Hommage an den Nonsens II

von Mario Passini

Liebe Leserin, lieber Leser. Wo sind wir stehen geblieben? Ach ja, beim Virus. War es für Sie, liebe Lesergemeinde, eine Überraschung, dass bei der gestrigen Pressekonferenz der Regierung bekanntgegeben wurde es wird derzeit keine Öffnungsschritte geben? Öffnungsschritte? Klingt eher nach Tanzschule Elmayer. Etwas Neues gab es aber schon: Eine neue Termin-Interpretation: „Rundum“. Rund um Ostern könnte es ein Wiederaufsperren geben. Sicher klingt das nicht. Rundum? Wird der Kreis ums „Rundum“ größer gezogen, dann könnte auch Weihnachten…. Aber Weihnachten muss stattfinden! Wir wollen wieder mit Opa, Oma, Onkeln und Tanten feiern. Lassen wir uns vom Virus nicht die Lebensfreude nehmen.

Wenn´s wahr ist, dann sind wir so etwas wie Weltmeister im Testen. Über 4,4 Millionen Test´s sollen bereits gemacht worden sein. Damit, so der Gesundheitsminister, haben wir den Virus im Griff. In anderen Staaten setzt man auf´s Impfen. Wir testen. In Wien hat man zu Beginn der Epidemie ein Notspital mit nahezu 900 Betten eingerichtet. Man hat es wieder abgebaut. Kalkuliere: Wir sind das Opfer von Virus-Mutanten. Und so testen wir weiter. Und in immer weiteren Bereichen. Gelockt wird, wer ein negatives Testergebnis vorweist, wird künftig ins Theater, Konzert oder Kino gehen dürfen. Und erst dann für´s Reisen! Steht vor der Tür: Der europäische Impfpass. Kommt. Wetten?

Aber, lassen wir das. Eindrucksvoller, eher bedrückend wirkt die TV-Übertragung der Pressekonferenz (PK) selbst. Ist es Ihnen, liebe Leser, auch schon aufgefallen? Immer die gleichen Leut´, mit immer dem gleichen Gang, der gleichen Schrittgeschwindigkeit, mit immer dem gleichen Abstand, mit immer gleicher Drehung hin zum Rednerpult, immer die gleichen Handbewegungen bei der Abnahme der Maske. Und immer wird Gleiches gesagt. Unsicher und bange frage ich mich, sehen wir etwa nur die stete Wiedergabe einer nur einmalig stattgefundenen PK?

Große Teile der Wirtschaft müssen weiterhin, amtlich verordnet, geschlossen bleiben. Keine Öffnung für Schanigärten. Pragmatische Vorschläge gelten nicht. So hatte ein Stadtrat aus Wien vorgeschlagen 4 Tage öffnen und 3 Tage komplett zu. Der Mann ist kreativ, kompetent, wirkt authentisch, glaubhaft, kommt sympathisch rüber, redet klar, verständlich und nicht in Schachtelsätzen. Genug gelobt, ich bin nicht seine PR-Kompanie. Sein Vorschlag? Nie mehr etwas davon gehört.

Es wird wie ein Hammerschlag sein. Nach monatelanger staatlich verordneter Zwangssperre werden erhebliche Teile der Wirtschaft Zugrunde gehen. Wohin soll die sich wenden? Der Kirchengesang hilft nicht, Hilfe gibt es nicht. Wer dennoch sucht, glaubt vielleicht bei einer Schuldnerberatung an der richtigen Stelle zu sein. Er wird nicht Vorstellbares erleben. Immerhin, zunächst ist man bereit mit dem Opfer zu reden. Dann wird einem erklärt wo und wie man sparen oder noch viel wirksamer, wie man einsparen kann. Etwa durch den Storno von Versicherungen. Und, selbst wenn man ein „aussichtsloser“ Kandidat ist, bekommt man einen Beratungstermin. Nach der „Beratung“ sagt dann die Beraterin: „Da können wir ihnen nicht helfen.“ Auf die Frage: Warum man dann einen Beratungstermin erhalten habe, kommt die unerwartete Antwort (Originalzitat): „Vielleicht wollen sie ihr Gewissen erleichtern“. Der vom Staat zum wirtschaftlichen Niedergang verurteilte Unternehmer als böser Triebtäter. Um den aufkommenden Mordgelüsten zu entfliehen, verlässt man den Ort des Grauens. Im Insolvenzrecht ist halt eben immer noch so etwas wie der Ruf nach Rache versteckt.

