Pandemie als Risikobeschleuniger

von Mag. Christian Sec

©adobe stock

Der neue World Risk Report 2021 steht ganz im Zeichen der COVID-19-Pandemie. Die Krise hat viele latente Risiken an die Oberfläche gespült und sie noch dazu verstärkt, wie der Bericht zeigt. Die Ergebnisse des Reports und die neue Risikolandschaft nahm das World Economic Forum zum Anlass, um einige hochrangige Manager zu einer Diskussion zu laden.
„Die Pandemie hat die Veränderungen beschleunigt, die schon für lange Zeit im Verborgenen gewachsen sind“, erklärt Saadia Zahidi, Managing Director des World Economic Forums. Die Gräben in der Gesellschaft wurden durch die Pandemie tiefer und die Welt läuft Gefahr, dass die Anstrengungen gegen Armutsbekämpfung und Ungleichheit um Jahre zurückgeworfen werden, wie der World Economic Report zeigt. Im zweiten Quartal 2020 lag der Arbeitsstundenverlust pandemiebedingt bei einem Äquivalent von 495 Millionen Jobs – 14 Prozent der globalen Arbeitskräfte. Die Automatisierung und Digitalisierung haben sich pandemiebedingt weiter beschleunigt und verstärken die Ungleichheit in der Gesellschaft. Menschen unterscheiden sich immer mehr durch ihre digitale Autonomie und ihren Möglichkeiten ihren Lebensunterhalt durch die digitalen Märkte von Morgen zu verdienen. „Digitale Analphabeten werden aus dem Arbeitsprozess aussortiert“, so Peter Giger, Chef-Risk-Officer der Zurich Insurance Group und Panelmitglied beim World Risk Report. Es wird dabei eine digitale Unterschicht entstehen. Arbeitskräfte, ohne Zugang zu digitalen Ressourcen, werden Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten verpassen. Die Umformung der Arbeitswelt durch Automation wird in den nächsten fünf Jahren 85 Millionen Arbeitsplätze kosten. Auf der anderen Seite werden dadurch 100 Millionen neue Jobs entstehen. Diese Ungleichheit müsste der Staat durch Bildungsmaßnahmen und Zugang zur Digitalisierung ausgleichen, jedoch sind die Mittel zur Bekämpfung aufgrund der staatlichen Interventionen gegen die Pandemie knapp geworden, so Giger.

Fake News bedroht Demokratien

Eine andere Seite der gesellschaftlichen Gefahr, betrifft die Ausbreitung von Fake-News. „Die Fehlinformationen gefährden zunehmend die liberalen Demokratien“, so Giger. Gesellschaften driften auseinander und polarisieren aufgrund dessen zunehmend. Das Misstrauen zwischen Bürgern und politischen Eliten wächst und führt auch zu einer zunehmenden Entfremdung zwischen Volk und Politik. Hinzu kommt, dass die Pandemie zu einer Infodemie führt, mit unmittelbarer Gefährdung für Mensch und Leben, wie der World Risk Report zeigt. Zum Beispiel führten Falschinformationen rund um COVID-19, die besagten, dass hohe Konzentration von Alkohol die SARS-Viren zu über 700 Tote und fast 6.000 Hospitalisierungen im Iran. Falschinformationen können auch den Wiederaufschwung der globalen Wirtschaft gefährden, die nun vor allem von der Impfung abhängt, erklären die Experten des World Economic Forums. Im Gegensatz zu der Fragmentierung der Bevölkerung hat jedoch die Pandemie auch Lösungen gezeigt, die uns bei größeren Schocks vor Verwerfungen in der Zukunft schützen. „In Zukunft brauchen wir Kooperationen, wie uns die Krise gezeigt hat, erklärt Carolina Klint, Riskmanager von Marsh. Die schnelle Entwicklung von Impfstoffen haben gezeigt, wie durch Kooperationen von Privat und Staat resiliente Gesellschaften geschaffen werden können, so Klint.
Lesen Sie mehr im nächsten risControl Print