Illusion der Sicherheit

von Mag. Christian Sec

Die Optimisten beherrschen unsere Gesellschaft. Wer erfolgreich sein will, der muss vor Optimismus sprühen. Aber gerade in Zeiten von Krisen zeigt sich, dass der Optimist gegenüber dem Pessimisten im Nachteil ist.
Im Jahr 2017 waren beispielsweise noch 20 Prozent der Befragten sicher gewesen, sich beim Wegfall des laufenden Einkommens länger als sechs Monate über Wasser halten zu können. 2020 sind es – als Folge der Corona Krise – nur noch zehn Prozent. Das Beispiel zeigt, dass existentielle Krisen zu einer Neuevaluierung unserer Lebenssituation führen, man könnte auch sagen zu einer pessimistischeren Einschätzung des Lebens führen. In der Krise erkennen wir, dass unser vorheriges Sicherheitsgefühl eine Illusion ist, wie Prof. Karel van Hulle beim Versicherungsmaklertreffen im burgenländischen Trausdorf erzählte. Die meisten von uns ertappen sich bei Krisen dabei, nicht genügend Vorsorge für die Krise getroffen zu haben, also zu optimistisch gewesen zu sein. Vorratskammern wurden nicht aufgefüllt, Kredite nicht abbezahlt, keine Eheverträge geschlossen usw. In der Panik, die uns dann übermannt werden im reinsten Aktionismus irrsinnige Entscheidungen getroffen und im Übermaße z.B. Klopapierrollen gekauft. Denn eigentlich haben wir Optimisten unser Leben ganz auf friedliche Zeiten ausgelegt und damit unsere natürlichen Instinkte für Gefahren zugeschüttet. Wir machten uns mit unseren Kalendern zu unseren eigenen Spielfiguren, die hurtig von einem Kalendereintrag zum Nächsten hüpfen, im Glauben das Leben bestehe vor allem darin seinen Plänen zu folgen, weil wir positiv genug sind unsere eigene Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Selbsternannte Coaches füllen massenhaft Bücher mit Tipps und Ratschlägen zum positiven Denken. Positives Denken lasse sich eben besser vermarkten als der graue Pessimismus. Uns wird ein künstlicher Optimismus antrainiert, der aber nur in den Zeiten zwischen den Krisen blendend funktioniert. Genau für diese Zeiten haben wir unser Arsenal aufgerüstet. Lebenspläne, Rückzahlungspläne, Pensionspläne, Businesspläne. Mit dem Optimismus haben wir ein Lebensgefühl geschaffen, das nicht nur die Blasen an den Finanzmärkten füllt, die sich bisweilen immer weiter von der Realität entfernen bzw. diese Realität – und das ist die Grundeigenschaft des Optimismus – verdrängen. Optimisten haben auch die Einstellung alles schaffen zu können. Sie nehmen sich jeder Aufgabe an, bis sie sich überfordern. Burn-Out ist die Modekrankheit der Optimisten, die sie oft wie eine Visitenkarte ihres Optimismus vor sich hertragen, um damit für den nächsten Burn-Out angeheuert werden zu können. Lesen Sie mehr in der September Ausgabe von risControl)