf Corona bezogenen Spruch umschrieben: Kraft durch Freude gibt es nicht mehr. Man verzeihe mir das Zitat. Obwohl gerade damit die Gegenwart unübertrefflich beschrieben wird.

Immerhin bald soll es eine gesetzlich genau umschriebene Freiheit geben: Wer geimpft oder nachweislich genesen ist, erhält einen „grünen“ Pass oder ein grünes Kreuz auf´s Handy. Oder ein sonstiges Glückssymbol. Damit wird man dann das immer noch eingeschränkte Leben, eingeschränkt genießen dürfen. Aber – oh je, das Wort „aber“ ist schon schlecht – es droht neues Ungemach. In Kalifornien ist soeben ein neuer Mutant aufgetaucht. Der „Kalifornische“. Ein ganz gemeiner Bursche. Es heißt, er bringe alles Schlechte mit was die bisherigen Mutationen nicht hatten. Anders, bizarr, ausgedrückt: Glücklich sollte sein wer nur mit der Stammversion von Corona infiziert ist. Deshalb, der kalifornische Mutant sei verflucht, ist es wieder ein bisserl unsicherer geworden mit dem Freigänger-Pass. Weil über den Kalifornischen weiß man noch nicht genaues nicht.

Ich bin bereit den spanischen Kreuzweg zu gehen, wenn mein Biergarten, der „schweizerische“, Mitte März öffnet. Nimmt mir jetzt der „Kalifornische“ auch dieses kleine Vergnügen? Die Experten vom Dienst warnen inzwischen vor einer vierten Welle. In der Dritten seien wir mittendrin. Nicht nur dabei. Doch das Volk, also wir, sind inzwischen der Warnungen und Alarmrufe müde geworden. Viele leiden schon an chronischer Erschöpfung. Es ist wie im Märchen, wo der schlimme Max, oder war es der böse Moritz? immer wieder Feuer ruft, bis eines Tages die Feuerwehr nicht mehr ausrückt. Einige, oder gar viele, von uns sind bestraft durch grenzenloses Unwissen. Warum, in Gottes Namen, hört man nicht einmal einen Experten, der nicht mit der Furcht-Angst und-Entsetzensfraktion übereinstimmt? Leicht erklärt. Klar. Fake. Solche falsche Propheten werden a priori als Leugner abgetan.

Was bleibt? Hoffnung! Ein österreichisches Unternehmen forscht an Lutschbonbons, die genauso gegen das Virus helfen sollen wie eine Impfung. Diese Zuckerln soll es schon so ab Mitte des Jahres geben. Ja, gute Forschung braucht eben Zeit. Ob ich jetzt, weiter bis zum Sommer, in selbstauferlegter Quarantäne schmachte? Wobei: Einsperren ist auch kein sicherer Infektionsschutz. Gut, ich könnte mich testen lassen. Aber jeden zweiten Tag durchs halbe Bundesland zu reisen, nur um ein Krügerl Bier zu trinken?

Nein! Man darf Corona nicht verharmlosen! Deshalb das Gute zuletzt: Alles das kann uns nichts anhaben. Denn, wie unser kompetenter Gesundheitsminister stolz verkündete sind wir Weltmeister im Testen. Endlich kommt ein uraltes k&k-Sprichwort – leicht abgeändert – wieder zu Ehren: Transero sicut alii, tu felix Austria temptationis. Auf Deutsch: Andere mögen impfen, tu felix austria teste!