Erste Sackgasse links

von Mario Passini

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Nichts läge näher als nur über Corona zu erzählen. Inzwischen könnte man Bücher damit füllen. Dabei geht die Welt weiter, so als sei nichts geschehen. Vom Staatsstreich in Myanmar bis hin zur Drohung Russlands die diplomatischen Beziehungen zur EU zu kappen. Ich wusste gar nicht, dass wir – die EU – von Russland diplomatisch behandelt werden. Früher war so eine Drohbotschaft die letzte Overture vor der Kriegserklärung. Heute ist das anders. Russland liefert Gas und wir kaufen´s. Ich hoffe, man biegt rechtzeitig vor der Sackgasse ab.

Also doch wieder Corona: Jetzt protestieren auch schon Ärzte gegen einen bestimmten Impfstoff. Was heißt einige. Ein ganzes Krankenhaus. Mit einer Online-Petition. Dem Impfstoff wird eine gewisse Unwirksamkeit nachgesagt. Die Verantwortlichen unternahmen alles, um die Mediziner zu beruhigen und ein Überborden des Protestes zu verhindern. Spätestens damit werden die Hochverantwortlichen wahrscheinlich erkannt haben, dass wir – also das Volk – der Lockdowns müde sind und an deren Notwendigkeit zu zweifeln beginnen. Man entschloss sich die Einschränkungen zu lockern. Mit der unmittelbar nachfolgenden Warnung sollte die gewährte Teil-Freiheit zu einem neuerlichen Anstieg der Infektionen führen müsste man wieder „lockdownen“. Schon warnt der Gesundheitsminister die Infektionszahlen steigen – schon wieder. Sogenannte Eingeweihte wollen wissen, dass es Mitte März wieder „lockdownd“. Wie wäre es, wenn man, anstatt zu warnen, impft?

Man darf also wieder einkaufen, sich die Zehennägel schneiden lassen oder zum Friseur gehen. Das aber bitte mit Vorsicht und nur mit einen „Freigängerschein“. Was machen jene die nicht in der Nähe einer Teststraße wohnen, oder nicht mehr genug mobil sind, um sich dorthin zu begeben? Schicksal. Deren Frisur bleibt halt struppig und zerzaust.

Man darf aber mehr. Menschen suchen verzweifelt nach menschlichem Kontakt. Man hatte wohl gedacht, dass Sex einfach verschwinden wird, wenn man ihn verbietet. Dem ist halt nicht so. Also erlaubt man jetzt wieder professionelle Liebe – aber bitte mit Maske. Klingt einfach. Ist es nicht. Denn dieser Erlass und/oder die dazugehörige Durchführungsverordnung kommt von einem Ministerium. Und deshalb ist es schwierig. Man stelle sich vor, da sitzen Ministerielle beisammen und beraten wie derartige Treffen zu arrangieren seien, damit man sie genehmigen könne. Ein schlüpfriges Thema, eine peinliche Situation. Da mit Recht anzunehmen ist, dass die hochverehrte Ministeriale keine einschlägigen Erfahrungen haben wird man sich wohl von Experten beraten haben lassen. Hat Mephistopheles seine Hände im Spiel und wollte Ministeriale in Versuchung führen? Zum Teufel mit dem Teufel. Wir werden´ s nie erfahren. Der – möglicherweise – beigezogene Schwellkörperexperte dürfte aber – dem Ergebnis nach – eine Art AZUBI gewesen sein. Immerhin ist ihm der Corona Witz No. 1 eingefallen.

Auch vom Brexit gibt es Neues. Die britische Lebensmittelindustrie steht vor einer Katastrophe. (© Independent). Und je nach Standpunkt erwartet oder unvorstellbar ist Tatsache, dass der Finanzplatz London gegen den Exodus kämpfen muss. Dabei leben in dieser liebenswerten Großstadt zum Großteil „remainer“. Und als nicht erwartbare Überraschung lässt die Biden-Administration (USA) wissen, dass man jetzt Amsterdam viel lieber habe. Für Brexisten bricht eine Welt zusammen. In der Presse kann man trotzige Kommentare lesen wie: „Großbritannien ist ein hart arbeitendes und einfallsreiches Land, und wir brauchen die USA nicht, um erfolgreich zu sein.“ Und ein anderer fügte hinzu: „Gut … wir müssen nicht jedermanns Megaphon sein.!“. Da scheinen einige in GB in eine Sackgasse einzubiegen.

Diese Erkenntnis der WHO (World-Health-Organization/ Weltgesundheitsorganisation) kommt manchem überraschend. Die WHO meldet weltweit sinkende Coronazahlen im Vergleich zur Vorwoche und das schon zum vierten Mal in Folge. Auch die Todesrate sinkt. Die jüngsten Daten der WHO zeigen eine Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus, vor allem auf dem stark betroffenen amerikanischen Kontinent. Da gebe es einen Rückgang um fünf Prozent bei den Neuinfektionen sowie um zwölf Prozent bei den Todesfällen. Abgesehen von Südostasien und der Region um das östliche Mittelmeer wurde nach WHO-Angaben in allen Weltregionen ein Rückgang bei der Zahl der neuen Fälle festgestellt. In Europa, wo die Zahlen derzeit ansteigen, verringerte sich die Zahl der Neuinfektionen aber um ein Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Die Todeszahlen sanken sogar um zwölf Prozent.

Für Aufsehen sorgte in diesem Zusammenhang eine Aussage des Essener Virologen Prof. Ulf Dittmer in der „Bild“-Zeitung in der vergangenen Woche. Er erklärte, dass sich das Erbgut des Virus so verändert haben könnte, dass es schwächere Krankheitsverläufe mit sich bringt. Es sei möglich, dass das Virus im Verlauf weiterer sogenannter Mutationen irgendwann nur noch einen Schnupfen auslöse. Endlich einmal eine gute Nachricht. Es fahren eben doch nicht alle in eine Sackgasse.