God save the Queen

von Mario Passini

©Isabella Schachinger

Nicht erst seit Harry und Meghan ist die Stimmung im Reich der Königin von England nicht mehr nur von Enthusiasmus für den Thron geprägt. Abgesehen davon, dass es eine gewisse Unsicherheit in der Thronfolge gibt. Ihre Majestät, die Queen, trat 1952 das Erbe ihres Vaters an und ist für viele Briten zum Inbegriff von Kontinuität geworden. Doch wer wird ihr folgen? Die Gerüchte um die Thronfolge brodeln.
Der Republikanismus ist wiederbelebt. Man denkt an generationsbedingte Veränderungen. Denn die Königin ist weniger ein konstitutioneller Monarch als man meint. In den vergangenen Tagen wurden aus dem Nationalarchiv ausgegrabene Memos bekannt wie sie in den 1970er Jahren Druck auf die Transparenzgesetzgebung ausübte, um sicherzustellen, dass ihr Privatvermögen geheim blieb. Aufeinanderfolgende Regierungen beugten sich und zeigten, wie die wöchentlichen privaten Treffen die Premierminister in Ehrfurcht versetzen.

Es setzt teilweise harsche Kritik. Das ist eine der brillantesten Eigenschaft der Briten, dass man Dinge cool beim Namen nennt und selbst vor Kritik an der Monarchie nicht zurückschreckt. Man weiß nicht genau, warum Ihre Majestät so bemüht ist, ihr Geld geheim zu halten. Wissen doch alle, dass sie über astronomischen Reichtum verfügt, der über die Vorstellungskraft ihrer Untertanen hinausgeht. Und ein paar Nullen mehr machen für enthusiastische Monarchisten keinen Unterschied. Das wahre Ausmaß ihres Vermögens wird nie bekannt gegeben: Norman Baker, Monarchie-Beobachter, schätzte es – dieses Monat – auf etwa eine Milliarde (engl.) Pfund. (1 Mrd. GBP). Forbes bezifferte den Wert der Monarchie auf 72,5 Milliarden Pfund. Die Sunday Times Rich List setzt sie persönlich auf etwa 350 Millionen Pfund. .

Die sogenannten Paradise-Papiere, die dem Guardian zugespielt wurden, zeigen, dass sie persönlich Millionen in den Offshore-Steueroasen von Bermuda und den Cayman-Inseln investiert hatte. Prinz Charles, hat mit der „schwarzen Spinne“ (Erklärung am Ende des Artikels), über die Regierung hinaus eingegriffen, um Mieter auf seinem Anwesen des Herzogtums Cornwall im Wert von 1 Mrd. GBP vom Kauf ihrer Häuser auszuschließen. Erstaunlicher ist diese Woche wieder in Erinnerung gerufen worden, dass die Königin selbst den Meeresboden rund ums Königreich besitzt. Daraus resultiert die Tatsache, dass die Königin rund 25% der etwa 9 Mrd. GBP erhält die aus der Versteigerung von Windparkrechten in den nächsten 10 Jahren anfallen.

Aber nichts davon spiegelt den wirklichen Schaden wider, den die Monarchie den Bürgern zufügt, meint man in republikanischen Kreisen. Es sei nicht ihr Geld oder ihr Machtmissbrauch, sondern ihre Existenz, welche die öffentliche Vorstellungskraft übertrifft und das Volk zu ihren infantilisierten Untertanen in Geist und Seele macht. (Guardian). Die Krone, die Königin und unzählige kleinere Dramatisierungen erinnern daran, wie gebannt die Briten sind, wenn Seifenopern königliche Geburten, Hochzeiten, Scheidungen oder Todesfälle die Zeitachse des öffentlichen Lebens markieren. Im Ausland staunt man über das Ausmaß des britischen Königsfetischismus und seine Folgen, im House of Lords, in dem Hermelin durch Parteispenden korrupt gekauft wird. Der Brexit gab Aufschluss über den Irrtums einer „Souveränität“. Nun stellen die Briten fest, dass sie ihre Grenzen nicht mehr kontrollieren können, als die Wellen zu beherrschen: Die Fischer haben es auf die harte Tour herausgefunden.

Shakespeare ist teilweise schuld: Nicht nur John of Gaunts wilde Romantisierung des britischen Ausnahmezustands, sondern auch die Geschichte spielt eine so große Rolle, dass der Aufstieg und Fall der Könige in der öffentlichen Vorstellung mit einer Tiefe und Bedeutung erhöht wird, welche die Absurdität der modernen Monarchie überschattet. Wenn Jahrhunderte privilegierter Zucht und Spitzenausbildung immer noch sehr gewöhnliche Menschen hervorbringen, die sich für Pferde, Corgis, Angeln und Schießen interessieren und nicht für kulturelle oder intellektuelle Aktivitäten, außer im Dienst, bekannt sind, deutet dies darauf hin, dass Talent und Verdienste genetisch ziemlich zufällig sind.

Die Monarchie steht als Symbol für eine zunehmend starre und sozial unbewegliche Gesellschaft: Wo die Briten geboren werden, bleiben sie: „Der reiche Mann in seiner Burg, der arme Mann an seinem Tor. Gott hat sie hoch und niedrig gemacht und ihren Besitz bestellt“, wie die alte Hymne sagt.
Am Krönungstag sagte Winston Churchill „einen immensen und ungeahnten Wohlstand voraus, dessen Kultur und Freizeit noch weiter verbreitet wird für die Massen der Menschen“. Stattdessen ging ein Imperium verloren, Britain rutschte in der BIP-Rangliste nach unten und am Ende ihrer Regierungszeit könnte es keine Union mehr geben, mit Schottland und Nordirland. Die auf dem Weg nach draußen sind. Abgesehen von Covid wird Britain zu einem schwachen und kleinen Staat, der durch jahrelange, schrumpfende Ideologie bewusst geschwächt wird.

Der Republikanismus fühlt sich an wie eine verlorene Sache. Dreimal mehr Menschen unterstützen die Monarchie als eine Republik, aber nach und nach ändert sich die Meinung: Die Jungen sind viel weniger monarchistisch als die Alten: Die Schotten stimmen nur zu 57% für die Königin, im Vergleich zu den 67% in Großbritannien, wobei der Süden Englands außerhalb Londons mit 76% der monarchistischste ist. Aber wenn sie stirbt, wahrscheinlich innerhalb dieses Jahrzehnts, bevor sie unser verfassungsmäßiges Schicksal mit einem sofortigen Vivat Rex für den unpopulären Prinzen Charles besiegeln, ist Zeit, uns zu fragen, ob sie als Elisabeth die Letzte zur Ruhe gelegt werden sollte.

(Hinweis zum Begriff: „Schwarze Spinne“): Seit Jahren schreibt der britische Thronfolger Prinz Charles regelmäßig Briefe an Ministerien, in denen er, wie der Palast betont, seine private Meinung zum Ausdruck bringt. Zwar sind die Briefe nicht öffentlich, doch immer wieder äußern Politiker und Journalisten den Verdacht, dass Charles Lobbyarbeit für seine Interessen betreibe. Im politischen Betrieb Londons sind die Briefe als „Schwarze-Spinnen-Vermerke“ bekannt. (Nach Prinz Charles Handschrift)

Quelle: Sunday Times und Polly Toynbee, Guardian, New York Post