Luxus, Bitte!

von Mario Passini

©Marchfelderhof

Schön langsam wird´s Zeit, dass die Lockdowns auch einmal enden. Die Regierung hat viel gelernt. Die Oberen Einhundert und deren Propagandakompanie wissen inzwischen, dass wir dieses Wort nicht mehr hören können. Deshalb benannten sie die neue Sperre: „Osterruhe“. Wie freute ich mich schon, gleich nach dieser „Ruhe“, auf ein Bier im Stammbeisl. Aber nix is. Als inzwischen geschulte Politsprech-Versteher argwöhnen wir, dass die verlängerte Osterruhe nahtlos in „Sommerferien“ übergehen wird. Zu eindeutig sind die, gezielt verschleierten, Alarmmeldungen. Angst, Schrecken und Entsetzen, verbreitet über alle Medienkanäle, halten uns Lämmer ruhig. Nachrichten im Fernsehen, voll auf Regierungskurs, sind zur Tagesberichterstattung eines Beerdigungsinstitutes mutiert. Es ist das Dilemma der Lämmer.
 
Ok, werde ich halt erst nach Pfingsten ins nächste Beisl gehen. Aber gleich danach weiter in mein Lieblingsrestaurant, das sich verschmitzt Gasthaus nennt. Es ist ein echtes GAST-Haus. Ein lukullischer Tempel. Und weil es auf seine Art und Weise einmalig ist, nennt es sich auch gerne Festaurant. Es bildet auf unnachahmliche Art und Weise so etwas ab wie die gute, alte Zeit. In einem alten Wienerlied heißt es: „Du liabes altes Haus, schau´st mich so freundlich an und sagst komm´ her zu mir, schaff´ dir a´ Glaserl an.“ So ähnlich ist die Location. Einfach: Man fühlt sich dort wohl.
 
Ok, nicht jedem mag das Ambiente gefallen. Aber seinem Flair kann sich keiner entziehen. Und wahrhaftig, die ganze Welt war dort schon zu Gast. Vom Heiligen Vater, dem Papst aus Rom, über Nancy Sinatra, Liz Taylor bis zu Ihren Hoheiten aus der Habsburger Dynastie. Die Prominenz aus Kunst und Kultur beehrt das „Wirtshaus“ ebenfalls. Hundert Bilder mit Autogrammen bezeugen dies. Und natürlich alle Adabei´s. Wie, beispielsweise, Maria, die „Dunkelmizzi“. Die stets, wenn ein Fotograf auftauchte, um einen Promienten abzulichten, darauf lauerte ebenfalls im Bild zu sein – und sei es nur ihr Nasenspitzel.
Wen es gelüstet, der kann sich´s aussuchen, ob er am Stammplatz von Johannes Heesters, Heinz Conrads oder Jean Claude van Dam Platz nehmen will – oder auf einem anderen Prominentenplatzerl.
 
Das ist die eine Seite. Die andere ist die Küche, dargeboten in einer der größten (dicksten) Speisekarten, die ich kenne. Dass es dort lukullisch, genüsslich zugeht, habe ich schon eingangs erwähnt. Dort aß ich eine der ersten Spareribs. Ist lange her. Es waren und sind die Besten, die man bekommen kann. Die Preise stimmen und auch das Rundherum. Von der manchmal beklemmenden Handleserin, bis zu den unvermeidlichen Schrammeln. Und den Auftritten des Wirts.

Denn Höhepunkt ist zweifellos die einzigartige Gastfreundschaft. Der Wirt, ein begnadeter Gastronom, hat die Gabe jeden seiner unzähligen Gäste beim Namen nennen zu können. Selbst wenn man lange nicht mehr eingekehrt – und selbst kein Prominenter war. Sein helles Lachen und seine Persönlichkeit gewürzt mit verschmitztem Humor sind unvergessen. Unvergessen? Ja, dieser einmalige „Gästefänger“ mehr noch „Menschenfänger“ im edelsten Sinn des Wortes, Gerhard Bocek, hat die Welt im Februar dieses Jahr verlassen. Übrigens: Coronalos. Ein unersetzlicher Verlust. Sehr viele, mich inbegriffen, werden ihn sehr vermissen.
 
Spätestens jetzt wissen viele, oder alle? wovon die Rede ist: Vom „Wirts“-GAST-Haus/Festaurant Marchfelderhof in Deutsch Wagram. Gleich nach der letzten Oster-Sommer-oder-sonst-was-Pause werde ich dort einkehren. Luxus. Bitte! Der bisherige Geschäftsführer, Peter Großmann, wird den Betrieb weiterführen. So wie bisher. In aller Qualität und Gastfreundschaft. Er verspricht das.

Nur eines kann er nicht, Gerhard Bocek ersetzen.
Der ist/war einmalig und ich nehme an, er erfreut jetzt die Engerln auf Wolke sieben und begrüßt sie alle mit Namen.