Immer mehr Performance jenseits des ESG-Hypes

von Michael Kordovsky

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Während mittlerweile in Europa die Regulierungsbehörden die ESG-orientierte Geldanlage entdeckt haben und somit immer mehr auf Implementierung dieses Themas im Anlageprozess drängen, boomen plötzlich an der Börse die sogenannten „Klimafeinde“ aus dem fossilen Energiesektor.
Der Windturbinen-Anbieter Vestas Wind ist mit einem erwarteten KGV 2022 von rund 33 bewertet, der Dünnschicht-Solarmodul-Hersteller First Solar weist hier sogar einen Wert von 35 auf, während der E-Auto-Hersteller und Liebling der Hipster, Tesla mit einem für 2022 erwarteten KGV von 113 und einer Marktkapitalisierung von 783 Milliarden Dollar jenseits von gut und böse bewertet ist. Xylem ein durchaus interessantes und zukünftig wachstumsstarkes Unternehmen in den Bereichen Anlagen zur Wasseraufbereitung und Wasseranalytik. Der Schönheitsfehler liegt jedoch in einem für 2022 erwarteten KGV von 38 (per 6.10.).
Wer als Impact Investor agiert, stößt häufig auf ähnliche Unternehmen eben mit hoher Bewertung und teils starker Korrelation mit dem Technologiesektor, der gerade eine Korrekturphase durchläuft, ebenso diverse Nachhaltigkeitsindizes.

Auf der anderen Seite boomen immer mehr Aktien und vor allem Rohstoffe, die alles andere als nachhaltig sind, beispielsweise Erdgas, dessen Preise binnen sechs Monaten um 378 Prozent stiegen. Heizöl liegt auf Jahressicht 90 Prozent im Plus und die Ölsorten Brent und WTI jeweils 78 Prozent. Gleichzeitig explodiert der Haferpreis binnen drei Monaten um 60% und jene für Kaffee und Baumwolle jeweils um 28 bzw. 25 Prozent. Über einschlägige trendfolgende Managed Futures Funds mit starkem Rohstoffbezug, wie beispielsweise dem SMN Diversified Futures, können Anleger an derartigen Trends indirekt partizipieren. Der Fonds liegt heuer YTD 4. Oktober bereits 32 Prozent im Plus und seit Auflage am 31.10.1996 um rund sechs Prozent p.a..

Mit ESG-orientierten Alternativen Investments hingegen sieht es eher mager aus. Doch es sind gerade AI-Investments wie Long/Short Equity, Managed Futures und Global Macro-Fonds, die als Korrelationsbrecher im Gesamtportfolio das Chancen/Risiko-Verhältnis optimieren, während das opportunistische Aufgreifen von Trends und Chancen am Aktienmarkt durchaus Überrenditen ermöglicht, die beispielsweise aktuell mittels ESG-Vorgaben verhindert würden.

Fossiler Boom wegen Strommangel und steigenden Blackout-Risiken

Kohle, Erdgas und Erdöl – sind alle im Aufwind, leider „klimafeindlich“ und in der ESG-Community verpönt. Der Kohlepreis ist binnen eines Jahres um 311 Prozent gestiegen, was die Aktien von Kohleminen beflügelt. Die Ursache liegt in einer globalen Energiekrise mit Epizentrum China: Fabriken wird der Strom abgedreht. In mindestens zehn Provinzen Chinas kam es zu flächendeckenden Stromausfällen und an zahlreichen Produktionsstandorten stehen die Bänder still. Mittlerweile melden mehrere Städte Stromausfälle in Wohnanlagen. Selbst Ampelanlagen fallen aus und es fehlt an Straßenbeleuchtungen. Das pikanteste Detail am Rande ist dabei die hausgemachte Natur des Problems:

Staatschef Xi Jinping kündigte vor einem Jahr an, bis 2060 die Klimaneutralität zu erreichen. Da fast alle Provinzen die Klimaziele überschritten haben, muss jetzt der Stromkonsum eingeschränkt werden und dies im Umfeld der Kohleknappheit nachdem im Zuge eines Handelskonfliktes Chinas mit Australien die Staatsführung angeordnet hat, die Kohleimporte aus Australien drastisch zurückzufahren. Auch wurden im wichtigen Kohlerevier „Innere Mongolei“ zahlreiche Kohleminen stillgelegt. Doch Fakt ist, dass in China nach wie vor zwei Drittel des Stroms mit Kohle erzeugt werden und kein Land der Erde verbrennt so viel Kohle wie China – Tendenz steigend. Von 2016 bis 2020 wuchs die Kohle-Produktion Chinas von 3,41 auf 3,84 Milliarden Tonnen und sie liegt nur noch knapp unter dem Spitzenwert von 2013. Bevor Millionen Chinesen im Winter erfrieren, setzt die chinesische Regierung andere Prioritäten als Klimaziele. So sollen alleine im Landesteil Innere Mongolei neue Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von über zehn Gigawatt gebaut werden und im Sommer hat die Regierung in Peking beschlossen, 53 bereits stillgelegte Kohleminen wieder in Betrieb zu nehmen.
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