Genug vom Virus. Hin zum nächsten Unwohlsein. Man hörte und las es überall. Ex-Präsident Trump wurde im Impeachmentverfahren vom US-Senat freigesprochen. Seine Parteikollegen, die Republikaner, haben in diesem höchsten Gremium der USA, das im Falle als Gericht fungierte, die Mehrheit. Aber fast alle davon sind bei der Urteilsfindung vom Hintergedanken beseelt gewesen, wenn ich für „schuldig“ votiere, dann wird mir der Trump meine nächste Wahlkampagne zerstören. Dem berserkerartig werkelnden EX himmeln noch immer hunderte Millionen Fans an. Etwas niveaulos hat sich der Parteiführer der Republikaner, Vorsitzender Mitch McConnell (79) verhalten. Im Vorverfahren ließ er anklingen, dass er das Verhalten von Trump nicht schätzte. Dann, bei der Urteilsfindung stimmte er für Freispruch, um anschließend in einer Rede vor dem Senat dem soeben Freigesprochenen ein Schäuferl Müll nachzuwerfen. In dieser Rede erklärte Mitch McConnell Trump sei moralisch und praktisch für die Erstürmung des Kapitols verantwortlich. Das ist Trump wurscht. Er jubilierte die größte Hexenjagd der Geschichte sei vorbei und verkündete trompetenartig jetzt geht es mit MAGA erst richtig los. (MAGA. Make america great again). Man kann sich auf einiges gefasst machen. Auch Trump. Auf ihn warten gravierende Rechtsverfahren.

Lange befürchtet, jetzt eingetreten: London ist nicht mehr Europas führende Börse. Nach dem Brexit musste London die Führungsposition unter den europäischen Handelsplätzen an Amsterdam abtreten. Dort wurden im Januar mehr Aktien gehandelt als an der Themse. Bestätigt durch eine Untersuchung der Daten der Terminbörse Cboe Europe. Lange hat der Finanzplatz London vor negativen Folgen des Austritts Großbritanniens aus dem EU-Binnenmarkt gewarnt. Marktkenner vermuten, dass die Verlagerung von Handelsströmen von London nach Amsterdam wahrscheinlich von Dauer sein wird, da die EU darauf beharrt, dass in Euro notierte Aktien in der EU gehandelt werden müssen. Langsam aber sicher besinnt sich „Brüssel“ auf die eigene Kraft und Stärke.

Morgen Mittwoch ist Aschermittwoch. Der heurige Fasching war trist. Brutal abgewürgt von Corona. Allein im Hochland des Karnevals, im Gebiet um Köln, verlor die Wirtschaft in diesen Tagen 1,5 Milliarden Euro. Manche wagten dennoch wenigstens die bekanntesten und beliebtesten Events synthetisch am Leben zu erhalten. Man übertrug im TV-Karnevalsfeste ohne Publikum. Aushilfsweise dafür künstlich, also technisch, mit eingeblendetem Jubel, Trubel, Heiterkeit und Applaus. Natürlich merkt man´s. Diese imitierten Feste waren herzzerreißend. Zum ersten Mal in meinem Leben flossen im Karneval Tränen.

Aus längst vergangener, schrecklicher Zeit ist im Gedächtnis von noch Lebenden ein Lied in Erinnerung geblieben, das passgenau passt: „Davon geht die Welt nicht unter“.

Helau, Alaaf und Lei Lei.