Mehr als nur U-Boote

von Mario Passini

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Es ist eine Art Brexit-Strategie: Auf zu vergangener Größe. Die britische Presse meint zum „Aukus-Deal“ (USA, Australien und England. D. Red) Boris Johnsons Militärbündnis im Pazifik sei rücksichtslose, postimperiale Nostalgie – so wörtlich.

Londons Beitritt zum Aukus-Verteidigungsabkommen zwischen den USA und Australien ist im Wesentlichen das Ergebnis einer Auseinandersetzung darüber, wer acht U-Boote für die australische Marine bauen wird. Australien bestellte Dieselboote im Wert von 48 Milliarden Pfund bei Frankreich, änderte dann seine Meinung und kündigte den Deal. Die „Aussis“ wollen jetzt Atomwaffen aus den USA und Großbritannien.

Bemannte U-Boote sind letztlich Technik aus dem Weltkrieg II. Von moderner Kriegsführung überholt und nur begrenzt nützlich in einem Zeitalter transparenter Ozeane und Unterwasserdrohnen. Atomare Bedrohung ausgenommen. Das gilt auch für riesige Träger. Diese Wehrtechnik strotzt vor Kosten, Ineffizienz und der irrigen Meinung veraltete Kriege führen zu können – nachzulesen in britischen Medien. Und weiter: Verteidigungsverträge haben eher eine unternehmerische Grundlage und eine politische Existenz, die über den Nutzen hinausgeht.

Der spezielle Rüstungsvertrag soll sich offenbar in eine neue Militärallianz im asiatisch-pazifischen Raum verwandeln. Briten-Premier Johnsons Verteidigungsberater Stephen Lovegrove bezeichnet dies das als einen tiefgreifenden strategischen Wandel. Downing Street hat schon etwas erreicht: China ist erzürnt. Nebenbei hat man Frankreich gedemütigt.

Briten-Premier Johnson beteuert, dass man China nicht feindlich gesinnt sei. Doch als Theresa May fragte, ob er ernsthaft einen Krieg gegen Taiwan vorsehe, weigerte sich Boris, nein zu sagen. „Das Vereinigte Königreich sei entschlossen, das Völkerrecht zu verteidigen.“ Harte Worte von einem Staat, der in Chinas Augen nur eine Spur größer ist, als eine der hundert chinesischen Großstädte. Und die vom britischen Weltreich träumende Inselregierung bringt das pazifische Bedrohungsszenario nach Old Europa.

Denn das ist neben dem Brexit der viel weitergehende Traum einer Wiederauferstehung des British Empire. Johnson will Stärke zeigen. Im Juli schickte er seinen Flugzeugträger (die HMS Queen Elizabeth) in die umstrittenen Region im Südchinesischen Meer. Peking warnte. Dass (auch) Dickschiffe gegen Luftangriffe verwundbar sind, sollte Boris wissen. Die Japaner versenkten 1941 zwei der mächtigsten englischen Schlachtschiffe (HMS Repulse und Prince of Wales) innerhalb einer halben Stunde. In der englischen Presse kann man es wörtlich lesen: Johnsons Eitelkeit verschlingt riesige Summen öffentlicher Gelder.

Es ist ein halbes Jahrhundert her, dass Harold Wilson Großbritannien formell aus „östlich von Suez“ zurückgezogen hat. Johnson sehnt sich eindeutig danach, zurück, um zu beweisen, dass er irgendwie Großbritannien nach dem Brexit wieder auf die Weltbühne bringen kann. Eine Tatsache, die der Brexit nicht ändern wird, ist die Geographie. Großbritannien hat keinen vorstellbaren Grund, im Pazifik eine aggressive Position einzunehmen. Es ist eher postimperiale Nostalgie
Ein nicht unwesentlicher Grund warum Johnson sich dem Aukus-Deal anschloss ist wohl, dass er alles unternimmt um sich bei der USA-Administration beliebt zu machen. Denn eine große Hoffnung ist geplatzt: Nach einem Treffen mit US-Präsident Joe Biden im Weißen Haus scheint ein bilaterales Freihandelsabkommen in weite Ferne gerückt zu sein. Britische Medien berichteten, dass London nun einen Beitritt zum nordamerikanischen Handelsabkommen USMCA zwischen den USA, Kanada und Mexiko anstrebe.

Zum Schluss eine allerletzte – dringende – Meldung aus London: Wie soeben bekannt wird, hat Mi5-London James Bond die „Lizenz zum Töten“ entzogen und schickt den Obergeneralagenten in Rente. Ob er danach noch einmal im Kino zu sehen sein wird? Ein klitzekleines Trostpflaster bleibt ihm: Eine Gage von 58 Millionen Euro. (BILD-Zeitung). Letzte? Chance für Bond-Fans: Sein 25. Abenteuer ansehen. Bond hat keine Zeit zu sterben. WOW!