Ein Versicherungsmakler war auch 1980er kein Weichei.

von Mag. Christian Sec

Ein Versicherungsmakler in den 1980er-Jahren Versicherungsmakler war kein Weichei. Der Makler wurde als Keiler vorverurteilt. Sowohl das Publikum als auch die Versicherer straften den Berufsstand mit Verachtung.

„Den Maklerberuf von heute mit „früher“ zu vergleichen könnte Bände füllen“. Das sagt Rudolf Mittendorfer, stv. Fachverbandsobmann der österreichischen Versicherungsmakler. Mittendorfer begann 1978, also im Jahr des Ersterscheinens von risControl seine Tätigkeit als Makler. Wie ein Blick in die ersten Ausgaben der Zeitungen von damals zeigt, glich das Maklerdasein damals wahrhaftig dem eines vogelfreien Outlaws in einem Wildwest-Film a la Clint Eastwood. „Es gab keine Regulierungen, kein Maklergesetz, aber dafür waren wir frei“, meint dazu Karl Wrumen, der risControl-Gründer, lapidar. Die Freiheit kam nicht kostenlos, sondern wurde bezahlt mit Versicherern, die ihre Abneigung gegenüber der Maklerschaft offen zur Schau stellten. Ein risControl-Artikel aus dem Jänner 1980 berichtet, dass die Verkaufsorganisation der damaligen Bundesländer-Versicherung angehalten wurde, Offerten zu bestehenden Versicherungsverträgen nur dann an Makler abzugeben, wenn vorher der anstaltseigene Verkauf informiert wird, um die Einschaltung eines Versicherungsmaklers möglichst zu verhindern. Im Artikel heißt es weiter, dass Direktoren dieser Versicherung Kunden Prämiennachlässe in Aussicht gestellt haben, damit die Einschaltung eines Versicherungsmaklers unterbleibt. Der Bundesländer Vertriebschef meinte damals: „Natürlich sind wir unserem Verkauf verpflichtet, und man muss uns zubilligen, dass wir ein Geschäft nicht teuer einkaufen wollen“. Eine solche Handlungsweise war jedoch nicht auf eine Versicherung beschränkt, sondern war in der gesamten Versicherungsbranche weitverbreitet. risControl berichtet 1981, dass die Geschäftslinie der Generali-Versicherung war, den Kunden besuchen zu müssen, um die Geschäftsverbindung aufrecht erhalten zu können, selbst wenn der Makler Vollmacht gelegt hat. „Es erreichen uns immer wieder Informationen, die einen ähnlichen Sachverhalt zum Inhalt haben, sodass dieses Vorgehen wohl die Geschäftslinie der Generali Versicherung darstellt“, schreibt risControl damals.

Rufschädigende Keiler

Aber nicht nur der wenig respektvolle Umgang der Versicherer mit den Maklern machte dem Berufsstand Probleme. Die damalige Freiheit hatte auch andere Probleme zur Folge, so führte sie zu einer „fast schrankenlosen Vergabe von Gewerbescheinen in unserer Branche“, wie Karl Wrumen 1980 im risControl schreibt. „Wir müssen uns mit all unserer Kraft dafür einsetzen, dass die Gewerbeordnung verschärft wird, beziehungsweise, dass bei der Bewilligung der Gewerbeberechtigung strengere Maßstäbe als bisher angelegt werden. Dies soll unser erster Schritt sein, denn nur so können wir jene Basis schaffen, von der aus wir unser Ansehen in der Öffentlichkeit heben und festigen können.“ Denn das Ansehen war mehr als nur angekratzt. In der Öffentlichkeit wurde der Makler oftmals durch unseriöse Maklerei mit dem Keiler gleichgesetzt. Das Blatt berichtete 1982 über immer mehr Beschwerden, die bei den Konsumentenschützern eingingen. „Noch nie gab es so viele Beschwerden über Versicherungsabschlüsse, die zu kündigen fast unmöglich scheinen, noch nie so viele Tricks, mit denen unseriöse Makler arbeiten“. So gaben sich laut dem Bericht die Makler als Finanzbeamte aus, die den unbedarften Kunden erklärten, dass Sie eigentlich viel zu viel Steuern zahlen, obwohl doch immense Beträge abgesetzt werden könnten. „Erst später stellt sich heraus, dass dieser Mann eine Versicherung abschließen will, aber da war es meist schon zu spät, weil die Unterschrift längst erfolgte“, schreibt man in dem Artikel. Dabei war auch das Storno fast unmöglich. Der Maklertrick war dabei folgender: Der Makler schließt bei der Versicherung ab und behält die für das Storno wichtige Polizze. In einer anderen Ausgabe schrieb risControl, dass eine Erschwernis für den gesamten Berufsstand drohe, da aufgrund der unseriösen Geschäftspraktiken einzelner Kollegen Wettbewerbsbeschränkungen drohten. „So ist vorgesehen, den Versicherungsmaklern das sogenannte Haustürgeschäft (Direktkontakt) zu untersagen. Daher forderte das risControl gebetsmühlenartig monatlich, „dass das Gewerbe des Versicherungsmaklers zum Schutze der Konsumenten in Hinkunft konzessionspflichtig sein soll.“ Aber auch die tägliche Arbeit eines redlichen Maklers von damals war kaum mit heute zu vergleichen, wie sich Rudolf Mittendorfer heute erinnert. „Privat und Gewerbetarife wurden weitestgehend anhand eines einfachen Tarifbüchleins berechnet, viel mehr brauchte man nicht, Post und Telefon waren die Kommunikationsmittel. Deckungen per Fax aufgeben zu können, oder Schätzungen durch Sachverständige auch für kleine Privathäuser waren in den 80-ern noch eine Seltenheit und damit war man schon in der „Landesliga“ angekommen.“

Lesen Sie morgen über die Versicherungsmakler in den 90er Jahren. Den kompletten Artikel ist in der aktuellen risControl Print Ausgabe nachlesbar.