One way ticket: Einmal Waldviertel – und nicht zurück

von Mario Passini

Ein alter Spruch sagt: Auf Wunsch wird gehext. Wunder dauern etwas länger. Einer dem ein Wunsch erfüllt wurde ist Gerald Hohenbichler von der Initiative „Pro FJB“. Es geht um die Franz Josefs-Bahn (FJB). Die Strecke von Gmünd nach Wien – oder vice versa. Hohenbichler jubelte. Nach einer Meldung der NÖN (Niederösterreichische Nachrichten) hatten Verkehrsministerin Gewessler und NÖ-Landeshauptfrau Mikl-Leitner das Ende für die „Waldviertel-Autobahn“ verkündet und stattdessen ein 1,8 Milliarden Euro dickes „Mobilitätspaket nördliches Niederösterreich“ angekündigt. Hohenbichler: „Die Meldung meines Lebens.“

Aber die angesagte Öffi-Ausbaustrategie hat halt österreichische Dimensionen. Und Hohenbichler vermeint jetzt, es sei nichts anderes gewesen als eine PR-Show. An die Anbindung der FJB an die Westbahn hat man nämlich schon im 19. Jahrhundert gedacht. Jetzt will man – bescheidene – 1,8 Milliarden in die FJB investieren und das überwiegend um die Infrastruktur – sprich Bahndamm, Geleise und Fahrleitung – zu erhalten. Schon 2016 haben das Land NÖ und ÖBB einen „3-Phasen-Plan“ zur Aufwertung der FJB binnen 20 bis 25 Jahren (! ) vorgestellt. Darunter das sogenannte „Allentsteiger Knie“ – die Begradigungen zwischen Göpfritz und Vitis. Die Strecke Gmünd-Wien solle komfortabler und schneller – in 90 Minuten – bewältigbar sein, hatte es geheißen. Man wollte etwa eine Milliarde Euro investieren. Das Büro vom NÖ-Mobilitätslandesrat weist Kritik scharf zurück. Wie die NÖN berichten habe das Büro des Landesrates u.a. verkündet: „Wir haben anhand von Fakten entschieden. Diese Fakten zeigen, dass wir um Jahre schneller in die Umsetzung der wichtigen Maßnahmen kommen, um so eine Trendumkehr bei der negativen Bevölkerungsentwicklung zu erreichen“.

Herr Hohenbichler ist ungeduldig. Er meint hinsichtlich Fahrzeit werde sich für Waldviertler aber nichts verbessern. Mein Gott, innerhalb eines Jahrzehntes wird man wirklich komfortabler und schneller Reisen können. Oder? Immerhin wird das von der Politik versprochen. Man denkt doch regionalpolitisch! Seit ungefähr – wie vielen Jahren? Eine Verbesserung der Verkehrslage im Waldviertel wird schon lange angedacht. Und so wird mit der Zeit aus dem Wort „angedacht“ das Wort Andenken. Das versprochene Gute gilt allerdings nicht unbedingt für die „Stichbahn“ Wien – Krems. Ist da die Zeit stehen geblieben? Vielen erscheint es irreführend, dass Züge (nicht nur) auf dieser Linie REX genannt werden. REX steht für Regional- EXPRESS. Wer mit einem solchen „Express-Zug“ fährt – und das müssen viele – hofft, dass es einst heißt: Und das Wort ist wahr geworden.

Richtig ist man kann nicht alles vergleichen. Äpfel und Birnen beispielsweise. Aber man kann technische Leistungen gegenüberstellen. Die FJB-Strecke Wien-Gmünd ist in etwa 164 km lang. Seit dem 19. Jahrhundert will man verbessern. Fangen wir – holdselig – erst beim Jahr 2020 an. Gemäß dem Masterplan der FJB von 4. Oktober 2020 soll bis etwa 2035 die Strecke „attraktiviert“ sein. Dem Stellen wir gegenüber: In China baute man in etwa 4 (in Worten. Vier) Jahren (vom 18. April 2008 bis 30 Juni 2011) eine Strecke von 1.318 km (Peking-Shanghai). Daraus ergibt sich rein theoretisch und rechnerisch für die 164 km lange Strecke der FJB eine Bauzeit von sechs Monaten.