Mit an Aug´ an nassen

von Mario Passini

In da Köllagoss´n sitz´ I gaunz valoss´n, auf an Schta an groß´n und I wan. (Für alle jene, welcher der Wiener Mundart nicht mächtig sind, hier die Übersetzung ins Deutsche: „In der Kellergasse sitze ich (einsam) ganz verlassen, auf einem großen Stein und ich weine.“ Solche Gstanzln sang man so um die (vorige) Jahrhundertwende in der Wiener Altvorstadt. Heute weint man nicht. Heute staunt man, ist verunsichert, bangt vor einem neuen Lockdown. Keine Angst, der kommt – nicht. So hofft zumindest die Wirtschaft. Obwohl unser Herr Bundeskanzler das Wort von der „ultima-ratio“ anklingen hat lassen. Er weiß was. Unser neuer „Gott-sei-die-uns“ heißt Covid-19. Ja, auch wir besetzen dieses Thema. Aber aus anderer Sicht. Es ist erwiesen, dass die Sterblichkeitsrate im Straßenverkehr sinkt, seitdem sich das Virus herumtreibt. Ist eh klar. Das ganze Instrumentarium um das Virus, Lockdown, Homeoffice und Kontaktbeschränkungen haben die Mobilität verändert. Daraus folgt, die Zahl der Verkehrsunfälle, der Arbeitsunfälle, der meldepflichtigen Wegeunfälle und der Schulunfälle hat sich verringert. Es sind also weniger Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Wie schön. Und bei Corona? Da heißt es, dass die Zahl der Corona-Toten zwar steige aber nicht in gleicher Geschwindigkeit wie die gemeldeten Neuinfektionen. Nein, das ist weder gewollt noch beabsichtigt: Eine Aufrechnung.

Klar, wer im Homeoffice sitzt, kann nicht vom LKW überrollt werden. Daheim ist man sicher. Zumindest bis zur nächsten Party. Denn das Durchschnittsalter der Erkrankten ist seit der Hochphase der Pandemie gesunken. Lag es bei Neuinfektionen im April bei etwa 50 Jahren und höher, liegt es derzeit in den Dreißigern und darunter. Alles Fake-News sagen die Maskenprotestierer. Furchtlose habe am Wochenende bei einer Protestkundgebung sogar ihre Gesichtsmasken verbrannt. Das nennt man Optimismus. Oder? Wes shell overcame. Ok, fragt sich nur wie?

Der Herr Präsident tut es, der Herr Bundeskanzler tut es, sogar die Bahnsteigaufsicht tut es. Tu es auch, sei g´scheit, trag Maske. Zum Ende sei ein etwas schräger Abschluss erlaubt: Manchen steht die Maske gut. Man sieht das wahre Gesicht nicht.