Finnen spinnen nicht

von Mag. Christian Sec

Es muss nicht immer ein Wildschwein sein.

Finnland ist bislang gut durch die Pandemie gekommen. 14-Tages-Inzidenzen von 50 werden dort bereits als beunruhigend vermeldet. Ein etwas anderer Erklärungsversuch zum Erfolg der Finnen in der Pandemiebekämpfung.

Social Distancing ist keine Erfindung der Pandemie, sondern gehört im Land der 200.000 Seen im hohen Norden Europas schon seit Menschengedenken zum guten Ton. Als die finnische Regierung seinen Bürgern empfahl den Abstand von einem Meter zu Mitmenschen im öffentlichen Bereich einzuhalten, witzelten die Menschen: „Hoffentlich ist die Pandemie bald vorbei, damit wir wieder die gewohnten fünf Meter Abstand haben können.“ Könnte es nicht gerade an der gelebten körperlichen Distanz liegen, dass Finnland beim Index für digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) in Europa den ersten Platz belegt? Weil die pragmatischen Finnen neben ihrer „Einsamen Wolf-Attitüde“ auch Menschen sind, die gerne mit anderen Menschen in Kontakt treten. Es gibt wohl kein fruchtbareres kulturelles Umfeld für Digitalisierung als das gleichzeitige Bedürfnis nach Distanz und Kontakt. Die Technologie, die diese beiden Pole im Allgemeinen befriedigt, wird als Kommunikationstechnologie bezeichnet, und es ist kein Wunder, dass Finnland in der Pandemie wenig Adaptierungen in der Arbeitsumwelt vornehmen musste, um seine Produktivität zu erhalten. Es klingt fast logisch, dass die Finnen in dieser Disziplin Pionierarbeit geleistet haben. Sogar Gummistiefelfabrikanten wie Nokia erkannten diese finnische Eigenart und wurden schlussendlich zum ersten Weltmarktführer bei Mobilfunkhandys – übrigens die Gummistiefelsparte hat unter den Mobilfunkaktivitäten des Konzerns bis dato nicht gelitten. Man musste schon ein Anti-Handy-Nerd sein oder ein Gegen-den-Strom-Schwimm-Fetischist, wenn man in der Hochblüte von Nokia Ende der 1990er und Anfang der 2000er kein Handy des finnischen Anbieters besaß. Das Problem des Konzerns war sogleich, dass man auch global die Vorteile der körperlosen Kommunikation erkannte und daher der Wettbewerb schlussendlich gegen Silicon Valley und Südostasien nicht mehr zu gewinnen war.

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