Krieg! Wirklich Krieg?

von Mario Passini

Es sei die Thukydides-Falle sagt Chinas oberster General Xu Qilian, der nach Präsident Xi das Kommando über die Streitkräfte des Landes innehat. Thukydides-Falle – nie gehört! Im Weltlexikon Wikipedia nachgeschlagen, kann man lesen: Die „Thukydides-Falle“ sei nach dem in der Antike lebenden griechischen Historiker und General Thukydides benannt und bedeute die Unvermeidlichkeit eines Krieges, wenn eine neue Weltmacht eine bestehende verdrängt.

General Xu Qilian hat sicher nicht ganz unrecht, wenn er vermeint, dass die Beziehungen zwischen den USA und China auch nach Donald Trump´s Abgang weiter angespannt bleiben. Er fordert erhöhte Militärausgaben, um sich auf die „Thukydides-Falle” vorzubereiten, die einen Krieg mit den USA erzwingen wird. Laut der South China Morning Post sagte Xu : „Angesichts der Thukydides-Falle müssen wir Durchbrüche bei den Kampfmethoden und -fähigkeiten erzielen und eine solide Grundlage für die militärische Modernisierung schaffen.” Xu ist eines der 25 Mitglieder des inneren Kreises der Kommunistischen Partei und möchte die Ausgaben für das bereits größte Militär der Welt erhöhen. Er glaubt, dass China bald die USA als Wirtschaftsmacht überholen wird, so Xu bei einer Diskussion auf der jährlichen Versammlung des Nationalen Volkskongresses in China. Die Thukydides-Falle wird von hochrangigen Beamten in China jedoch selten offen diskutiert. Präsident Xi sagte 2015 bei einem Besuch in Seattle: „Es gibt keine sogenannte Thukydides-Falle.

Einige meinen aber, dass die chinesische Staatspropaganda an der Idee festhält, wonach die Opposition gegen die USA weiter auszubauen ist und Verbündeten zu suchen sind. „Denn, sollten große Länder den Fehler einer strategischen Fehleinschätzung machen, könnten sie damit solche Fallen für sich selbst schaffen.” Xu´s Kommentar kommt inmitten der Besorgnis in China über die Beziehung zu den USA unter Präsident Joe Biden. Der sagte, Peking sei Washingtons “ernstester Konkurrent”, und seine Regierung hat angekündigt, dass es den harten Ansatz von Donald Trump im Großen und Ganzen fortsetzen wird.

China gilt seit Jahrzehnten als wachsender Rivale der USA und seine Führer haben ausgefeilte Strategien entwickelt, um Einfluss in den Entwicklungsländern zu gewinnen. Die Staatsführung hat sich darauf konzentriert die Gebietsansprüche Chinas auszuweiten, mehr Kontrolle über Sondergebiete wie Hongkong auszuüben und ihre Errungenschaften als globale militärische und wirtschaftliche Macht fortzusetzen.
Während der Trump-Regierung leiteten die USA eine Reihe von Aktionen gegen China ein, darunter einen Handelskrieg, die Anfechtung der Gebietsansprüche des Südchinesischen Meeres durch China und Sanktionen gegen chinesische Beamte und Firmen, die als Sicherheitsbedrohungen angesehen werden. Der chinesische Außenminister Wang Yi warnte Biden davor, Chinas “rote Linien”, wie das umstrittene Gebiet Taiwans, zu überschreiten. US-Kriegsschiffe patrouillierten in den letzten Wochen im Südchinesischen Meer. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Wu Qia, sagte, dass ein Teil der 6,8 Prozent-Erhöhung des Militärbudgets für den Versuch ausgegeben wird, die USA einzuholen, um auf dem modernen Schlachtfeld zu “kämpfen und zu gewinnen”.
Die Schifffahrtsfreiheit im Südchinesischen Meer und insbesondere um Taiwan ist umstritten. Ein Konflikt zwischen den USA und China um Taiwan ist letztendlich unvermeidlich, es sei denn, eine Seite zieht sich dramatisch zurück. Glücklicherweise gibt es auch gegensätzliche Meinungen. Doch wird zu beachten sein, wie das Weiße Haus das faszinierende “längere Telegramm” bewertet, das im Januar vom US-amerikanischen Think Tank Atlantic Council veröffentlicht wurde. Verfasst von einem anonymen, hochrangigen ehemaligen Beamten, enthält es eine weitreichende China-Strategie, die darauf abzielt, Präsident Xi und nicht die KPCh-Herrschaft zu konfrontieren. Pentagon-Planer mögen die milde, aber wirklich alarmierende Analyse beachten, dass die USA jetzt einen Krieg gewinnen können – aber möglicherweise in Zukunft nicht. Es heißt weiter im Dokument: „Die US-Strategie muss verstehen, dass China vorerst sehr besorgt über militärische Konflikte mit den Vereinigten Staaten ist, aber dass sich diese Haltung ändern wird, wenn sich das militärische Gleichgewicht im nächsten Jahrzehnt verschiebt”. Erschreckend geht es weiter: „Die Vereinigten Staaten müssen sorgfältige strategische Entscheidungen darüber treffen, wann und wie China im Südchinesischen Meer militärisch konfrontiert werden kann.”
Aber es gibt auch heitere Entwicklung. Die Londoner Brexiteers, die hartnäckig von Global Britannia träumen und von der Wiedererlangung der Beherrschung der Weltmeere, a lá Edward Teach, genannt Blackbeard, haben ihren neuesten Flugzeugträger, die HMS „Queen Elizabeth“ (R08), ins Südchinesische Meer beordert. Dort schwimmt das mehrere milliardenteure Riesenschiff (rd.70.000-Tonnen-Klasse) herum, mit geliehenen US-Flugzeugen und beschützt von der US-Marine. Man müsse Präsenz zeigen, heißt es aus London. Und weiter: Die britischen Wähler sind über China schlecht informiert und die Medien berichten nicht annähernd ausreichend darüber. Viel Geld für eine Demonstration meint die Opposition. Die Meinung von General Xu Qilian dazu ist nicht bekannt.
Quelle: NewYork Post