Macht dem Spuk ein Ende

von Mario Passini

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Kennen Sie sich bei den Corona-Vorschriften noch aus, verehrte Leserin, verehrter Leser? Nahezu im Wochentakt werden Vorschriften zur Pandemiebekämpfung verlautbart, zu denen es in kurzen Zeitabständen dann heißt, dass bald eine Veränderung oder Verschärfung der Lage folgen wird. Einer Umfrage der Kronen-Zeitung zufolge geben 80 Prozent der an der Umfrage Beteiligten an, dass sie sich im Verordnungswirrwarr nicht (mehr) auskennen.

Schwierige Zeiten
Verantwortlich für diesen Zustand ist die Politik und zwar über das gesamte politische Spektrum hinweg. Das Bemühen es möglichst allen recht zu machen und möglichst niemanden wehzutun ist kläglich gescheitert. Der Politik mangelt es an Glaubwürdigkeit und Umsetzungswillen. Jetzt hofft die Politik, dass jenes Volksbegehren gewinnt, das genehm ist und mit dem man die Pandemie abwenden kann.

Komplex ist die Situation aber nicht zuletzt auch durch die vollständige persönliche Freiheit des Einzelnen, die uns als größte Errungenschaft verkauft wird. Doch, wer keine Grenzen kennt, ist grenzenlos. Fehlentwicklungen in den Social Medien weisen es nach.
Einer relativ kleinen Gruppe von Gutmenschen ist es gelungen, Trends zu setzen. Toleranz sei ihr Leitstern, so die Toleranten. Sie stürmen Denkmäler und beurteilen das Leben von vor Jahrhunderten lebenden Vorfahren nach ihren eigenen, pingeligen Regeln. Sie sollten, nach Bruno Kreisky, Geschichte lernen. Man kann darauf wetten: Durchs Verschandeln unserer Sprache hat keine Österreicherin mehr Geld im sprichwörtlichen Lohnsackerl. Das vermurkste „Binnen-I“ verhilft wahrscheinlich nicht einmal zu einem Gutschein für eine Putzhilfe. Und die Anerkennung? Die haben „Die Österreicherinnen“ auch schon vorher erfahren. Nachzulesen schon bei Friedrich Schiller. Und als Leopold Figl, 1945, in schwerster Zeit, den „Österreichern“ sagte, dass er ihnen nichts geben könne, da wusste meine Mutter, dass auch sie gemeint war. Manche Toleranten haben einige Stoppschilder im Kopf. Die Verballhornung der deutschen Sprache, der Sprache von Goethe und Schiller, ist kaltblütiger Muttersprachenmord. Schlimm ist, dass offizielle Stellen dem Binnen-I-Druck nachgeben. Man gendert was das Zeug hergibt. Gefühlt ist man schon beim fünften Geschlecht. Bemerkenswert an den selbsternannten Toleranten ist, dass sie für sich selbst uneingeschränkt Toleranz einfordern, aber keine andere Meinung dulden außer ihrer eigenen.

Corona

Eigentlich wollte ich auf keinen Fall noch etwas über Corona schreiben. Diese Story ist tot. Was lebt, ist der Virus und die Verwirrung um die Art seiner Bekämpfung. Und um ja keine Wählerstimmer zu verlieren, vermeidet man mutlos das einzige Mittel mit dem man das Virus eindämmen kann.

Nein, ich bin weder ein Coronaleugner noch ein kriegerischer Impf-Fan. Doch im Gegensatz zu 2020 gibt es jetzt ein Mittel gegen die Pandemie. Wir stehen vor einer unheilschwangeren vierten Welle. Und etwas Wesentliches wird nicht ausgesprochen: Es gibt eine Bevölkerungsgruppe die völlig hilflos dem Treiben der Erwachsenen ausgeliefert ist. Die Kinder. Sie sind unser höchstes Gut. Unser einziger, wirklicher Schatz. Sie vor dem Virus zu schützen ist für jeden einzelnen von uns Pflicht.
Die einfachsten Argumente wirken am schönsten. Allein aus diesem Grund – und des Selbstschutzes wegen – sollten wir den einzig möglichen Weg gehen. Italien macht es uns gerade vor. Sicher, nicht alle können oder dürfen geimpft werden. Die überwiegende Mehrheit sollte das Argument aber überzeugen: Impfschutz ist Kinderschutz.

Im Übrigen: Warten wir ab, was nach der Landtagswahl passiert. Auf Dauer kann eine Minderheit die Mehrheit nicht davon abhalten, wieder ein normales Leben zu führen. Macht doch dem Spuk ein Ende.