Liechtenstein – Ein attraktiver Captive Standort

von Remo Mairhofer Rechtsanwalt und Inhaber der Maierhofer Advokatur

Weltweit sehen sich derzeit die Versicherer mit großen Schäden aufgrund der Coronavirus-Pandemie konfrontiert. Aber auch die Folgen von Klimawandel, Cyber-Risken sowie Naturkatastrophen führen zu immer höheren Schadenssummen, was unter einem nach wie vor anhaltenden Niedrigzinsumfeld zwangsläufig die Preise für Versicherungsleistungen in die Höhe treiben lässt. Gesucht sind nun Sicherheit und Stabilität in der Risikofinanzierung wie auch im Risikomanagement. So verwundert es nicht, wenn Captives erneut in den Fokus vieler Unternehmen rücken.
Innerhalb von Europa fällt die Wahl für den Captive-Standort oftmals auf Finanzzentren wie Luxemburg, Irland oder Malta. Liechtenstein ist dabei selten auf der Agenda der Unternehmen präsent. Dabei verdient es der Standort, in der engeren Auswahl geeigneter Standorte zu stehen. Denn der Kleinstaat bietet sowohl für Direkt- als auch Rückversicherungs-Captives attraktive Bedingungen.1

Im Herzen von Europa

Aufgrund der EWR-Mitgliedschaft gelten in Liechtenstein für die Finanzmarktteilnehmer dieselben gesetzlichen Anforderungen wie in der EU. Liechtensteinischen Versicherungen erhalten den sogenannten EU-Pass und haben damit die Möglichkeit, in sämtlichen Mitgliedsländern ihre Dienstleistungen anzubieten. Darüber hinaus besteht im Gegensatz zu Luxemburg, Malta oder Irland auch ein freier Zutritt zum schweizerischen Versicherungsmarkt. Inmitten von Europa und gut vernetzt, besitzt Liechtenstein zudem einen einfachen Zugang zu Spezialisten und Fachkräften aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und dem Rest der europäischen Staaten und ist innert kürzester Zeit von Zürich, Innsbruck oder München aus erreichbar. Die Amtssprache in Liechtenstein ist Deutsch, wobei als Geschäftssprache Englisch vorherrschend ist.

Regulatorisches Umfeld

Liechtenstein verfügt über einen international stark vernetzten Finanzplatz. Die Kunden und Märkte der liechtensteinischen Finanzintermediäre befinden sich zu einem großen Teil im Ausland. Um eine adäquate Aufsicht gewährleisten zu können, existiert Liechtenstein eine starke, international anerkannte Finanzmarktaufsicht (FMA). Diese hat u.a. Beobachterstatus bei der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) und ist Mitglied in der Internationalen Vereinigung der Versicherungsaufsichtsbehörden (IAIS) und der internationale Dachverband der Aufsichtsbehörden über Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (IOPS). Die Gewährleistung höchster Professionalität bei gleichzeitiger Flexibilität stellt ein wesentlicher Vorteil zu den oftmals trägen Aufsichtsbehörden anderer Länder dar. Hinzukommen kurze Entscheidungswege sowie ein unkomplizierter und persönlicher Zugang zu ökonomischen und juristischen Captive-Experten der FMA – Faktoren, die eine Standortwahl entscheidend beeinflussen.

Liberales Gesellschaftsrecht und etablierter Finanzdienstleistungssektor
Ein weiterer wichtiger Vorteil des liechtensteinischen Finanzplatzes stellt das liberale Gesellschaftsrecht dar. Dieses bietet auch ein gesetzlicher Rahmen für Protected-Cell-Companies, deren Nutzung durch Versicherungen derzeit jedoch nicht erlaubt ist. Darüber hinaus finden auch FinTech-Unternehmen optimale Rahmenbedingungen für die Führung eines erfolgreichen Geschäfts vor. Mit dem Token- und VT-Dienstleistungsgesetz (Blockchain-Gesetz) schaffte Liechtenstein weiters auch als erstes Land der Welt eine Rechtsgrundlage für die Token-Ökonomie.

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