Gong! Die siebente Runde

von Mario Passini

©Pixelbliss - stock.adobe.com

Gestern, Dienstag, dinierten die beiden Chefunterhändler, David Frost für Großbritannien und Michel Barnier für die EU, in Brüssel, um in kleinerer Runde über die Heute, Mittwoch den 19.08, stattfindende siebente Runde der Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zu plaudern. Mister Frost ist überzeugt, dass die EU dem vorliegenden, großartigen und wunderbaren Angebot Londons nur zustimmen kann. Monsieur Barnier, teilt diese Ansicht nicht. Im Gegenteil, er machte klar, dass ein Ergebnis spätestens vor Halloween vorliegen muss. Sonst geht es sich nämlich mit einer Ratifizierung nicht aus. Doch London meint sogar, eine Einigung werde bis September erzielt. Englands Premierminister Johnson hingegen stellte klar, dass er sich von den Gesprächen mit Brüssel zurückziehen wolle, wenn die EU weiterhin auf ihre bisherigen Forderungen beharre. Nach dem Motto: Mit ein bisschen Druck und einem kleinen Stückchen Glück, geht alles ein bisschen leichter.
Vorhersagen sind immer bedenklich und von äußerst geringem Wert. Dennoch sei eine solche gewagt: Es wird sich weiter spießen. Denn England wird keinen Millimeter von seiner Forderung weichen, dass, beispielsweise, die Fischereirechte für englische Gewässer ausschließlich bei London liegen. Johnson steht dabei unter massiven Druck seiner Fischindustrie. Die sagen, Fische in englischen Gewässern sind von Geburt an heimatverbunden.
Herr Barnier wieder besteht darauf, dass in zukünftigen Handelsbeziehungen Europäisches Recht gilt – das sogenannte „Legal field“. Das Europäische Parlament hat Monsieur Barnier ausdrücklich verpflichtet. London wieder hält gar nichts von solchen Vorstellungen. Man sei ein souveräner Staat und unterwerfe sich nicht einer Diktatur. London ist überzeugt, die besseren Karten zu haben. Nicht umsonst erscheint in der englischen Presse fast täglich eine Nachricht in der über „Panic in Europe“ berichtet wird. „The bloc“ wie Brexit-Blätter die EU abfällig benennen, zittere vor weiteren Ausstiegskandidaten und sei knapp vor dem Zerfall. Mit den entstehenden, neuen Kleinstaaten könne Großbritannien dann hervorragende, wunderbare Einzelhandelsabkommen schließen.
Spätestens zu Halloween werden wir´s und die Menschen in England wissen, auf welcher Basis man Handel betreiben wird. Wetten werden angenommen. Brexit liegt gut voran.