Die richtigen Anlagestrategien für 2022

von Michael Kordovsky

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Dass die Geldpolitik der Notenbanken weltweit straffer wird und die Inflation an Eigendynamik gewinnt, ist weltweit spürbar und allgemein bekannt. Aber es kann infolge einer zwischenzeitlich außer Kontrolle geratenden Pandemie vorübergehend anders kommen. Doch am Ende der Pandemie könnte ein starker inflationstreibender Aufschwung sowohl in den USA als auch im Euroraum Leitzinsanhebungen erfordern. Entsprechend sollten sich Anleger auf ein turbulentes Jahr einstellen.
Die freundlichen Aktienmärkte von 2020 und 2021 waren auf massive Geldspritzen und Anleihenkäufe der Notenbanken, insbesondere Fed, EZB und Bank of Japan zurückzuführen. Mangels Zinsen für Privatanleger und angesichts von Negativzinsen bei größeren Firmenkundeneinlagen führte an Aktien kein Weg vorbei. Doch ein allzu rascher Entzug der Liquiditätsdroge könnte im Einklang mit steigenden Staatsanleihenrenditen die Partylaune an den Aktienmärkten stärker trüben als erwartet. In diesem Jahr stehen geldpolitische Weichenstellungen im Vordergrund, wobei hier ein gewisses Überraschungspotenzial gegeben ist.
Als Unsicherheitsfaktoren kommen noch zwei potenzielle Kriegsschauplätze hinzu, nämlich Ukraine und Taiwan. Sollte die Ukraine Zuflucht in der NATO finden, könnte noch vor einem möglichen NATO-Beitritt der Ukraine ein Einmarsch russischer Truppen erfolgen. China vs. Taiwan ist schon ein uralter Konflikt. Zuletzt erhob China zunehmend Anspruch auf Taiwan und ein militärischer Einmarsch chinesischer Truppen in Taiwan ist nicht mehr ausgeschlossen. Die USA und diverse verbündete Staaten wären aber darüber sehr verstimmt. Ein weiterer Faktor ist der Verlauf der Pandemie. Entweder es kommt zu weiteren Lockdowns und Abriegelungsmaßnahmen in den wichtigsten Volkswirtschaften oder die Situation normalisiert sich. Doch konkrete Prognosen sind aufgrund der Komplexität des Geschehens hier nicht machbar.
Warum es vor allem auf die Geldpolitik der Fed ankommt:
Stagflation droht – eine Kombination aus wirtschaftlicher Stagnation bei hohen Inflationsraten. Spannend wird deshalb, worauf die Notenbanken mehr blicken werden: Ist es die Inflation und bereits angespannte Lage am Arbeitsmarkt oder mehr ein rückläufiges Wachstum infolge von Lieferkettenunterbrechungen, Personalmangel und neuer Lockdowns infolge der Omikron-Variante? Fakt ist, dass bei einem Rückgang der US-Arbeitslosenquote von 4,6 auf 4,2 Prozent von Oktober auf November bereits die Stundenlöhne im November 2021 auf Jahresbasis um 4,8 Prozent anstiegen und in der Woche endend zum Jahresauftakt 2022 die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung nahe dem 52-Jahres-Tief lagen.
Die Inflationsrate beschleunigte sich von Oktober auf November von 6,2 auf 6,8 Prozent und das drei Wochen nach der Offenmarktausschuss-Sitzung der Fed veröffentlichte Sitzungsprotokoll sorgte am 5. und 6. Jänner für Turbulenzen in Form steigender Renditen zehnjähriger Treasuries, einbrechender Gold- und Silberpreise sowie einer schaumgebremsten Entwicklung des Aktienmarktes.
Geldpolitische Entscheidungsträger der Fed merkten laut Protokoll an, womöglich sei es gerechtfertigt, die Zinsen früher oder in einem schnelleren Tempo als bislang erwartet anzuheben. Aus Sicht mancher Sitzungs-Teilnehmer könnte es zudem sinnvoll sein, mit der Verkleinerung der Notenbankbilanz relativ bald nach dem Start von Zinserhöhungen zu beginnen.
Durch die umfangreichen Anleihenkäufe war die Fed-Bilanz zuletzt auf rund 8,76 Billionen Dollar angeschwollen. Noch Ende 2019 waren es erst 4,17 Billionen Dollar. Nun verunsichern Leitzinsaussichten und der Zeitpunkt sowie das zukünftige Tempo der Bilanzsummenschrumpfung der Fed. Inflation und Arbeitsmarkt bei Erwartung soliden Wirtschaftswachstums stehen nun im Fokus der Fed. Die Federal Reserve Board-Mitglieder und regionalen Fed-Präsidenten gehen im Konsens (Medianwert) für 2022 sogar von 4,0 Prozent BIP-Wachstum aus (September-Prognose: 3,8%) ehe 2023 eine Abkühlung auf 2,2 Prozent erfolgen sollte. Im Einklang mit dieser Entwicklung sollte sich von 2021 bis 2023 die Verbraucher-Inflation von 5,3 auf 2,3 Prozent abschwächen. Bis Ende 2022 wird im Medianwert des Prognosekonsens ein Anstieg der Leitzinsen der Fed (Fed Fund Rate) von 0,1 auf 0,9 Prozent erwartet, was in etwa drei Leitzinsanhebungen für 2022 impliziert. Für 2023 und 2024 gehen die Fed-Prognosen von je 1,6 bzw. 2,1 Prozent aus.
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