Jenseits der Satire

von Mario Passini

Zwei Ereignisse stehen gleichzeitig vor ihrem Ende und ihrem Anfang. Eines davon nennt sich Brexit. Wenn man die Brexitverhandlungen auf britischer Seite verfolgt, staunt man über die brutale Sprache welche die englische Presse, aber auch Snobs, Lords und Politiker führen. Seit dem Freibeuter – Schönsprech für Pirat – Francis Drake, der ob seiner Verdienste gegenüber der englischen Krone zum Ritter und Vizeadmiral befördert wurde, hat es das in dieser Form nicht mehr gegeben. Das mindeste was die EU in den Augen des konservativen britischen Establishments darstellt ist das vierte Reich.

Eine andere Spezialität ist die exzentrische Politik des britischen Premierministers Boris Johnson. Dessen Pokerkunst ist einzigartig. Zunächst drohte er mit dem Abbruch der Gespräche, falls es bis zum 15. Oktober keine Einigung gäbe. Dann war der nächste absolute Schlusspunkt Ende Oktober. Jetzt sind wir schon beim 15. November angelangt. Die Presse jubelt, man stehe in den Verhandlungen vor einem Durchbruch. Im Kleingedruckten kann man dann lesen, dass es in den drei wesentlichen Kapiteln, Fischerei, Levelfield und Beihilferegeln nichts weiter geht. Ganz neu ist, dass auch der Austrittstermin zum 01.01.2021 00:00 Uhr kein Enddatum mehr sein muss. Was soll denn dagegensprechen, wenn man zunächst den Austritt verdaut um dann Schritt für Schritt zu einer „guten“ Lösungen zu kommen? Ein Showdown als unendliche Geschichte. Ob „BoJo“, so nennt die britische Presse den englischen Premier, damit einverstanden ist? Das wird wohl wesentlich von seinem persönlichen Berater, Dominic Cummings, abhängen. Der sei, so der allgemeine Tenor, in Wahrheit der Strippenzieher der die Puppen tanzen lässt. Das ist Staatskunst von Nummer 10 (Der Regierungssitz): Die Spannungen aufrecht zu halten, bis der Moment kommt, wo man beweisen kann, dass man zu den Guten gehört und die böse, böse EU an allem schuld ist. Dann ist der „ofenfertige“ Deal endlich durch.

Inzwischen sinkt der Stern Johnsons weiter. Großbritannien ist aufgebracht, weil die Tories, seine Partei, den Schulkindern das kostenlose Essen gestrichen hat. Ein Privatmann, Marcus Rashford, hat gehandelt. Seine Privatkampagne für hungrige Kinder findet allüberall in GB Mithelfer. Sogar die Regierung Johnsons will nun auf den Zug aufspringen. Es kommt schlimmer noch. Ein erster Schock durchquerte das Vereinigte Königreich als man erfuhr, dass Briten zukünftig auf kontinentalen Flughäfen nicht durch die „Fastlane“ für EU-Bürger gehen dürfen, sondern durchs Tor für „Fremde Völker“. Ein Aufschrei. Wie laut werden die GB-Bürger erst werden, wenn sie merken, dass der Glücksfall Brexit die Preise für Lebensmittel um bis zu dreißig Prozent teurer macht? Einer der größten Comedians unserer Zeit, Georg Schramm, zitiert Papst Gregor mit den Worten: „Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht.“

Das zweite Ereignis, viel wichtiger, sind die Wahlen in den USA. Es wimmelt nur so von Prophezeiungen auf höchstem, wissenschaftlichen, Niveau. Illusionisten und Auguren geben Donald Trump keine Chance. Ein Web-Video auf „You-Tube“ sagt voraus, und das acht Tage vor der Wahl, dass Trump nur mehr eine 5-prozentige Chance habe nochmals gewählt zu werden.
Ich meine, deren Glaskugeln müssen verschmiert, verschmutzt oder zerkratzt sein. Ich halte es mit der einen Voraussage, dass Trump auch diesmal gewinnt. Er wird weitere vier Jahre alles Mögliche beschimpfen und nur eines von sich geben: Die Wahrheit, und nichts als die reine Wahrheit. Er wird weiter gegen Fake-News ankämpfen und gewinnen. Und wir werden weitere vier Jahre mit seinen münchhausener Geschichten leben müssen.
Er wird gewinnen, alleine schon deswegen, weil er Corona besiegt hat. Seine Anhänger johlen und fallen in Ohnmacht, wenn sie in seine Nähe kommen und meinen, dass nun auch sie gegen das Virus gefeit seien. Sie jubeln nach dem „Macho-Motto“: „Steck.-.Mich.-.An.“ Trump als last man standing.

Sollte Donald Trump jedoch die Wahl verlieren, was gänzlich ausgeschlossen ist, dann ist es Betrug. Dieses Bananarama wurde entweder von China inszeniert oder durch Strategie von Fake-Medien geschaffen. Er wird das Oval-Office nicht verlassen. Hat er diese Behausung doch als Corona-Sieger eingenommen. Er wird beweisen, dass alle Briefwahlstimmen gefälscht sind. Alle! Und er wird beweisen, dass er es war der die Pandemie beendet hat. Die USA haben einen Krieg gegen die Dummheit verloren.
Am Mittwoch, den 4. November wird zumindest eine Wahlvoraussage richtig gewesen sein. Und Donald bleibt weiterhin der wahrheitsliebendste, großartigste und wunderbarste Präsident auf Erden. Solange die Welt besteht. Eine epische Entscheidung. Demokratie, Fortschritt, Solidarität oder die transatlantischen Beziehungen sind dann nicht mehr im Gleichgewicht. Am Anfang steht das Ende. Wörtlich sagt er (wieder): „Ich bin´s Euer Lieblingspräsident.“ Halleluja. Pardon, falsch: Hugh! So sprach der alte Häuptling der Indianer !