Mein Gott, Donald

von Mario Passini

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„Er ist aus dem Ruder gelaufen, und die ehrlichen Leute um ihn wussten, dass er verrückt ist.“ Das sagt Anthony Scaramucci in der New York Times über Donald Trump. Er lässt keine Gelegenheit aus um in Gesprächen und Interviews kurze, aber prägnante Einblicke in die Präsidentschaft Trump´s zu bieten.

Anthony Scaramucci, Dr. jur. Spitzname The „Mooch“ (Der Schnorrer) war anerkannter Hedgefondsmanager (u.a.) bei Lehman Brothers. Dann so etwa um 2016, als Trump-Fan, werkelte er sehr erfolgreich als Fundraiser. Er sammelt (viel) Geld für die Trump-(Wahl)-Campaign bei Spendern, Förderern und Sponsoren. Dann nahm ihn Trump, im August 2017, in seine Regierung auf und ernannte ihn zum Kommunikationsdirektor im Weißen Haus. Scaramucci war bekannt für derbe Sprüche: „I’m not Steve Bannon, I’m not trying to suck my own cock, – Ich bin nicht Steve Bannon. Ich versuche nicht, meinen eigenen Schwanz zu lutschen.“ Nicht ganz zwei Wochen später wurde er gefeuert. Jetzt redet Scaramucci Klartext. Es ist schon abenteuerlich, wie es zu Trumps Regierungszeit zugegangen ist. Hier ein – stark gekürzter – Auszug aus einem dreiteiligen Interview das tiefe Einblicke in Trumps Handeln bietet.

Die Arbeit für Donald Trump hätte Anthony Scaramucci beinahe die Ehe gekostet. Die Entlassung aus dem Weißen Haus hat Morddrohungen ausgelöst. Das FBI hat die Fakten. Und doch, so Scaramucci: „Wie kann ich mich nicht großartig fühlen? Donald Trump ist nicht länger Präsident. Wenn ich auch nur ein paar Stimmen zu diesem Ergebnis beigetragen habe, hat es sich gelohnt.“
Scaramucci berichtet, dass Donald Trump mehr darüber besorgt war mehr Geld zu verdienen, als sich um sein Vermächtnis als Präsident zu kümmern. Und weiter: „Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2017 hat er, der Präsident, mehr als 3.000 Interessenkonflikte verursacht. Ein Ergebnis seines Überlegenheitskomplexes.“ Jetzt möchte er sehen, ob er in der Republikanischen Partei seine Macht entfalten und ausüben kann. Er möchte sehen, ob er nach dem bewussten 20. Januar irgendwelche politische Bedeutung hat. Und Scaramucci fügt hinzu: „Und er ist vor Angst gelähmt, weil eine ganze Reihe von Ermittlungen anstehen und eine Tonne Schulden ausstehen. „Nur Gott weiß, wie viel er während der Verwaltung verdient hat. Er ist möglicherweise nicht in der Lage, das Geld, das er während seiner Präsidentenzeit eingenommen hat, zur Tilgung dieser Schulden zu verwenden.“

Nach seiner Tätigkeit für die Trump-Administration wandelte sich Scaramucci zum Unterstützer des jetzigen US-Präsidenten, Joe Biden. Im Interview erklärte er, warum Joe Biden seinen Vorgänger nicht im Gefängnis sehen will. Scaramucci bezeichnet Trump mehrmals als Soziopathen oder inländischen Terroristen. Er beschuldigt den Ex-Präsidenten, während des Übergangs vorsätzlich fahrlässig gehandelt zu haben, als er sich darauf konzentrierte, falsche Behauptungen über eine gestohlene Wahl aufzustellen, ohne sich mit der Pandemie zu befassen. Scaramucci; „Er ist bösartig. Er hat die Wahl verloren. Er wollte die Menschen dafür verletzen und hat die Impfmechanismen verlangsamt. Biden macht einen guten Job, um das wieder in Ordnung zu bringen. Trump hasste Anthony Fauci, (Immunologe, Berater des Präsidenten), weil er so viel schlauer war als er. Biden lässt echten Experten ihren Job machen.

Scaramucci der am Tag des Aufstandes im US-Kapitol, am 6. Januar, seinen 57. Geburtstag feierte, ist alarmiert darüber, wie nahe Trump dem Erfolg gekommen ist. „Wenn er besser organisiert gewesen wäre und ein paar Dinge seinen Weg gegangen wären, wenn Kevin McCarthy (Anführer der Hausminderheit im Repräsentantenhaus. D. Red.) Sprecher gewesen wäre, wenn Josh Hawley und Ted Cruz (republikanische Senatoren) in Machtpositionen gewesen wären dann hätte alles passieren können.“ Zum Glück ist Trump hoffnungslos darin, irgendetwas zu organisieren. „Er war so manisch unsicher, dass er keine klugen Leute in seiner Nähe haben konnte.“

Scaramucci, ein Unternehmer mit Hintergrund, prüft derzeit mit anderen Anti-Trump-Republikanern die Möglichkeit, eine neue Mitte-Rechts-Partei zu gründen. Er sagt, es klopfen erschöpfte Milliardäre an meine Tür und sagen: „Ich bin gut für fünfzig Millionen, wenn Sie können, brechen Sie den Trump-Würgegriff und stoppen Sie das Unrecht, eines demagogischen Personenkults“.
Scaramucci meint, dieser Albtraum Ende nur, wenn Trump im Gefängnis landet. „Ich weiß, dass Biden das nicht will“, sagt er, „und er hat Recht.“ Vielleicht zahlt Trump eine hohe Geldstrafe oder plädiert für ein Verbrechen, das ihn unfähig macht, für ein Amt zu kandidieren. „Ich halte es für eine gute Idee, einen Präzedenzfall dafür zu schaffen, dass neue Präsidenten eine Gefängniszelle für den scheidenden Präsidenten bauen.“
Quelle: New York Times