EU will betriebliche Vorsorge für alle Bürger

von Mag. Christian Sec / risControl Ausgabe 10/2020

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Zur Förderung der Beteiligung an der betrieblichen Altersvorsorge schlägt eine Arbeitsgruppe der EU-Kommission eine automatische Aufnahme der Beschäftigten in eine betriebliche Vorsorge, mit Opt-Out-Möglichkeit, vor. Dies könnte auch der betrieblichen Vorsorge den langersehnten Aufschwung bringen.
Die Versicherungswirtschaft sieht den Vorstoß der EU durchwegs positiv. „Nachdem in den nächsten zehn Jahren die Babyboomer in Pension gehen werden, wird auch der Druck auf das umlagefinanzierte System immer größer. Daher wird es – aufgrund der langen Vorlaufzeit bei Änderungen – wichtig sein, diesen Ausbau der Rahmenbedingungen für die ergänzenden Zusatzpensionen möglichst rasch in die Tat umzusetzen“, erklärt Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbandes der Pensionskassen. Andreas Csurda, Vorstandsmitglied der Allianz Pensionskasse meint zu den EU-Plänen: „Ich begrüße diesen Vorschlag, da obligatorische gegenüber freiwilligen Modellen einen höheren Wirkungsgrad erzielen“. Für Manfred Bartalszky, Vorstand der Wiener Städtischen Versicherung ist es dabei wichtig, dass die Opting-Out-Möglichkeit im Sinne der Privatautonomie gewahrt bleibt. „Jedem soll die Möglichkeit zustehen, via Opt-Out von einer automatischen Aufnahme in ein betriebliches Vorsorgesystem, zugunsten eines höheren Gehalts, Abstand zu nehmen“.
Kritik der EU an Österreich
Der Vorstoß der EU könnte den Reformbedarf des österreichischen Pensionssystems einen starken Schub geben. Österreich steht bereits seit mehr als einem Jahrzehnt in der Kritik der Europäischen Union und der OECD, was die Nachhaltigkeit der Pension anlangt. Dabei wird stetig darauf hingewiesen, dass die Förderung der kapitalgedeckten Vorsorge unumgänglich sei, um die Herausforderungen der demografischen Veränderungen zu meistern. Über 90 Prozent der Pension kommen aus der staatlichen Vorsorge, der minimale Rest teilt sich brüderlich auf die betriebliche- sowie die private Vorsorge auf. Dieses Missverhältnis wird zukünftig auch die Pensionen belasten. Eine Studie des Pensionsspezialisten Mercer geht davon aus, dass die heute 50-jährigen eine Pensionslücke von 40 Prozent erfahren werden.
Der neue Weg in Europa
Gerade im Bereich der betrieblichen Vorsorge könnten Veränderungen im gesetzlichen oder kollektivvertraglichen Bereich starke Wirkungen auf die Vorsorge erzielen, und damit zu einer Entlastung der umlagefinanzierten ersten Säule führen. Viele Länder haben diese Möglichkeit bereits erkannt. Während in Österreich die heilige Kuh staatliche Vorsorge gehegt und gepflegt wird, setzt man in vielen anderen Ländern verstärkt auf eine Förderung der zweiten Säule. So haben z.B. Dänemark, die Niederlande oder Schweiz bereits obligatorische bzw. quasi obligatorische betriebliche Rentensysteme eingeführt, um damit die kapitalgedeckte Altersvorsorge zu stärken. Auch in Deutschland will man seit 2018 unter dem sperrigen Namen „Betriebsrentenstärkungsgesetz“ Maßnahmen zur Erhöhung der kapitalgedeckten Vorsorge unternehmen. Lesen Sie hier den kompletten Artikel : https://issuu.com/riscontrol/docs/riscontrol_2020_10_web