Ich denke oft – an Piran

von Mario Passini

@CP

Coronazeit. Ich schau aus dem Selbstisolations-Fenster. Die Straßen sind leer. Mein Magen auch. Ich habe Hunger. Was hat das mit Piran zu tun? Na, immer wenn ich Hunger habe denke ich an Sarma. Und die besten Krautrouladen meines Lebens habe ich in Piran gegessen. Damals, es war auch Winter, war Piran leer. Ohne Corona. Wir besuchten ein im Hafen liegendes Schiff. Unser Schiff. Es war nicht da – übrigens, es war nie da, aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Also wurden wir zu einer der liebsten, liebenswürdigsten und herzensguten Oma eingeladen ihre Sarma zu kosten. Der Zugang zur kleinen, schwarzen Küche war so niedrig, dass man sich bücken musste, um eintreten zu können.
Ach ja, das waren noch Zeiten. Tito-Zeiten, übrigens.

Piran ist auch im Winter schön. Das glauben und wissen nur wenige. Wenn die Bora durch menschenleere Gassen und um die hoch gelegene Kirche pfeift und Stürme die Bucht von Triest in einen brodelnden Hexenkessel verwandeln, dann ist es ein ganz anderes Piran. Heute logiert man nicht mehr in einer „schwarzen Kuchel“. Sommer´s kann man heute zwischen Luxusherbergen wählen. Jetzt kann man gemütlich und ungestört von Urlaubsmassen in eines der wenig offenen Gostilna´s gehen, plaudern, einen Refosko trinken und eine Riesenportion Karstschinken genießen. Man kann auch einen Ausflug ins benachbarte Triest machen, die Kaffeehauptstadt. Dort träumen sogar Junge noch von der Monarchie. Na, ja. Ein Winteraufenthalt in Piran ist etwas Ungewöhnliches, etwas Besonderes. Schon die alten Römer wussten, um den Luxus im Winter ihre Villen zu beziehen. Jetzt kann man auch, völlig ungestört, die italienische Vergangenheit Pirans erkunden. Denn der Löwe von San Marco wachte lange Zeit über diesen Ort. Mein Gott, man könnte viel erzählen. Vielleicht von dem schlitzohrigen Matrosen, der – damals – lediglich auf unser Boot, ein großer Kutter, achten sollte und es stattdessen weitervermietete. Es sei ihm verziehen. In der Sommersaison dort lustzuwandeln, das kann jeder. Aber jetzt, wo einem das kleine Städtchen ganz alleine gehört? Zugegeben, muss man mögen. Aber selbst das Wollen nutzt derzeit nichts. Warum? Na, Corona.
Aber, wenn ich wieder Hunger habe werde ich wieder an Piran denken. Und ich habe oft Hunger.